WM 2018 in Russland Die teuerste Fußball-WM der Geschichte

Hier wird die WM ausgetragen, doch bislang sind nicht alle Stadien fertig.

(Foto: AFP)
  • Am Freitagnachmittag (ab 16 Uhr, Liveticker auf SZ.de) werden die Vorrundengruppen der Fußball-WM 2018 in Russland ausgelost.
  • Schon jetzt steht fest: Es wird die teuerste Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte.
  • Längst sind nicht alle Stadien fertig, dabei soll in weniger als 200 Tagen der Ball rollen.
Von Julian Hans, Moskau

Wenn es nur überall so pragmatisch zuginge wie in Jekaterinburg, würde die Fußball-WM in Russland als Vorbild für Großveranstaltungen in die Sportgeschichte eingehen. Am östlichsten Austragungsort des Turniers haben sich die Architekten etwas bei einem Gastgeber abgeschaut, der den Tisch auszieht, an dem er sonst allein mit seiner Frau sitzt: Sie haben die Stadionwand durchbrochen und hinter den Toren zusätzliche Tribünen konstruiert, die aus dem eigentlichen Gebäude herausragen. Statt wie sonst 25 000 Zuschauer fasst die Arena während der WM mehr als 35 000. Wenn die Gäste wieder abreisen, wird alles wieder abgebaut.

Eine gute Idee, aber nicht ganz billig. Für die etwa 40 Millionen Euro hätte man gleich ein neues Stadion bauen können, meinen Kritiker. In Russland hört man solche Meinungen derzeit aber kaum, dort beginnt mit der Gruppenauslosung an diesem Freitag die letzte Phase im Countdown für das teuerste Turnier der Fußballgeschichte. Weniger als 200 Tage vor Anpfiff werden die Kosten inzwischen auf zehn Milliarden Euro beziffert, dabei sind noch längst nicht alle zwölf Stadien fertig.

Der Testlauf in Moskau verlief chaotisch

Ein Rekordhalter steht trotzdem schon fest: Mit mehr als 800 Millionen Euro Kosten, undichtem Dach, Korruptionsverdacht und Sklavenarbeitern aus Nordkorea auf der Baustelle dürfte das neue Krestowski-Stadion in Sankt Petersburg sowohl beim Preis, als auch bei den Skandalen nicht mehr einzuholen sein.

Ein Testlauf im renovierten Luschniki-Stadion in Moskau ging Mitte des Monats für die Gastgeber in sportlicher Hinsicht einigermaßen glimpflich aus. Im Freundschaftsspiel ließ Argentinien Russland mit einer 0:1-Niederlage davonkommen. Organisatorisch lief es schlechter: 80 000 Menschen mussten das Stadion durch einen schmalen Gang verlassen, die Metro war verstopft, Familien warteten bis zu zwei Stunden in der Kälte, bis sie nach Hause konnten. Die Stadt gab Bauarbeiten und Straßensperrungen die Schuld und versprach, bis zum Eröffnungsspiel in 195 Tagen am 14. Juni alle Hindernisse zu beseitigen. In dem für Olympia 1980 gebauten Stadion soll auch das Finale stattfinden.

Für manche der elf Austragungsorte bringt die WM tatsächlich einen Schub beim Ausbau der Infrastruktur. Rostow am Don zum Beispiel hat einen neuen Flughafen bekommen, die russischen Eisenbahnen haben neue Züge angeschafft, um die Fans kostenlos zu den Spielen zu fahren. Das dürfte allerdings nur in Ausnahmefällen praktikabel sein. Über 2500 Kilometer liegen die Spielorte im größten Land der Erde verstreut - von der Exklave Kaliningrad ganz im Westen bis nach Jekaterinburg am Ural. Die Fluggesellschaften haben angekündigt, dass die Tickets für Inlandsflüge 2018 Jahr um mehr als ein Drittel teurer werden dürften.

In Russland treten solche Probleme nun jedoch in den Hintergrund. Am Dienstag nach der Auslosungszeremonie im Kreml entscheidet das IOC, ob Russland von den Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen wird. Und Grigori Rodtschenkow, ehemaliger Leiter des Moskauer Doping-Labors, erhebt auch gegen russische Fußball-Nationalspieler Vorwürfe. Weil die Welt-Anti-Doping-Agentur die russischen Tester suspendiert hat, sollen während des Turniers alle Proben im Ausland analysiert werden.

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