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VfL Wolfsburg nach Malanda-Tod:Jenseits der Tränen

Werder Bremen v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Vor dem schwersten Rückrundenstart, den man sich vorstellen kann: Wolfsburgs Coach Dieter Hecking.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Dieter Hecking steht vor einer schweren Aufgabe: Er muss eine Elf, die gerade einen Mitspieler verloren hat, in die Rückrunde führen. Der Wolfsburger Coach profitiert dabei von seiner Biografie.

Was bleiben wird, sind Bilder. Ein weißer Geländewagen am Rande der Autobahn, verschlammt und zertrümmert. Ein Meer roter Kerzen vor dem Wolfsburger Fußballstadion, tausend Fans, ihr Plakat: Ruhe in Frieden Junior. Grüne Trikots inmitten schwarzer Mäntel bei der Trauerfeier in Brüssel.

Was noch bleiben wird von diesen Tagen im Januar, in denen sie beim VfL Wolfsburg um Junior Malanda trauern, ist ein Moment, von dem es keine Bilder gibt. Die Fotografen hielten ihre Auslöser still, niemand sagte ein Wort, nur ein paar Kugelschreiber raschelten an jenem 11. Januar 2015, dem Tag nach Junior Malandas Unfall: als Dieter Hecking sprechen sollte. "Es fällt mir nicht leicht", sagte der Wolfsburger Trainer und schluckte.

Zwei Wochen später sitzt Hecking zwischen zwei Trainingseinheiten in der neuen VfL-Geschäftsstelle im Allerpark und erklärt, dass er versuchte, die Tränen zurückzuhalten, "doch es ging nicht". Und dann war es gut so. Denn es war ehrlich.

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Dieter Hecking ist seit 15 Jahren Fußballtrainer, mittlerweile in seiner neunten Bundesligasaison. Er ist abgestiegen und aufgestiegen, er ist gefeiert, gelobt und kritisiert worden. Doch nun ist er für eine Gruppe junger Menschen verantwortlich, die um einen Freund trauert und für eine herausragend talentierte Fußballmannschaft zugleich, die beim Start der Rückrunde am kommenden Freitag gegen den FC Bayern weiterhin herausragenden Fußball spielen will, so wie in der Hinrunde, die auf Platz zwei endete. Dieter Hecking mag die Verantwortung, das gebe der Job vor, und diesen Job hat er sich ausgesucht, weil er den Fußball liebt. Doch diese Rückrunde erfolgreich zu bestreiten, die "Situation zu meistern", wie er sagt: Ist das vielleicht seine bislang schwierigste Aufgabe?

Er hat die Arme verschränkt, die Stirn in Falten gelegt, überlegt lange, als wollte er verneinen. Er sagt: "Ja. Aber ich habe Vertrauen in meine Mannschaft." Superlative mag er nicht, sie passen nicht zu Dieter Hecking, 50, aus Bad Nenndorf. Genau deshalb, so scheint es, entsteht beim VfL gerade etwas Großes. Er ist in Soest aufgewachsen, dorthin zog seine Familie aus Castrop-Rauxel, als er drei war. Er schwänzte auf der Grundschule einmal den Unterricht, seine Lehrerin rief zu Hause an.

Er erinnert sich daran, weil es für seine Eltern stets das Wichtigste war, dass er die Wahrheit sagte. "Ich bin geprägt durch die Erziehung meiner Eltern", sagt er. Im Wolfsburger Trainingslager in Südafrika hat Hecking viel mit dem Psychologen Andreas Marlovits gesprochen, der die Wolfsburger betreut und vor fünf Jahren schon mit Hannover 96 zusammenarbeitete, nach dem Freitod des Nationaltorwarts Robert Enke. Sie diskutierten darüber, wie es in dieser schwierigen Situation nun weitergehen soll.