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Zweiter Tag der US Open:Schlachtrufe für eine 15-Jährige

Coco Cori Gauff US Open

Cori Gauff applaudiert den Fans nach ihrem Sieg gegen die Russin Anastasia Potapova.

(Foto: USA TODAY Sports)

Cori Gauff freut sich über den Jubel der Fans, Feliciano Lopez verzückt eine Zuschauerin und der Koch im Spielerrestaurant nimmt keine Rücksicht auf große Namen. Das US-Open-Telegramm.

Es gibt diese Partien im Tennis, bei denen wünscht sich der Zuschauer, dass sie niemals enden mögen. Das Wimbledon-Endspiel zwischen Roger Federer und Rafael Nadal zum Beispiel oder die Davis-Cup-Partie zwischen Boris Becker und Andre Agassi. Oder dieses Match zwischen Stefanos Tsitsipas und Andrej Rublev im Louis Armstrong Stadium - ohne Zweifel das

Match des Tages:

Die Partie dauert bereits mehr als drei Stunden, Rublev führt mit 6:4, 6:7(5), 7:6(7), 2:3 - Tsitsipas hat zwei Breakbälle, und es sieht so aus, als würde diese unfassbare Partie noch ein bisschen weitergehen. Dann jedoch krampft das rechte Bein von Tsitsipas, und die nächsten Minuten werden ein Leiden epischen Ausmaßes: Der Grieche humpelt, schimpft, sinkt zu Boden, motzt gegen den Schiedsrichter ("Weil du Franzose bist, und ihr seid alle schräg."), humpelt wieder, spielt noch aggressiver, weint beinahe. Sein Trainer Patrick Mouratoglou (siehe "Mitarbeiter des Tages") bekommt mal wieder eine Verwarnung wegen Coaching,

Tsitsipas gibt nicht auf, er stilisiert das Weitermachen zum Leidensweg, und man möchte, dass diese Partie niemals enden oder zumindest bis in den Abend hinein dauern möge. Rublev jedoch denkt - völlig zurecht natürlich - eher an sich als an die Zuschauer und gewinnt den vierten Satz recht humorlos mit 7:5.

Mitarbeiter des Tages:

Carlos Ramos ist zum ersten Mal seit dem Frauenfinale im vergangenen Jahr wieder im Arthur Ashe Stadium zu sehen. Der gestrenge Schiedsrichter hatte damals eine Geste von Serena-Williams-Trainer Mouratoglou als taktischen Hinweis interpretiert, so begann dieser Streit zwischen Williams und Ramos, in dem es am Ende plötzlich auch um Rassismus und Sexismus ging - und wegen dem es nun ein paar Regeländerungen bei den US Open gibt.

Ramos leitet die Partie zwischen Dominic Thiem und Tomas Fabbiano souverän.

Die Deutschen:

Andrea Petkovic (souverän), Julia Görges (nach abgewehrtem Matchball), Jan-Lennard Struff (locker), Alexander Zverev (nach Problemen) und Cedric-Michael Stebe (nervenstark) gewinnen ihre Auftaktpartien. Tatjana Maria und Tobias Kamke scheiden dagegen aus.

Ballwechsel für die Ewigkeit:

Der "Kansas City Shuffle" von Nick Kyrgios, die Tennis-Variante von "links blinken und rechts abbiegen": Kyrgios tut so, als würde er einen Stopp spielen, schubst den Ball dann aber gefühlvoll in eine Ecke. Präsentiert im zweiten Satz der Partie gegen Steve Johnson. Kyrgios gewinnt das Match am Ende glatt in drei Durchgängen.

Hingucker:

Alexander Zverev beim Aufwärmen auf dem Trainingsplatz, er trägt ein Trikot des FC Bayern mit der Rückennummer 8 - die trägt in München Javi Martinez. Es könnte ein Hinweis auf das neue Management von Zverev sein (Team Eight, das auch Roger Federer betreut, der vom Outfit her in diesem Jahr recht pastoral unterwegs ist). Könnte auch daran liegen, dass der Trikot-Hersteller des FC Bayern auch für die Kleidung von Zverev verantwortlich ist.

Das (Nicht-)Outfit des Turniers ist bislang das von Feliciano Lopez: Beim Leibchenwechsel sorgte er für Verzückung bei einer Zuschauerin in der ersten Reihe:

Überraschung:

Die Niederlagen von Dominic Thiem (gegen Thomas Fabbiano) und Garbine Muguruza (gegen Alison Riske).

Abseits des Platzes:

Noch ein Mitarbeiter des Tages: der Mann im Spielerrestaurant. Er bereitet eine Käse- und Fleischplatte zu mit einer Hingabe, die man sonst nur so von Bonsai-Gärtnern kennt. Handgestoppte Dauer: neuneinhalb Minuten. Dass derweil Daniil Medwedew auf einen Kaffee und Simona Halep auf einen Energieriegel warten, ist dem Metzgermeister aber so was von egal. Eins nach dem anderen.

Das bringt der Mittwoch:

Der deutsche Qualifikant Dominick Köpfer spielt gegen Reilly Opelka (USA), gegen den er im Frühjahr nach mehreren vergebenen Matchbällen mit 12:14 im Tie Break des entscheidenden Satzes verloren hatte. "Alles ist möglich", sagt er.

Andere interessante Matches: Stan Wawrinka gegen Jeremy Chardy, Elina Svitolina gegen Venus Williams - und natürlich das Duell der emotionalen und lautstarken Fans bei der Abendpartie zwischen Novak Djokovic und Juan Ignacio Londero.

Emotionaler Moment:

Liefert die 15 Jahre alte Cori Gauff nach ihrem Sieg: "Zum ersten Mal in meinem Leben haben Leute einen Schlachtruf für mich erfunden. Das ist doch verrückt."

© SZ.de/bix/mkoh
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