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Bundesliga:Darmstadt geht glücklich in die zweite Liga

Bayern München - Darmstadt 98 1:0

Mit Stil und Anstand aus der Liga verabschiedet: Die Darmstädter boten in den letzten Wochen nochmal schönen Fußball.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Torsten Frings hatte ja ein halbes Jahr Zeit, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Also holte er seine Mannschaft zusammen, die gerade durch die 0:1-Niederlage gegen Bayern München abgestiegen war. Dann lobte er sie, gestand, er sei "stolz, ihr Trainer zu sein, und stolz darauf, dass sie sich nicht aufgegeben habe". So berichtete es Flügelflitzer Marcel Heller später. Nein, die Darmstädter brauchen sich nicht allzu groß zu ärgern, dass sie in München verloren haben, das passiert fast allen. Sie brauchen sich am Ende auch nicht schämen, aus der Bundesliga abzusteigen. Nur müssen sie sich fragen, warum sich in Darmstadt erst so spät in dieser Saison etwas veränderte. Zu spät.

Mehr Lob noch als er selbst in München verteilen konnte, erhielt ja der Fußballtrainer Torsten Frings in den vergangenen Wochen. Er hatte eine nach der Vorsaison verschwunden geglaubte Gewinnermentalität in Darmstadt geweckt. Darmstadt leistete beim Nachfolger des im Winter geschassten Norbert Meier Widerstand, gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Die Hessen bildeten plötzlich wieder so etwas wie ein gallisches Dorf, nur ohne Zaubertrank halt. Aus der Aussichtslosigkeit ihrer Situation hatten sie Kraft gezogen und die letzten drei Spiele gewonnen.

"Wichtig war, dass seit wir dieses halbe Jahr, seit Torsten da ist, wieder Spaß am Fußball gehabt haben", sagte Darmstadts Kapitän Aytac Sulu danach. "Dass der Verein und die Mannschaft wieder ein Gesicht hatte und verstanden hat, was Fußballspielen bedeutet. Und dass der Teamgedanke wieder an erster Stelle stand." Das Lob an Frings zeigt, was in der Vorrunde, in der Darmstadt auf jämmerliche acht Punkte kam, alles fehlte.

Es steckt noch viel Spieler in dem Trainer Frings, dem es am Samstag im Trainingsanzug kaum in der Coaching-Zone hielt. Und dem es wohl manchmal im Fuß juckte, wenn Franck Ribéry vor ihm seine Übersteiger und seine Mätzchen machte. Und weil Frings Realist ist, hatte er längst nicht mehr daran geglaubt, seine Mannschaft wirklich retten zu können. Drei Spieltage vor Schluss hätte seine Mannschaft auf den Relegationsplatz 16 neun Punkte aufholen müssen. "Es war nur eine Frage der Zeit" wusste Frings. "Was wir wollten, ist mit erhobenem Haupt rauszugehen. Heute wäre sogar mehr drin gewesen. Wir haben einen Punkt verschenkt, das ist tragisch", sagte Frings - aber "wenn einer verschießen darf, dann er".

Kapitän Sulu freut sich auf Zugang Großkreutz

Er, das ist die Darmstädter Nummer 34, und hieße er nicht Hamit Altintop und wäre er nicht schon 34, dann würde man auf der Tribüne wohl raunen: "Das wär doch einer für Bayern!" So geschmeidig spielte er in der Darmstädter Zentrale, immer wusste er Rat in den verzwicktesten Mittelfeldkeilereien.

Ob dieser Altintop in Darmstadt bleibt, ob sich die Wege seines Bruders vielleicht in der nächsten Saison hier kreuzen würden, das mochte er nicht sagen. Kapitän Sulu verriet schon mal, wie sehr er sich auf Kevin Großkreutz freue. "Da war ich selber überrascht, dass der zu uns kommt". Frings solle jetzt in Ruhe eine gute, hungrige Mannschaft aufbauen, sagte Sulu: "Er weiß was die Mannschaft braucht, was die Fans und was das Umfeld braucht." Der Abstiegskampf ist für Darmstadt vorbei.

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