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Wettskandal: Mario Basler:"Vielleicht zu viel Kaffee"

Mario Basler wehrt sich gegen DFB-Chef Zwanzigers Andeutungen im Wettskandal. Unterdessen geraten Uefa-Mitarbeiter unter Verdacht.

Mario Basler fiel aus allen Wolken und ist verstimmt über DFB-Präsident Theo Zwanziger. "Vielleicht hat er zu viel Kaffee getrunken", sagte der ehemalige Fußball-Nationalspieler dem Kölner Express, "ich werde jetzt genau prüfen, was er gesagt hat, ich lasse das in jedem Fall nicht so stehen."

"Ich lasse das in jedem Fall nicht so stehen": Mario Basler.

(Foto: Foto: ddp)

Zwanziger hatte auf einer Pressekonferenz am Montag in Frankfurt/Main den Inhalt eines vertraulichen und persönlichen Briefes des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an ihn, Trainer des Regionalligisten Eintracht Trier, publik gemacht. Darin hatte der DFB-Kontrollausschuss Basler auf die laut Rechts- und Verfahrensordnung bestehenden Wettverbote hingewiesen.

Basler, der seit geraumer Zeit Werbeträger eines privaten Wettanbieters ist, bestätigte dem Express den Eingang des Briefes vom 24. September 2009: "Ich habe vor zwei Monaten einen Brief vom DFB erhalten, in dem mir mitgeteilt wurde, dass der DFB über meinen Werbevertrag informiert sei. Das sei auch alles in Ordnung. Da habe ich mich schon gewundert, warum sie mir überhaupt einen Brief schreiben. Ich habe ihn in den Papierkorb geworfen."

Der ehemalige Lauterer, Bremer und Münchner Bundesliga-Profi erklärte: "Wenn ich auf die Frage, ob ich auf mein eigenes Team wetten würde, mit ja antworte, dann ist da doch gar nichts verwerflich dran. Anders wäre es, wenn ich gegen mein Team wetten würde." Auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes SID sagte der 40-Jährige am Dienstag: "Meine Aussage vor dem Pokalspiel gegen den 1. FC Köln war ohne jeden Hintergedanken. Ich lebe meinen Spielern das Wettverbot vor, auf das ich persönlich aufmerksam gemacht habe."

Trier-Fans protestieren

Der DFB hatte als Reaktion auf den Wett- und Manipulationsskandal um den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer auf dem Außerordentlichen Bundestag im April 2005 unter anderem eingeführt, dass Spieler, Trainer und bestimmte Funktionäre keine Wetten auf Partien des Wettbewerbs abschließen dürfen, an denen die eigene Mannschaft teilnimmt. Dieses Verbot gilt unter anderem für die drei Profiligen und den DFB-Pokal.

Einige Fans von Eintracht Trier protestierten ebenfalls. In einem offenen Brief an den DFB heißt es zum Beispiel: Zwanziger habe Basler "in ehrverletzender und diffamierender Weise namentlich im Zusammenhang mit dem derzeitigen Vorgehen des DFB beim aktuellen Wettskandal genannt". Diese Nennung sei nicht nur falsch, sie sei zudem für den Verein und den Trainer rufschädigend, "da leichtfertig der Eindruck erweckt wird, Mario Basler stehe in einem direkten Zusammenhang mit den kriminellen Machenschaften rund um den Wettskandal". Zwanziger wurde zu einer öffentlichen Entschuldigung aufgefordert.

Unterdessen zieht der Wettskandal auch international immer mehr Reaktionen nach sich. So sind Mitarbeiter des europäischen Fußballverbandes Uefa ins Zwielicht geraten. Nach englischen Medienberichten stehen sie angeblich unter Verdacht, "Wettbetrügern zu helfen, indem sie diese mit Insiderhinweisen zu Schiedsrichteransetzungen versorgten." Nach den Regularien der Uefa erfahren Schiedsrichter im Normalfall erst am Tag vorher, welches Champions-League-Spiel sie pfeifen. "Wir haben von der Geschichte gehört. Ob wahr oder nicht - das ist besser bei der Polizei in Deutschland zu überprüfen. Erst wenn wir Informationen haben, können wir das auch kommentieren", sagte Uefa-Mediendirektor Rob Faulkner der Bild-Zeitung.

Thema im russischen Parlament

Angeblich sollen Informationen über die Ansetzungen der Referees schon vorher durchgesickert sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum stehen unter anderem mindestens auch drei Spiele der Champions League sowie zwölf Partien der neu gegründeten Europa League unter Manipulationsverdacht.

Im russischen Parlament forderte der Duma-Abgeordnete Anton Beljakow am Dienstag die Justiz des Landes auf, eine mögliche Verstrickung von russischen Nationalspielern in die Affäre zu prüfen. "Das beispiellose Treiben der Fußball-Mafia könnte ein Grund für das Scheitern der Sbornaja in der WM-Qualifikation gegen Slowenien sein", sagte das Parteimitglied von Gerechtes Russland in Moskau. "Unsere Justiz sollte mit ihren Kollegen in der EU prüfen, ob es Kontakt zu russischen Spielern gab." Russland gehört nicht zu den neun Ländern, die nach Erkenntnissen der Bochumer Staatsanwaltschaft von Wettmanipulationen betroffen sein sollen.

In der Schweiz verlangt der Fußballklub FC Thun von seinen Spielern eine schriftliche Erklärung. Damit könne "eine Beteiligung an diesen illegalen Wettmachenschaften explizit verneint" werden, hieß es in einer Pressemitteilung des Zweitligisten. Ein interner Ausschuss hatte am Montag Stürmer Pape Omar Faye befragt. "Dabei stellte sich heraus, dass der junge Spieler am letzten Freitag von der Polizei als Zeuge befragt wurde", teilte der Verein mit. Neben der Begegnung Yverdon - Thun vom 26. April 2009 soll auch das Spiel Gossau - Thun vom 17. April 2009 Gegenstand der Ermittlungen sein.

Auch Griechenland im Fokus

Thun verlängerte die am Sonntag ausgesprochene interne Sperre gegen Pape Omar Faye bis Ende des Jahres. "Um den Spieler selbst zu schützen und dem restlichen Kader die nötige Ruhe für die die Vorbereitung und Austragung der drei letzten Spiele des Jahres zu gewährleisten", hieß es. Auch der Zweitligist FC Gossau hat bereits einen Spieler suspendiert. Mario Bigoni soll nach Klubangaben zugegeben haben, "dass in der letzten Rückrunde bei einem Spiel nicht alles sauber gelaufen" sei.

In Griechenland sei dem nationalen Fußballverband nach Medienberichten der Uefa Details über 14 Spiele vorgelegt worden, die unter Manipulationsverdacht stehen. Verbandspräsident Sofoklis Pilavios sagte, er werde das Justizministerium in Athen informieren und die Einzelheiten der Staatsanwaltschaft vorlegen. Um welche Spiele es sich handelt, blieb zunächst unklar.

© dpa/sid/hum
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