Präsident bei 1860 München:"Ich gebe noch drei Monate"

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Präsident bei 1860 München: "Vor drei Tagen war ich genau 1860 Tage im Amt": Robert Reisinger wurde mit 94 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

"Vor drei Tagen war ich genau 1860 Tage im Amt": Robert Reisinger wurde mit 94 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Mit großer Mehrheit wird Robert Reisinger als Präsident des TSV 1860 München wiedergewählt. Er will in der Fanartikel-Frage hart bleiben - und beim Hallenbau notfalls auf Konfrontation mit der Investorenseite gehen.

Von Markus Schäflein

Links hinten in der Ecke der Kulturhalle Zenith war bei der Mitgliederversammlung ein Fanartikelstand aufgebaut, natürlich gab es das T-Shirt zu kaufen - mit dem Löwen und der Aufschrift "Wir sind der Verein - 1860 München". Und etliche der anwesenden Mitglieder trugen es auch mit sichtbarem Stolz. Das Kleidungstück stand ja in den vergangenen Wochen im Mittelpunkt bei dem Fußball-Drittligisten, da es der e.V. zuerst produzierte - und die Merchandising-GmbH des Mitgesellschafters Hasan Ismaik es dann in überaus ähnlicher Form auch verkaufte. "Zu der Frage, ob es sich hier um ein Plagiat handelt, braucht man keine Expertenkommission", sagte Präsident Robert Reisinger in seiner Rede.

Reisinger und seine Kollegen Heinz Schmidt und Hans Sitzberger standen zur Wiederwahl, aber diese sorgte für weniger Spannung als seine Ausführungen zur Markenrechts-Debatte und anderen Themen, die das Verhältnis zwischen dem e.V. und der Mitgesellschafterseite um Ismaik betreffen. Denn, natürlich: "Da geht es nicht um ein Hemdchen hier und einen Hoodie da", wie Reisinger es formulierte.

Er betonte, grundsätzlich verfolge der Mitgesellschafter ein "legitimes Geschäftsinteresse", wenn er Markenrechtsverstößen nachgehe, schließlich hat Ismaik 2012 die Exklusivrechte für 20 Jahre erworben. Für Aufregung sorgt es nur, wenn die Merchandising GmbH mit ihrem Geschäftsführer Anthony Power nicht gegen illegale Produkte anderer kommerzieller Hersteller vorgeht, sondern gegen die Produkte des gemeinnützigen e.V. - oder gegen Fans, die das Logo nicht kommerziell nutzen, wie in der Vergangenheit geschehen.

Reisinger drängt auf eine Einigung bei der Grundstücksteilung

Da sieht Reisinger das Positive an der sogenannten T-Shirt-Affäre: "Es wird für sie deutlich schwerer, Markenrechtsverstöße anzuzeigen, wenn sie selbst im eigenen Haus Plagiate anfertigen." Und erst nachdem die T-Shirts bei der Merchandising GmbH aufgetaucht waren, seien beim e.V. die Verkaufszahlen "so hochgeschnellt, dass wir gar nicht mehr hinterherkamen, die Dinger zu verschicken". Nachgeben wird der e.V. jedenfalls nicht, er wird wegen des T-Shirts nicht klagen, aber er bietet weiterhin neben der Sportbekleidung auch Fanartikel: Eine Koexistenz der beiden Shops sei "möglich und sinnvoll", betonte Reisinger deutlich.

Power dürfte das anders sehen, er war allerdings nicht anwesend. Warum Trainer Michael Köllner Power unlängst für seine Hilfe bei den Transfers lobte, berichtete Reisinger auch: Die Zustimmung der Investorenseite "lag diesmal überraschend zügig vor, das ging schneller als in den letzten zehn Jahren". Dass jemand "eine Schatulle geöffnet" habe, sei jedoch ein Märchen: "Es ist der gleiche Etat wie in der vergangenen Saison."

Nicht nur bei der Textilproduktion, auch in Sachen Hallenbau kündigte Reisinger an, eine Konfrontation mit der Investorenseite nicht zu scheuen. Er wünscht sich eine Teilung des Erbpachtvertrags für das Gelände an der Grünwalder Straße, der derzeit einzig auf die Profifußball-KGaA läuft. Der Mietzins für die KGaA würde dann ja sinken, argumentiert er, und der e.V. könnte nur dann öffentliche Zuschüsse für das Bauprojekt erhalten, wenn er das Gelände vorweisen könne. "Wir haben viele Gespräche geführt und ausführlich korrespondiert", sagte Reisinger. Die Reaktionen der Investorenseite seien "immer wieder sehr unterschiedlich" gewesen, "teilweise wurden Bedingungen gestellt, die mit der Sache nichts zu tun haben".

Die Fürsprecher Ismaiks ziehen es vor, zu den Mitgliederversammlungen nicht mehr zu erscheinen

Deshalb baut er nun Druck auf: "Ich gebe noch drei Monate", sagte er: "Schaffen wir bis dahin keine Einigung, werden wir als Verein andere Möglichkeiten suchen." Das Druckmittel aus seiner Sicht: Die Verpflichtung zum Bau einer Turnhalle sei im Erbpachtvertrag der Profifußball-KGaA mit der Stadt München festgehalten, zwingend erforderlich sei die Zustimmung Ismaiks daher nicht. Soll wohl heißen: Ein erster Brief der Stadt München mit einer freundlichen Aufforderung, eine Halle zu errichten, könnte in einigen Monaten bei der Geschäftsführung der KGaA ankommen. Und ehe die KGaA selbst bauen müsste, würde sie wohl lieber einen Teil des Grundstücks an den e.V. abtreten.

Widerspruch zu Reisingers Plänen gab es nicht - die Fürsprecher Ismaiks ziehen es längst vor, zu den Mitgliederversammlungen nicht mehr zu erscheinen, da sie ohnehin stets deutlich in der Minderheit waren. Nur 310 Stimmberechtigte von 23 529 Mitgliedern waren erschienen. Das hatte sicherlich weniger mit dem Testspiel der Drittliga-Mannschaft gegen Bundesligist Mönchengladbach in Rottach-Egern zu tun, das mit 0:6 deutlich verloren ging. Es lag wohl eher an der Tatsache, dass es keine sichtbare Opposition gegen das zur Wiederwahl stehende Präsidium mehr gibt - sodass dann auch dessen Anhänger keine Notwendigkeit sehen, sich zu organisieren.

"Vor drei Tagen war ich genau 1860 Tage im Amt", sagte Reisinger - was einen donnernden Applaus hervorrief, der das Ergebnis der Präsidiumswahl vorwegnahm. Mit 290 Ja-Stimmen, also 94 Prozent, wurde Reisinger wiedergewählt, seine Kollegen Heinz Schmidt und Hans Sitzberger erhielten 291 bzw. 302 Ja-Stimmen. Der Kurs für die Profifußball-KGaA bleibt klar: Ismaik kann finanzielle Mittel nur über Genussscheine einbringen. "Eine weitere Verschuldung muss ausgeschlossen bleiben", kündigte Reisinger an. "Da dürft's auch klatschen."

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