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Topnews:Bundesliga wenig reiselustig: "WM auf dem Sofa"

Frankfurt/Main (dpa) - Südafrika ist eine Reise wert - nicht aber für die Bundesliga-Vertreter. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa fährt kaum ein Trainer oder Manager zur Fußball-Weltmeisterschaft (11. Juni bis 11. Juli) ans Kap.

Die meisten halten es wie Freiburgs Coach Robin Dutt: "Ich schaue auf dem Sofa ganz gemütlich die WM im Fernsehen." Den deutschen Fußball vertreten - neben der Nationalmannschaft natürlich - eine von Verbandschef Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfsgang Niersbach angeführte DFB-Delegation.

Auch Präsident Reinhard Rauball und Peter Peters von der Deutschen Fußball Liga (DFL) gehören dazu. Christian Seifert verzichtet hingegen: "Da ich als Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung bei der WM keine Repräsentationspflichten habe und das DFB-Präsidium durch die Spitzen von DFB und Liga dort präsent ist, ist meine Teilnahme nicht zwingend erforderlich." Gut möglich aber, dass bei einer Endspielteilnahme von Joachim Löws Team doch noch die große Reisewelle ausbricht.

Zwanziger fliegt am 10. Juni "mit einem guten Gefühl" nach Südafrika - "und mit der großen Hoffnung, dass es den Südafrikanern gelingt, dieses Turnier reibungslos und afrikanisch attraktiv über die Bühne zu bringen". Das Thema Sicherheit schreckt so manchen Bundesliga-Funktionär ab, auch wenn das nicht offen ausgesprochen wird. "Ich denke, das darf man auch nicht schönreden. Man muss aber auch gleichzeitig sagen, das Ganze ist beherrschbar", betonte Zwanziger. " Es macht keinen Sinn, jetzt anhand der Statistiken, die es gibt, ein Szenario zu eröffnen, das jeder Angst haben muss, dorthin zu gehen."

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hatte schon im Januar die Vergabe der WM nach Südafrika als "eine der größten Fehlentscheidungen" von FIFA-Präsident Joseph Blatter kritisiert und angekündigt: "Ich fahre da nicht hin. Ich war nie ein großer Freund einer WM in Südafrika oder überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent, solange Sicherheitsaspekte nicht zu 100 Prozent geklärt sind."

Vor vier Jahren war die Welt noch vor der Haustür "zu Gast bei Freunden", dieses Mal schreckt auch der Winter am Kap und die lange Flugreise einige ab. Und für die Bundesliga-Trainer gibt es ganz pragmatische Gründe: Die Saisonvorbereitung startet während der WM. Der VfB Stuttgart ist aber durch seine Scoutingabteilung vertreten, der FSV Mainz 05 gar durch Präsident Harald Strutz und zeitweise durch Manager Christian Heidel.

Der künftige Sportliche Leiter des Hamburger SV, Urs Siegenthaler, ist als Löws Spielebeobachter ohnehin vor Ort, Hannovers Coach Mirko Slomka für einen Sponsor in Südafrika dabei. Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl beobachtet gemeinsam mit Teammanager Steffen Korell zahlreiche Testspiele der WM-Teilnehmer in Europa. "Wir werden schon vor der WM fast jede Mannschaft gesehen und uns einen guten Überblick verschafft haben", sagte Eberl. "Die WM schaue ich mir dann am Fernseher an - zumal bei uns schon wieder die Vorbereitung beginnt."

Selbst von den prominenten TV-Experten fliegt nicht jeder ins WM-Land, sondern kommentiert die Spiele aus den Fernsehstudios auf deutschem Boden - zum Beispiel Borussia Dortmunds Coach Jürgen Klopp. Die Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn (ZDF) und Jens Lehmann (Sky) reisen jedoch nach Südafrika. "Ich besuche bei der Gelegenheit auch wieder den Power-Child-Campus, ein soziales Projekt im Brennpunkt Kapstadts", kündigte Lehmann an.