TSV 1860 München:Vier Tore, vier Mal Protest

Lesezeit: 3 min

TSV 1860 München: Erfolgreicher Start: Trainer Michael Köllner (Mitte) und die Löwen bejubeln ihren Auswärtssieg.

Erfolgreicher Start: Trainer Michael Köllner (Mitte) und die Löwen bejubeln ihren Auswärtssieg.

(Foto: Roger Petzsche/Imago)

Zum Drittliga-Auftakt untermauern die Münchner Löwen ihre Ambitionen mit einem 4:3 in Dresden. Im Vorfeld sorgt Investor Ismaik für Diskussionen - mit einem Statement gegen eine langfristige Zukunft im Grünwalder Stadion.

Von Markus Schäflein

Der TSV 1860 München hat zum Start der dritten Fußball-Liga mit einem 4:3 (2:0) beim Absteiger Dynamo Dresden seine Aufstiegsambitionen untermauert. Doch die Löwen wären natürlich nicht die Löwen, wenn sie mal ohne vereinspolitisches Beiwerk irgendetwas Sportliches untermauern könnten. Nach allen vier Treffern war, im überregionalen öffentlich-rechtlichen Fernsehen, im jubelnden Fanblock eine große Schwenkfahne mit dem durchgestrichenen Konterfei des Investors Hasan Ismaik zu sehen. Das hatte seine Gründe, aber dazu später, weil es dieses Fußballspiel verdient, zuerst abgehandelt zu werden.

Trainer Michael Köllner begann mit vier Zugängen in der Startelf: Innenverteidiger Jesper Verlaat, Mittelfeldspieler Martin Kobylanski, Rückkehrer Tim Rieder auf der Sechs und wie erwartet Fynn Lakenmacher als einzige Spitze statt Marcel Bär. Der Fokus lag auf einer soliden Defensivarbeit, und vorne zeigten sich die Sechziger effektiv. Nach acht Minuten führten sie 1:0, Dresdens Kevin Ehlers beförderte den Ball nach einer geschickten Hereingabe von Stefan Lex vor dem lauernden Lakenmacher ins eigene Tor. Hinten war Torwart Marco Hiller häufiger Teil der soliden Defensivarbeit, als sich das Köllner wohl vorgestellt hatte. Er hielt die Führung fest, die Rieder dann nach Kombination über Lakenmacher und Kobylanski ausbaute (36.). Und nach dem 0:3 durch den mittlerweile eingewechselten Vorjahrestorjäger Bär (68.) schien alles klar zu sein, Dresdner Fans begannen zu pfeifen.

TSV 1860 München: Der Finger zeigt's an, wo 1860 hinwill: nach oben in die zweite Liga - Marcel Bär (Mitte) bejubelt sein Tor zum 3:0 beim 4:3-Sieg in Dresden.

Der Finger zeigt's an, wo 1860 hinwill: nach oben in die zweite Liga - Marcel Bär (Mitte) bejubelt sein Tor zum 3:0 beim 4:3-Sieg in Dresden.

(Foto: Roger Petzsche/Imago)

Sie wussten ja nicht, dass dieses 0:3 der Auftakt zu einem wilden Ritt werden sollte, der auf die Sache mit der stabilen Defensive keinerlei Rücksicht nahm. Zwei Minuten später nutzte Dresdens Dennis Borkowski eine Unordnung in der Münchner Abwehr zum 1:3, eine weitere Minute später traf Bär erneut. Und wiederum zwei Minuten später zeigte der unlängst aus Nürnberg nach Dresden gekommene Manuel Schäffler nach seiner Einwechslung gleich die erwarteten Torjägerqualitäten.

Nun witterte Dynamo seine Chance, und tatsächlich sorgte der überragende Borkowski mit einer Einzelaktion für das 3:4 und Hochspannung in der Schlussphase. Gegen Ende der vierminütigen Nachspielzeit klopfte Köllner flehend auf seine Armbanduhr - und die Löwen überstanden die Serie von weiten Dresdner Schlägen dann tatsächlich unbeschadet. Es könnte also alles perfekt sein aus Löwensicht.

"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold", empfiehlt Präsident Reisinger dem Trainer Köllner

Ist es aber nicht, weil sowohl Präsident Robert Reisinger als auch Investor Hasan Ismaik ausgerechnet vor der Auftaktpartie in die Öffentlichkeit getreten waren. Reisinger zog sich den Unmut mancher Anhänger zu, weil er Trainer Köllner im Merkur ermahnt hatte, sich nur zu sportlichen Dingen zu äußern und nicht "außerhalb seines Fachgebiets Statements" abzugeben, gemeint war: etwa mit streitbaren Thesen zu Corona, zur Lage in Saudi-Arabien oder zu Fanbloggern, aber auch zu Gesellschafterthemen. Köllner könne eine Ära prägen, "wenn er sich auf den Sport konzentriert". Reisinger empfahl: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold", was ihm zum Teil als eine Schwächung des Trainers ausgelegt wurde.

Diskussionsstoff für die Fans lieferte auch wieder Ismaik. Seine Merchandising GmbH mit Geschäftsführer Anthony Power hatte zuletzt ja ein T-Shirt des e.V. einfach nachgemacht. Und kurz vor dem Spiel in Dresden verärgerte Ismaik viele Anhänger erneut, diesmal mit einer Äußerung bei Facebook, in der er sich gegen eine längerfristige Zukunft im Stadion an der Grünwalder Straße aussprach. Er lobte zunächst "Trainer Michael Köllner, der aufgrund seiner Persönlichkeit eine Sonderrolle bei 1860 einnimmt", was man als Replik auf Reisinger verstehen durfte. Und dann kam's: Es sei "unsere Verpflichtung, dass wir unsere Stadionzukunft selbst in die Hand nehmen und nicht darauf warten, was Dritte mit uns planen", meinte Ismaik. Das Grünwalder Stadion gehört ja der Stadt München, die wenig begeistert sein wird, dass es beim TSV mal wieder unterschiedliche Meinungen gibt, wo doch Planungen für einen zweitligatauglichen Umbau im Gange sind.

"Wir müssen unseren Verein so aufstellen, dass er zukunftsfähig wird. Deswegen halte ich wenig davon, dass sich 1860 auf Jahrzehnte für ein umgebautes Grünwalder Stadion verpflichtet, in dem unser Verein nicht wachsen kann - weder finanziell noch sportlich", teilte Ismaik mit. "Ich wünsche mir, dass die Vereinsseite nach fünf Jahren endlich erkennt, dass wir für unsere gemeinsamen Ziele einen anderen Stadionweg wählen müssen." Die Antwort im Fanblock war in der ARD zu sehen. Nach allen vier Toren. Ismaik würde sich vielleicht auch mehr defensive Stabilität wünschen - ein 1:0 hätte es ja auch getan, und dann wäre die Fahne des Anstoßes wohl seltener zu sehen gewesen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB