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Brisantes Doping-Geständnis:Der tiefe Fall eines großen Langlauf-Talents

Dürr galt als eines der größten internationalen Langlauf-Talente. Bei der Tour de Ski 2013/14, kurz nach seiner - im übrigen hochgefährlich praktizierten - Blutzufuhr auf dem Parkplatz, jagte er überraschend auf Rang drei. Doch die Karriere endete schon im Februar 2014: Da wurde er nach einem positiven Trainingstest auf den Klassiker Epo von den Spielen in Sotschi ausgeschlossen und für zwei Jahre gesperrt. Aus Sotschi war er eigens noch mal kurz nach Innsbruck gereist, um dort nachzutanken - in einem Hotel direkt gegenüber dem Österreichischen Skiverband ÖSV. Derzeit arbeitet er an einem Comeback, er will es noch zur WM 2019 in Seefeld schaffen.

Im Film berichtet Dürr, wie er schrittweise mit Doping in Berührung kam - und irgendwann zu dem Schluss gelangte, er könne es ohne nicht in die olympische Weltspitze schaffen. Auf dem Sportinternat in Stams habe es haufenweise Nahrungsergänzungsmittel gegeben, später in Ruhpolding setzte eine Ärztin die erste Infusion. Bald sei er gedrängt worden, eine der üblichen Ausnahmegenehmigungen für Asthma-Mittel zu beantragen. Und irgendwann habe im Trainingslager in Ramsau ein Betreuer gesagt, es gäbe nun die Möglichkeit, an Epo zu gelangen. Freude und Angst habe er da empfunden, sagt Dürr.

Epo spritzte er sich selbst, nahm zudem Wachstumshormon. Dabei, sagt er, habe er konkrete Medikationspläne erhalten, auch sollen ihm Mitarbeiter des Österreichischen Skiverbandes geholfen haben. Der ÖSV bestreitet das. "Die Antwort ist ein klares Nein. Mir sind solche Fälle nicht bekannt. Einzeltäter wird es immer geben, die entziehen sich meiner Kenntnis", sagte der Anti-Doping-Beauftragte Wolfgang Schobersberger der ARD. Dürr indes empfindet das Verhalten der Funktionäre damals als "sehr heuchlerisch". Gewisse Aussagen hätten ihm signalisiert, "man weiß schon Bescheid, was dazugehört, um ganz vorne zu sein". Mitte 2018 wehrte sich der ÖSV per Gerichtsverfügung gegen Dürrs Einschätzung, es könne eine klammheimliche Duldung von Doping gegeben haben.

Beim Dopen habe ihn eine ständige Angst vor der Entdeckung geplagt, sagt Dürr; zum Beispiel wegen des lauten, sehr charakteristischen Geräusches jenes Gerätes, mit dem das Blut entnommen wurde. Einmal, im Trainingslager in Finnland, habe er nachts genau diesen Lärm im Zimmer über sich gehört. Da war es für ihn ein beruhigendes Geräusch: Solche Momente, sagt Dürr, hätten ihm bestätigt, "dass Doping ein Teil des Spitzensports ist".

© SZ vom 18.01.2019/ebc
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