Volleyball:Schmetterball ins Zentrum

Schlussjubel . . . Herrschings Trainer Max HAUSER. Volleyball, Herrsching - Lueneburg, Bundesliga, Hauptrunde, Saison 2

Alles eine Nummer größer: Auch der Schlussjubel von Trainer Max Hauser nach dem Umzug in den Münchner Audi Dome.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Herrschings Volleyballer gewinnen ihr erstes Spiel im Münchner Audi Dome 3:0 gegen Lüneburg. Doch der Klub vom Ammersee hat noch viel Arbeit vor sich, um seinen Sport in der Großstadt zu verankern.

Von Sebastian Winter

Herrschings Volleyballer schienen ziemlich entspannt zu sein vor ihrem ersten Heimauftritt auf der ganz großen Bühne. Ein Teil der Mannschaft spielte Fußball auf dem Feld, ihr Libero Ferdinand Tille, 32, der weitgereiste 165-malige Nationalspieler mittendrin. Sie schäkerten, lachten, nahmen sich selbst aufs Korn, während drüben auf der anderen Netzseite die Spieler der SVG Lüneburg ihr hochseriöses Kraft- und Aufwärmprogramm absolvierten. Der Erstligist vom Ammersee, der sich selbst gern als "geilster Club der Welt" bezeichnet, handhabt die Dinge eben oft ein wenig anders.

Am Samstag dürften die Akteure aber doch ein wenig Gänsehaut bekommen haben im Anschluss an ihre kleine fachfremde Balleinlage. Denn sie bespielten als erste Volleyball-Mannschaft seit rund zwei Jahrzehnten den Münchner Audi Dome: jene Halle, die normalerweise den Basketballern des FC Bayern München vorbehalten ist. Lange Zeit hatten die Herrschinger auf diesen Moment hingearbeitet, eigentlich sollte es bereits am 1. April 2020 zum damaligen Playoff-Start soweit sein. Dann kam ihnen die Corona-Pandemie in die Quere, die auch dafür verantwortlich ist, dass es erst jetzt, mehr als eineinhalb Jahre später, soweit war.

Jedenfalls scheinen sich die Herrschinger wohl in ihrer neuen Heimat zu fühlen, ihr Trainer Max Hauser hatte vor der Partie im SZ-Interview geschwärmt: "Ich liebe diesen Audi Dome, das ist einfach eine sensationelle Halle. Sie hat etwas Amphitheatermäßiges." Auch sportlich lief der Einstand in München ziemlich gut, denn Herrsching bezwang an diesem Abend die Lüneburger mit 3:0 (25:21, 25:21, 25:20). Die beiden Außenangreifer Tim Peter, der im zweiten Satz allerdings verletzt vom Feld musste, und Jordi Ramon Ferragut sowie der neue Diagonalmann Samuel Jeanlys, mit 21 Punkten Topscorer an diesem Abend, taten sich besonders hervor. Nur beim 20:22 im zweiten Satz gab es eine kritische Situation, doch die Herrschinger befreiten sich aus der misslichen Lage. Nach einem 2:3 und 3:2 zum Auftakt in Düren und Giesen klettert Herrsching nun in die Spitzengruppe. Das ist auch der Anspruch des Klubs, der sich in dieser Saison zum Ziel gesetzt hat, das Pokalfinale und das Playoff-Halbfinale zu erreichen.

1000 Fans bei der Premiere: Der Anfang ist gemacht

Beim Drumherum waren die Herrschinger in ihrer nur 1000 Zuschauer fassenden Nikolaushalle längst an Grenzen gestoßen: Fernsehübertragungen waren dort nicht möglich, die Ausnahmegenehmigung der Volleyball-Bundesliga (VBL) für die Halle läuft nach dieser Saison aus. Der Schritt nach München, in eine große, repräsentativere Arena war daher nur folgerichtig. Ohnehin ist die Präsentation ihres Sports in großen, zuschauer- und fernsehtauglichen Hallen längst im Masterplan der Liga verankert.

Die große Frage ist aber, wie die Herrschinger Volleyballer in München ankommen. Und wie ihr Randsport in einer Großstadt funktioniert, die mit den Fußballern und Basketballern des FC Bayern München, TSV 1860 München und den Eishockeyprofis des EHC München schon sehr gut versorgt ist. Zur Premiere gegen Lüneburg kamen 1000 Fans in ihre neue Halle, in die knapp 7000 Zuschauer passen. Das mag nach wenig klingen - aber zum einen lag der Schnitt in der Volleyball-Bundesliga vor der Pandemie kaum höher; zum anderen hält die Corona-Pandemie viele Sportinteressierte nach wie vor davon ab, das Live-Erlebnis zu suchen, was auch Basketballer, Fußballer und die Eishockeyklubs spüren. "Ich fand es geil hier. Es war ein guter Start, jetzt müssen wir überlegen, wie wir konstant noch mehr Leute in die Halle bringen", sagte Hauser.

Tradition neu zu beleben: Das ist das Ziel

Volleyball hat ja eine große Tradition in München, der TSV 1860 München wurde in den Siebziger- und Achtzigerjahren unter Stelian Moculescu mehrmals deutscher Meister und Pokalsieger, der TSV Milbertshofen und der ASV Dachau gewannen ebenfalls Titel bei den Männern, wie auch Lohhofs Frauen. Damals schon gab es Volleyballspiele in der Rudi-Sedlmayer-Halle zu sehen, wie der für die Olympischen Spiele 1972 gebaute Audi Dome eigentlich heißt. Lüneburgs Trainer Stefan Hübner hat nach eigener Aussage selbst bei einer der letzten Partien dort mitgewirkt, als Spieler noch, bei einem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan vor rund 20 Jahren.

Nun rückt Volleyball nahe ans Zentrum der Stadt, in ihrer neuen Heimat in Sendling empfangen die Herrschinger am 31. Oktober den VfB Friedrichshafen und am 12. Dezember die Berlin Volleys. Mehr Publikum dürfte dann garantiert sein. Schließlich kommen die beiden Schwergewichte der Liga dann nach München, auch Berlin hat jahrelang gebraucht, um seine Max-Schmeling-Halle zu füllen und zu Europas Zuschauermagnet Nummer eins in diesem Sport zu werden. Zwei weitere Heimspiele für Herrsching in München folgen im Januar. Es werden also nicht nur sportlich richtungsweisende Partien für die Volleys vom Ammersee. Denn dann wird sich zeigen, wie sehr sie schon in der Großstadt verankert sind. Herrschings Libero Ferdinand Tille freut sich jedenfalls schon: "Ich spiele so lange hier, bis die Halle ausverkauft ist."

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