Vergabe der WM 2006:Wann genau hat der DFB-Präsident von den Vorgängen erfahren?

Aber auch zu diesem Aspekt gibt es mehr Fragen als Antworten. Wann und wie genau wurde die interne Prüfung eingesetzt? Das DFB-Präsidium zumindest wurde offenkundig erst am Freitagmorgen in einer Telefonkonferenz von dem Vorgang unterrichtet. Wann und wie genau hat Niersbach von dem Vorgang erfahren? Immerhin saß als er Vize-Präsident in jenem Organisationskomitee, dem Franz Beckenbauer vorstand und das im April 2005 die Überweisung an die Fifa durchführte.

Der Spiegel verweist auf einen angeblichen handschriftlichen Vermerk Niersbachs auf einem Papier aus dem November 2004, in dem es um die geplante Transaktion ging. Dazu sagte Niersbach, er könne sich daran nicht erinnern und sei als Vizepräsident des OK für Marketing nur sehr bedingt in wirtschaftliche Transaktionen eingebunden gewesen. Er bitte nun die Spiegel-Redaktion, "uns dieses Papier zu überlassen, um nachvollziehen zu können, worum es sich handelt und ob es überhaupt meine Handschrift ist".

Druck von diversen Seiten

Während Niersbach und der DFB an ihrer Verteidigungsstrategie basteln, geraten sie von diversen Seiten unter Druck. Der Außenminister Frank-Walter Steinmeier meldete sich zu Wort, der Justizminister Heiko Maas, die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag: Sie alle fordern nun schnellstmöglich eine Aufklärung dieser Vorgänge - und zwar durch externe Experten.

Zugleich verfolgt auch der Fußball-Weltverband die Vorgänge. Dort laufen gleich zwei verschiedene Verfahren zur Causa. Zum einen gibt es unter der Leitung des Rechtsdirektors Marco Villiger sowie der amerikanischen Anwälte von Quinn und Emanuel eine interne Untersuchung. Im Raum steht, dass sie sich im Zweifel auch an die Behörden in den USA und in der Schweiz, die schon seit Monaten zum Korruptionssumpf rund um den Weltverband ermitteln, wenden will. Nach Fifa-Darstellung ist das in den vergangenen Monaten so üblich gewesen, wenn es Berichte über mögliche Verfehlungen von Funktionären gab. Allerdings kommunizierte sie das nun erstmals in dieser Form.

Zum anderen ist offenkundig die unabhängige Ethikkommission bereits aktiv. Diese hatte im vergangenen Jahr schon einmal Franz Beckenbauer provisorisch gesperrt, weil er bei Ermittlungen zur dubiosen Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland bzw. Katar nicht kooperiert hatte. Kürzlich sanktionierte sie Fifa-Präsident Sepp Blatter sowie Uefa-Chef Michel Platini, weil diese den Schweizer Strafermittlern eine Zahlung über zwei Millionen Schweizer Franken aus dem Jahr 2011 nicht plausibel erklären können. Nun müssen manche deutschen Funktionäre befürchten, dass sich die Ethiker auch mit ihnen näher befassen.

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