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Wimbledon:Scharapowa zeichnet ein verschwommenes Bild

LONDON ENGLAND JULY 03 MARIA SHARAPOVA RUS during day two match of Wimbledon on July 3 2018

Die guten Momente werden weniger: Maria Scharapowa.

(Foto: Chaz Niell/imago/Icon SMI)
  • Die fünfmalige Grand-Slam-Gewinnerin Maria Scharapowa scheidet in Wimbledon historisch früh aus - in der ersten Runde, gegen eine Qualifikantin.
  • Seit ihrem Comeback sucht sie weiter nach der Form von einst.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen von Wimbledon.

Um 21.50 Uhr sollte Maria Scharapowa erscheinen, im Main Interview Room. Dort saß: niemand. Beklemmend war die Atmosphäre im fensterlosen Raum. England war gerade dabei, bei der WM in Russland sein Elfmeter-Trauma zu beenden, deshalb: eine Verzögerung. Zehn Minuten später kam Scharapowa. Und einige Reporter, aber bei Weitem nicht so viele wie sonst zu ihren Pressekonferenzen. Das lag zum einen daran, dass viele wegen des Fußballs den Dienst beendet hatten. Zum anderen daran, dass es vor gar nicht langer Zeit 7:6, 5:2 gestanden hatte, für eine fünfmalige Grand-Slam-Siegerin in einem Match gegen eine Weltranglisten-132. und Qualifikantin. Was sollte da passieren?

Als Scharapowa sich setzte, herrschte weiterhin ein beklemmendes Klima im Raum. Max Eisenbud, Scharapowas mächtiger, ewig loyaler Manager, saß in der hintersten rechten Reihe, die Kappe hatte er runtergezogen, wie er das gerne macht. Es war ein sehr symbolstarkes Bild. In Wimbledon ging Scharapowas Stern auf. 2004 siegte sie als 17-Jährige, ganz in Weiß. Noch nie hatte sie in der ersten Runde hier verloren. Dieses Bild war gerade weit weg.

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Vorne saß Scharapowa, professionell formulierte sie ihre Sätze, und doch blieb wie so oft seit einiger Zeit ein Gefühl zurück: Was geht wirklich in ihr vor? So vieles in ihrer einzigartigen Karriere wurde ja geplant, kontrolliert, Eisenbud ist ein Vermarktungsgenie, zumindest nach kommerziellen PR-Kriterien geurteilt. "Unstoppable", so heißt die Autobiografie, die Scharapowa 2017 veröffentlichte und aus allen Marketingrohren feuernd bewarb. Die Welt sollte ihre Geschichte hören, die kleine Russin aus Sibirien, die ohne ihre Mutter nach Florida zog und den Tenniskosmos, den globalen Sport eroberte.

Immer häufiger wirkt sie langsam, nicht so agil, nicht so nervenstark

Das alles stimmt ja auch. Dummerweise kam 2016 eine Dopingsperre dazwischen, die im Lager Scharapowas als größtes Unrecht verflucht wurde - weil sie wegen der Einnahme des kurz zuvor nicht mehr für Sportler legalen Herzmittels Meldonium überhart belangt wurde und manch andere überführte Kollegin nicht. Fakt bleibt: Sie wurde 15 Monate ausgeschlossen, kam im April 2017 zurück, und auch wenn sie sich bis auf Weltranglistenrang 22 zurückgearbeitet hat: Unaufhaltsam ist sie nicht mehr. Rang 22 ist sicher auch nicht ihr Anspruch.

Neun verschiedenen Gegnerinnen unterlag sie dieses Jahr. Am Dienstagabend verlor Scharapowa 7:6 (3), 6:7 (3), 4:6 gegen Witalia Diatschenko, die 27-Jährige aus Sotschi hat gut 800 000 Dollar in der Karriere verdient, das ist nicht viel. Scharapowa hatte 2018 zwar tatsächlich einige vorzeigbare Resultate, in Rom etwa kam sie ins Halbfinale und verlor nach großem Kampf gegen die Weltranglisten-Erste Simona Halep. Bei den French Open erreichte sie das Viertelfinale. Einerseits.

Andererseits hatte sie von Serena Williams' Verzicht im Achtelfinale profitiert und war danach so chancenlos gegen Garbiñe Muguruza wie bei den Australian Open gegen Angelique Kerber. Scharapowa hatte ihre guten Momente, in denen sie, immer noch schreiend bei jedem Schlag, an die Scharapowa von vor der Sperre erinnert. Sie hat aber auch Momente, wenn sie zu langsam erscheint, nicht so agil, nicht so nervenstark. Ihr Comeback, das dürfte Eisenbud vielleicht auch bestätigen, der Medien so sehr schätzt wie Hautausschläge, ist keine umfassende Erfolgsstory, jedenfalls sicher nicht der erhoffte Triumphzug.