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Vedad Ibišević im Interview:"Ich war immer Fan von Jari Litmanen"

Kann man sich dieses besondere Gespür fürs Toreschießen antrainieren oder ist einem diese Gabe gegeben?

Abschlüsse kann und muss man immer trainieren. Daran habe ich sehr viel gearbeitet. Das fliegt einem nicht zu.

Haben Sie sich von Vorbildern was abgeschaut?

Ich habe mir verschiedene Dinge abgeschaut und versucht, diese im nächsten Training umzusetzen. Meine Vorbilder wechselten allerdings mit der Zeit. Ich war immer ein Fan von Ajax Amsterdam mit Patrick Kluivert und Jari Litmanen. Später von Ronaldo.

Und heute? Schauen Sie sich auch Ihre Konkurrenten an wie Mandžukić, Huntelaar oder Lewandowski?

Es ist jetzt nicht so, dass ich mir Spiele aufnehme und dann genau analysiere, wie sie spielen. Aber wenn ich die Möglichkeit habe, schaue ich meinen Stürmerkollegen zu, auch in den ausländischen Ligen. Mich interessiert schon sehr, was sie machen und wie sie manche Situationen lösen. Ich will mich ja stetig weiterentwickeln und verbessern.

Sie verfolgen bestimmt die Debatte um den "richtigen" oder "falschen" Neuner. Befürchten Sie, dass es Vollblutstürmer wie Sie bald nicht mehr gibt?

Die echten Neuner bleiben immer, sie sterben nicht aus. Die Debatte ist nicht so wichtig. Nehmen wir das Beispiel Mandžukić beim FC Bayern. Er hat schon so viele wichtige Tore für den Klub gemacht, ich denke nicht, dass sie ohne ihn besser gespielt haben. Oder nehmen Sie Barcelona: Sie haben in den vergangenen Jahren mit Messi vorne gespielt - ich glaube, dass sie mit Eto'o besser waren. Und sie überlegen gerade, wieder einen richtigen Neuner zu verpflichten. Es ist schwierig zu sagen, was richtig oder falsch ist. Aber ich bin der Meinung, dass man Spieler, die Tore schießen, immer in der Mannschaft brauchen wird.

In Ihrer Karriere ist auffällig, dass Sie überall, wo Sie spielten, Ihre Tore machten. Nur für Paris Saint Germain gleich zu Beginn Ihrer Karriere trafen Sie nicht. Ist die erste Station im Profiußball die schwerste?

Am Anfang war es nicht einfach für mich, weil ich kaum eine Chance hatte zu zeigen, was ich kann. Ich durfte nur zehn, 15 Minuten spielen und in denen wollte ich zu viel. Im Rückblick weiß ich, dass das ganz normal ist. Du brauchst Geduld und ein gesundes Selbstvertrauen, du wirst ja nur an deinen Toren gemessen.

Welche Fähigkeiten braucht denn ein Strafraumstürmer am meisten?

In erster Linie muss man körperlich fit sein. Das ist die Grundvoraussetzung für alles. Schnelligkeit in den Beinen ist nicht so wichtig, dafür die Schnelligkeit im Kopf. Stürmer müssen Spielzüge schon früher als alle anderen vorausahnen. Dieser Bruchteil ist entscheidend dafür, ob man ein Tor macht oder nicht.

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