TSV 1860 München:Nah und gut

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TSV 1860 München: Was macht er denn nun schon wieder? Mit Schrecken verfolgt Aues Steffen Nkansah, was Sechzigs Fynn Lakenmacher (rechts) gegen das Schlusslicht so alles anstellt.

Was macht er denn nun schon wieder? Mit Schrecken verfolgt Aues Steffen Nkansah, was Sechzigs Fynn Lakenmacher (rechts) gegen das Schlusslicht so alles anstellt.

(Foto: Ulrich Wagner/Imago)

Im eigenen Stadion bleiben die Münchner Löwen nach dem Sieg gegen Aue weiter ungeschlagen - auch weil Fynn Lakenmacher dort fast nach Belieben trifft.

Von Christoph Leischwitz

Nur kurz sei noch einmal an Sascha Mölders erinnert: Der ehemalige Bundesliga-Stürmer, vor einem Jahr noch in Diensten des TSV 1860 München, hat am Samstag drei Tore erzielt und damit den Bayernligisten TSV Landsberg zu einem 3:2-Sieg im Spitzenspiel gegen den FC Deisenhofen geführt (für Deisenhofen traf übrigens der Ex-Löwe Nico Karger). Liefe es aktuell bei den Sechzigern in der dritten Liga schlecht, hätten nun viele jener Fans mit den bekanntermaßen hohen Ansprüchen reflexartig ein Mölders-Fernweh bekommen. Aber das Gute liegt glücklicherweise sehr nah.

"Das erlebt man nicht alle Tage", sagte Fynn Lakenmacher grinsend: Flutlichtspiel im eigenen Stadion, drei Tore erzielt, kein Wunder, dass sich der junge Angreifer der Sechziger nach dem 3:1-Sieg gegen Erzgebirge Aue einen Ball mit nach Hause nahm, als Andenken an sein bislang erfolgreichstes Spiel. Bei den Sechzigern werden sie sich sicherlich denken: Du darfst so was gerne noch öfter erleben. Lakenmacher, eigentlich ja nur Vertreter des verletzten Marcel Bär, hatte in der vergangenen Saison für den späteren Absteiger TSV Havelse fünf Tore geschossen. Jetzt sind es nach neun Einsätzen für die Löwen schon sechs. Das einzige, was in seiner Statistik noch fehlt, sind Auswärtstreffer. Nach der Niederlage gegen die SV Elversberg eine Woche zuvor bleiben die Sechziger zumindest "eine Heimmacht", wie der gegen Aue sehr gut aufgelegte Albion Vrenezi erklärte.

Die lange Länderspielpause wird nicht nur mit Wiesn-Besuchen gefüllt, versichert Trainer Köllner

Alle waren sich einig: Dieser Sieg war wichtig, zwischen einem 1:4 bei der SV Elversberg und einem Wiesn-Besuch, der von den Profis, auch dank einer Länderspielpause, sicherlich nicht allein mit alkoholfreiem Bier begangen wird. "Wir sind wieder in der Spur", freute sich auch Trainer Michael Köllner, wenngleich Torwart Marco Hiller daran erinnerte, was bald wieder in Vergessenheit geraten wird: dass es "nicht unser bestes Spiel" gewesen sei. Die Leistungen zu vergleichen oder im Sieg eine Reaktion auf die bittere Niederlage herauszulesen, fällt schon deshalb schwer, weil es sich um zwei höchst unterschiedliche Gegner handelte.

Elversberg strotzt zurzeit vor Selbstvertrauen; die Saarländer holten sich am Samstag ja auch gleich mit einem Auswärtssieg in Halle die Tabellenführung zurück. Aue hingegen war zwar bemüht, aber auch verunsichert zu Werke gegangen, die Sachsen sind immer noch sieglos. Am Freitag fragten sich auf der Haupttribüne einige, warum Timo Rost eigentlich die SpVgg Bayreuth als Aufstiegstrainer verlassen hatte; die Oberfranken stehen in der Tabelle auf dem vorletzten Platz, aber immerhin zwei Punkte vor Aue. Durchaus möglich, dass Rost bald nicht mehr Trainer in Aue ist. Nach der Pressekonferenz gab er sich entgegen allen Medienberichten zuversichtlich, bleiben zu können.

Köllner verwies darauf, dass die lange Ligapause nicht gänzlich mit Oktoberfestbesuchen aufgefüllt wird. Zwei Testspiele stehen an, bevor es am 1. Oktober zu Borussia Dortmund II geht, obendrein noch ein Toto-Pokalspiel am Dienstag in einer Woche beim FV Illertissen. Außerdem ist der Trainer, wenn auch in kleinerem Umfang, mit einem Problem konfrontiert, das vor allem Erstligisten kennen: Leandro Morgalla wurde für die U19-Nationalmannschaft abgestellt. Der Innenverteidiger ist gerade erst 18 geworden und schon Leistungsträger, Medienberichten zufolge gibt der Verein nach seiner Rückkehr von der Länderspielreise die Vertragsverlängerung bis 2026 bekannt. Damit befinden sich die Sechziger wirtschaftlich gesehen in einer Win-win-Situation: Sollte die Mannschaft aufsteigen, können sie wohl weiter mit dem großen Talent planen. Sollte er verkauft werden, dürfte eine große Ablösesumme fließen, die helfen wird, Zweitligapläne weiter ernsthaft zu verfolgen.

Übrigens gibt es eine Löwin, die am vergangenen Wochenende noch mehr Tore als Lakenmacher schoss: Sofia Endrizzi traf beim Saisondebüt der Frauen in der Kreisklasse gegen den FC Stern III gleich viermal (Endstand 4:2). Ob Endrizzi auch einen Ball als Souvenir mit nach Hause nahm, ist nicht bekannt.

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