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TSG 1899 Hoffenheim:Videospiele im Fußballtraining

Germany Women's - Footbonaut Training Session; Hoffenheim Training

Im Oktober 2015 testen Spielerinnen der Frauenfußball-Nationalelf eine neue Trainingsmethode auf dem Gelände der TSG Hoffenheim.

(Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)
  • Die TSG Hoffenheim versucht, eine raschere Entscheidungsfindung ihrer Spieler zu trainieren.
  • Der Klub nutzt etwa Spiele-Apps, Testgeräte aus der Psychologie oder ein spezielles Modell zur Schulung des räumlichen Sehens.

Wenn Jan Mayer über sein Büro spricht, dann sagt er Dinge, die andere Menschen eher nicht über ihr Büro sagen. "Da ist gerade traffic", das ist so ein Satz, viel los, deshalb geht er jetzt nicht in diesen Raum, sondern erzählt nur über ihn. An diesem Mittag im November sei es so, sagt Mayer, dass Fußballer der ersten und zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim in diesem Büro sitzen und Videospiele spielen. Besser gesagt: Sie trainieren.

Wer sich ein Fußballtraining vorstellt, der denkt an Medizinbälle, Kopfballpendel und bunte Hütchen. Jahrzehntelang gehörte das zum Grundinventar auf deutschen Sportplätzen, aber in den vergangenen Jahren hat sich einiges gewandelt. "Es hat sich als normale Trainingsform etabliert: Man geht jetzt zum Gamen", sagt Prof. Dr. Jan Mayer. Er ist Sportpsychologe der TSG 1899 Hoffenheim, und in seinem Kellerbüro auf dem Trainingsgelände spielen Fußballer von der U12 bis zu den Profis Videospiele. Manche einmal die Woche, andere bis zu viermal. Sie tun das nicht zum Spaß, sie sollen etwas lernen: schneller denken, entscheiden.

Es gab Zeiten, da hatte der Sportpsychologe Mayer, 45, vor allem eine Aufgabe. Er sollte den Spielern mentale Kniffe beibringen, etwa, wie sie am besten in Stress- und Drucksituationen bestehen können. Mittlerweile hat Mayer eine weitere Aufgabe; 2009, kurz nach seiner Ankunft in Hoffenheim, hatten die Trainer sie an ihn herangetragen. "Die Spieler schneller im Kopf machen", so nennt er das.

Wie sich der Fußball beschleunigt hat

Der Fußball wird immer schneller, das wissen Fans, Trainer und Spieler, und das zeigen auch die Zahlen. Nach der WM 2010 stellte der Weltverband Fifa in einer Analyse vor, die genau das besagte. Ein Beispiel: Während die deutsche Nationalmannschaft beim Confed Cup 2004 noch eine durchschnittliche Ballkontaktzeit von 2,8 Sekunden aufwies, waren es bei der WM 2010 in Südafrika nur noch 1,1 Sekunden. Mayer sagt: "Es war klar: Die Beschleunigung des Spiels hatte nicht nur etwas mit den wechselnden Phasen, besserer Athletik, Technik oder Taktik, sondern auch mit Wahrnehmen und Verarbeiten zu tun."

Es ist nicht so, dass die TSG Hoffenheim als einziger Klub in Deutschland die kognitiven Fähigkeiten der Spieler verbessern will. Aber in Hoffenheim haben sie relativ früh damit angefangen. Bei Demenz-Erkrankten hatten Übungen dazu geführt, dass bestimmte Gehirnaktivitäten erhalten bleiben, sagte Mayer: "Da kam bei uns die Idee: Vielleicht kann das gleiche auch genutzt werden, um Spieler besser zu machen."

Mayer weiß noch, wie alles begann: mit kreuzwortähnlichen Übungen, mit Stift und Papier. Und heute? Nutzen sie Spiele-Apps, Testgeräte aus der Psychologie, bekamen ein neues Trainingsmodell, die sogenannte Helix. Dabei handelt es sich um einen Videoraum mit 180-Grad-Leinwand. Er soll das räumliche Sehen und die Konzentration verbessern. Das kann dann so funktionieren: Zu Beginn sind acht gleich aussehende Figuren mit Fußballtrikot in einem virtuellen Stadion zu sehen, von denen vier blinken. Dann rennen die Figuren für mehrere Sekunden zufällig durcheinander und reihen sich wieder vor dem Spieler auf. Dieser muss benennen, welche die blinkenden Akteure vom Anfang sind.

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