Vorzeitiger Aufstieg der SpVgg Greuther Fürth Wenn Vizekusen und die trägen Riesen kommen

Der Fürther Aufstieg bestätigt einen Trend: Die Basis des deutschen Fußballs findet sich nicht in den Metropolen, die Basis bildet der Mittelstand. Vereine wie Nürnberg oder Mainz betreiben clevere Nischenforschung. Im Kontrast dazu schlafen die Großstadtklubs Köln, Hamburg oder Berlin - und lassen sich von ihrer Geographie zur Hybris verleiten.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Hätten sie es in diesem Jahr sportlich wieder nicht geschafft, hätte der Deutsche Fußball-Bund die Fürther per Vorstandsbeschluss zum Aufsteiger erklären müssen. Wegen der Summe ihrer Verdienste um den Sport - oder ganz einfach aus Mitleid.

Gerald Asamoah, Heinrich Schmidtgal, Christopher Nöthe, Thomas Kleine und Stephan Fürstner (hinten, von links nach rechts) feiern in der Innenstadt in Fürth mit Fans den Aufstieg.

(Foto: dpa)

Denn einen so doppelbödigen Ehrentitel wie "Die Unaufsteigbaren" muss man sich ja erst einmal verdienen. Dies dauerte ähnlich lange und verlief ähnlich tränenreich wie beispielsweise der Leidensweg Bayer Leverkusens, des ewigen Zweiten, zum Etikett "Vizekusen".

Seit 2001 hatten die fränkischen Sisyphose versucht, den Steilhang Richtung erste Liga zu erklimmen; dabei hatten sie einen sechsten, sieben fünfte und einen vierten Platz erlitten. Nun sind die Unaufsteigbaren die 52. Mannschaft, die in der Bundesliga mitwirken darf.

Wer ihr dort begegnen wird, ist offen, in akuter Abstiegsnot befinden sich allerdings drei der vier Millionenstädte: Hamburg (Platz 14), Köln (16.), Berlin (17.). Nur der FC Bayern bleibt gesetzt, jedoch vertritt er mehr ein Bundesland als München nur, die Stadt.

Insofern bestätigt der Fürther Aufstieg einen Trend. Die Basis des deutschen Fußballs findet sich eben nicht in den Großstädten, den Ballungsräumen, die Basis bildet - wie in der Industrie - der Mittelstand. Auch Fürth (ca. 115 000 Einwohner) hat ja eine Nische gefunden, aus der heraus sich sogar die Zweitliga-Repräsentanten der Finanz-Zentren Frankfurt und Düsseldorf distanzieren ließen.

Und in der ersten Liga stürmten Nürnberg oder Augsburg zwar nicht die Tabellenspitze, bewiesen aber, dass sich durch eine clevere Nischenforschung eine solide, sichere Saison spielen lässt. Übertroffen vielleicht nur noch von der deutschen Tüftlerecke in Südwest, von Mainz und Freiburg, die dort wie Klein-Dortmund arbeiten, mit viel weniger Geld, aber mit innovativen Trainern und herausragender Jugend-Forschung.

Mit ihm kam der Tee

Im Kontrast dazu schlafen die Riesen - Köln, Hamburg, Berlin - und dies ist der längste Schlaf der Welt. Drei Klubs, die sich immer schon im Europapokal wähnen - und doch nie dabei sind. Mehr irritiert als inspiriert werden sie vom Kaufmanns- und Promi-Gedränge auf den Haupttribünen. Geografische Größe verleitet offenbar zum Größenwahn.

Der TSV Vestenbergsgreuth hingegen ist auch nicht übergeschnappt, als er 1994 im DFB-Pokal den FC Bayern besiegte. Legendär, dieses 1:0. Doch schon 1995 kam es zur Fusion zur SpVgg Greuther Fürth, es kam der heutige Präsident Helmut Hack und mit ihm kam der Tee.

Hacks Firma, ein Weltunternehmen, hat von Kräuter- und Früchtetees, Schwarz- und Grüntees bis zum Arzneitee alles im Angebot. Da lässt sich immer etwas finden, was die Nerven beruhigt, wenn Vizekusen und die trägen Riesen kommen.

Fürther Feierbiester

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