bedeckt München 19°
vgwortpixel

Ineos bei der Tour de France:Wer ist hier der Chef?

Geraint Thomas (re.) ist erneut gut dabei bei der diesjährigen Tour.

(Foto: AFP)
  • Bei der Tour de France ist Vorjahressieger Geraint Thomas erneut stark unterwegs - auch ohne Gelbes Trikot.
  • Doch in seinem Team ist derzeit die Frage des Mannschafts-Anführers ungeklärt.

Mit vergleichsweise wenig Aufwand und Aufregung schafft es Geraint Thomas, loszufahren. Im Zentrum von Belfort versammeln sich an diesem Freitagmorgen die Mannschaften zum Start in einen neuen Tourtag. Als Peter Sagan aus dem Bus steigt, der slowakische Exzentriker, ist das Gekreische der wartenden Fans besonders groß; auch "Julian" rufen viele Monsieur Alaphilippe hinterher, der am Donnerstag so knapp das Gelbe Trikot verlor. Und als Vorjahressieger Thomas aus dem Bus kommt, muss er zwar ein paar Autogramme schreiben und wartet auch eine zweiköpfige Fan-Delegation aus der walisischen Heimat. Aber richtig viel Action herrscht da nicht.

Es ist keine gewagte Prognose, dass sich der Ansturm auf ihn noch etwas verstärken wird im Laufe dieser Tour.

Geraint Thomas darf sich zum Ende der ersten Tour-Woche durchaus als ein Gewinner fühlen - auch wenn er bislang weder eine Etappe für sich entschied noch das Gelbe Trikot trägt. Dafür gab es einen moralischen Erfolg: Am Donnerstag, auf dem ekligen Schotterpisten-Anstieg nach La Planche des Belles Filles, war er der stärkste aller Sieganwärter - vor allem war er neun Sekunden schneller als sein Teamkollege Egan Bernal aus Kolumbien.

Radsport 20 Millionen Euro als Limit?
Tour de France

20 Millionen Euro als Limit?

Ineos, vormals Sky, ist das mit Abstand reichste Team bei der Tour - und der große Favorit. Eine Budgetgrenze könnte mehr Spannung bringen, doch es gibt Widerstand gegen die Idee.   Von Johannes Aumüller

Neun Sekunden, das ist normalerweise nichts im Radsport. Aber manchmal können neun Sekunden auch viel sein. Etwa, wenn sie hineinplatzen in eine schwelende Kapitänsdebatte wie beim Team Ineos (bis Mai Team Sky), das unbedingt seinen insgesamt siebten Tour-Sieg feiern will. Und wo sich mit Blick auf die schweren Etappen in den nächsten Wochen alles um die Frage dreht, ob nun Routinier Thomas, 33, oder Bernal, 22, der stärkere ist.

Geraint Thomas ist durchaus ein Mysterium. Nach seinem Toursieg 2018 hat er vor allem gefeiert. Und das so ausgiebig, dass er im Herbst zwei Monate lang gar kein Rad fuhr und bis Januar nicht mehr auf die Waage stieg. "Ich wollte es nicht wissen. Mir reichten die Bilder, um zu realisieren, wie fett ich war. Ich brauchte nicht auch noch eine Zahl dazu. Ich glaube, die hätte mich gebrochen", sagte er kürzlich. Nur 25 Renntage und damit die wenigsten aller Podiumsanwärter absolvierte er 2019 vor der Tour. Er gewann dabei keine Etappe und wurde Dritter bei der Tour de Romandie; bei der Tour de Suisse, der Generalprobe, stieg er nach einem Sturz aus.

Radsport Rock 'n' Roll auf dem Rad
Tour de France

Rock 'n' Roll auf dem Rad

Julian Alaphilippe zählt zu den wagemutigen Ausreißern bei der Tour. Kann der Mann im Gelben Trikot die Franzosen irgendwann vom langen Warten auf den Toursieg erlösen?   Von Johannes Aumüller

Sehr menschlich finden es die einen, wenn jemand nach einem solchen Triumph auch mal Fünfe gerade sein lässt. Thomas kommt ja ohnehin sympathischer rüber als die früheren Sieger Bradley Wiggins und Christopher Froome, und bisher ist mit ihm konkret auch noch kein fragwürdiger medizinischer Vorgang verbunden wie bei den Vorgängern. Andere finden es wiederum eher unmenschlich, wenn jemand nach so holpriger Vorbereitung zurückkommt und auf einer 24 Prozent steilen Rampe allen davonfährt.