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Topnews:"Tifosi" fragen besorgt: "Quo vadis Italia?"

Sestriere (dpa) - "Quo vadis Italia?" Zehn Tage vor seinem WM-Auftaktspiel in Kapstadt gegen Paraguay weiß der Weltmeister nicht, wo er steht. War wirklich nur das harte Höhentraining in Sestriere schuld an der 1:2-Testspielpleite gegen Mexiko?

Oder war die müde Vorstellung der schwerfälligen Azzurri mit ihrer löchrigen Abwehr in Brüssel der Vorbote eines WM-Debakels für den Titelverteidiger in Südafrika? Im zweiten und letzten WM-Test gegen Ottmar Hitzfelds Schweizer erhofft sich Nationaltrainer Marcello Lippi in Genf eine Antwort auf die Frage, die die gesamte Fußballnation Italien bewegt.

"Ich hatte schon gedacht, wir wären etwas weiter", räumte Lippi nach der ersten Niederlage gegen Mexiko ein. Gleichzeitig bemühte sich der Weltmeistermacher aber um Gelassenheit: "In ein paar Wochen müssen wir in Top-Form sein und das werden wir auch sein", meinte der selbstsichere Toskaner. Die Vorstellung seiner Truppe versuchte der 62-jährige gar nicht erst schön zu reden: "Wir sind in jedem Zweikampf zu spät gekommen. Meine Spieler hatten sehr schwere Beine", sagte Lippi.

Für die flink aufspielenden Mittelamerikaner trafen Sturm-Talent Carlos Vela vom FC Arsenal (17. Minute) und Alberto Medina (84.). Leonardo Bonucci (89.) konnte für den bis zu letzten Minute kämpfenden Favoriten zumindest noch den Ehrentreffer erzielen. Dreimal formierte Lippi seine Mannschaft in den 90 Minuten taktisch um. Er wechselte von einem 4-2-3-1-System auf eine 4-4-2-Formation und schließlich auf ein 4-1-4-1-Muster. Sehr aufschlussreich waren die Wechsel für ihn nicht.

"Wenn du nicht richtig fit bist, funktionieren gewisse Dinge einfach nicht", erklärte Mittelfeldspieler Daniele De Rossi. Wie fast alle Azzurri blieb auch der Spieler von Vize-Meister AS Rom schwach. Nur der eng gedeckte Regisseur Andrea Pirlo und Torwart Gianluigi Buffon konnten überzeugen.

Großer Schwachpunkt war die bei der WM 2006 in Deutschland noch schier unüberwindbare Abwehr: "Buffon muss zusehen, wie seine Berliner Mauer zerbröselt", titelte die "Gazzetta dello Sport". Noch gibt sich der Juve-Keeper gelassen: "Wir haben zwar nicht mehr viel Zeit, um Ordnung in der Abwehr zu schaffen, aber wir haben da erfahrene Leute, die das hinbekommen werden", meinte Buffon.

Italiens Sportzeitungen wollen dem Star-Torwart liebend gerne glauben: "Dieses Italien war einfach zu hässlich, um wahr zu sein", vermutete die Gazzetta beinahe nah schon eion optischen Täuschung aufgesessen zu sein. "Schauerlich", fand der "Corriere dello Sport" Italiens Auftritt in Belgien. Und das Turiner Blatt "Tuttosport" sprach am Freitag mit seiner Titelschlagzeile allen Tifosi aus der Seele: "Hoffentlich war das nicht das echte Italien!"