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Fußball-WM in Russland:Die Welt zu Gast bei Dopern

Zabivaka, the official mascot for the 2018 FIFA World Cup Russia, takes part in the 'Behind the scenes of the Final Draw' event prior to the upcoming Final Draw of the 2018 FIFA World Cup Russia in Moscow

Das WM-Maskottchen Zabivaka freut sich natürliuch auch auf die Auslosung.

(Foto: REUTERS)

Die Fifa will sich nicht wirklich mit der russischen Staatsdoping-Affäre befassen. Stattdessen gibt sie einem Hauptverdächtigen bei der Gruppen-Auslosung eine große Bühne.

Kommentar von Johannes Aumüller

Witalij Mutko hat viel zu tun in diesen Tagen. Immerhin ist Russlands Skandalfunktionär noch immer Vize-Premier, Präsident des Fußballverbandes und Chef des Organisationskomitees für die Fußball-WM 2018. In dieser Dreifachfunktion will er natürlich, dass alles glänzt und glitzert, wenn die Sportwelt am Freitag wegen der Auslosung der Vorrundengruppen nach Moskau blickt. Da kann es sein, dass andere Dinge warten müssen. Und so sagte Mutko über den neuesten Dreh in Russlands Staatsdoping-Affäre nur: "Ich hatte noch keine Zeit, das zu lesen."

Tja, die Zeit sollte er sich besser bald nehmen. Die New York Times hat Auszüge eines interessanten Tagebuches publiziert; geschrieben wurde es von Grigorij Rodtschenkow, dem früheren Chef des Moskauer Kontrolllabors und heutigen Doping-Kronzeugen. Mit Füller hat er notiert, was er in den vergangenen Jahren so erlebt und besprochen hat. Und Mutko, damals noch nicht Vize-Premier, sondern bloß Sportminister, taucht darin häufig auf.

Der Weltsport gibt ein schwaches Bild ab

Da ist etwa zu lesen, wie Mutko sich in den Umgang mit dem Dopingbefund einer Leichtathletin eingemischt habe. Oder wie er kurz vor den Winterspielen 2014 in Sotschi wegen der Positivtests zweier Biathletinnen gewütet habe; alles gerate außer Kontrolle und sei chaotisch, notierte der Laborchef. Und es ist auch zu lesen, dass Mutko von Rodtschenkow eine Liste mit jenen Sportlern erhielt, die für das Event am Schwarzen Meer einen Dopingcocktail nehmen sollten - und deren Urin in den Proben später ausgetauscht werden sollte.

Mutko bestritt stets, dass es ein staatliches Dopingsystem gab und er ein Teil davon war. Aus allen bekannten Erkenntnissen ergibt sich eine andere Schlussfolgerung. Sein Sportministerium war das führende Organ bei der Orchestrierung der Manipulation, stellte Sonderermittler Richard McLaren bereits im Vorjahr im Report für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) fest. Auch dass sich Mutko im Einzelfall aktiv einschaltete, etwa bei einer Positivprobe eines Fußballers, legte schon früher eine Mail-Korrespondenz nahe. Nun verdichtet sich das Bild über seine tatsächliche Rolle.

Der Weltsport gibt im Umgang mit dem dokumentierten Staatsdoping ein schwaches Bild ab. Das gilt besonders fürs Internationale Olympische Komitee (IOC), aber der Fußball-Weltverband Fifa steht dem kaum nach. Um die von Sonderermittler McLaren thematisierten Verdachtsfälle aus dem russischen Fußball kümmert er sich nur unzureichend; er redet noch nicht mal mit dem Kronzeugen Rodtschenkow. Und er akzeptiert es, dass als maßgeblicher Protagonist der Gastgeber bei der Auslosung am Freitag (und beim Turnier im Sommer) ausgerechnet Witalij Mutko fungiert.

Die Welt zu Gast bei Dopern.

© SZ vom 30.11.2017/ebc
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