Tierische Bundesliga:Müller gönnt Robben einen Happen

Die Bundesliga als Zoo: Thomas Müller setzt sich im Haifischbecken des FC Bayern durch, Roberto Hilbert ist der Elefant im Porzellanladen und Philipp Hosiner beweist Bärenstärke.

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Roberto Hilbert

FC Bayern Muenchen v Bayer Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Leverkusens Außenverteidiger (rechts) ist schon ein Weilchen dabei im Spitzenfußball, an seinen Schläfen sind mittlerweile graue Härchen zu sehen - für einen 30-Jährigen ist das keine Schande. In seinen 162 Bundesliga-Spielen und acht Länderspielen (sic!) hat er so manchen gegnerischen Dauerläufer kennengelernt - aber ein Mensch wie Douglas Costa ist ihm offenbar noch nicht begegnet. "Der Junge ist einfach bärenstark und sauschnell," sagte Hilbert nach dem 0:3 in München. Zu seiner Entlastung ist anzufügen, dass solche Sätze über Costa derzeit jede Woche fallen - Hilbert war bloß dessen jüngstes Opfer. Vor dem 0:1 rauschte der Brasilianer am Leverkusener einfach vorbei. Auch danach gelang Hilbert wenig. Ein Schubser gegen Vidal und ein Handspiel führten zu zwei Elfmetern für die Bayern. Es war ein Tag, an dem sich Hilbert vorgekommen sein musste, wie ein Elefant im Porzellanladen.

(jbe)

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Philipp Hosiner

1 FC Köln Philipp Hosiner 06 08 2015; Philipp Hosiner

Quelle: imago/Herbert Bucco

So ein Medizincheck wird häufig verflucht. Bisweilen scheitern Transfers ja daran, dass plötzlich Herzklappenfehler oder Wackelknie entdeckt werden. Auch Philipp Hosiner (hier im schicken Shirt mit Bär) fiel beim 1. FC Köln im Januar durch. Nun aber steht der Österreicher stellvertretend dafür, dass solche Checks von den Profis, die sich natürlich alle kerngesund wähnen, nicht als Schikane empfunden werden sollten. "Die Ärzte in Köln haben mir vermutlich das Leben gerettet", sagte Hosiner, 26, am Samstag. Zehn Minuten nach seiner Einwechslung hatte er im ersten Einsatz sein erstes Tor für Köln gegen den HSV erzielt. Also gut ein halbes Jahr, nachdem die Ärzte bei Hosiner diesen zwei Kilo schweren Nieren-Tumor gefunden hatten. Vom Tumor befreit, fand der Stürmer im Frühsommer dann doch zum FC, auf Leihbasis von Stade Rennes. Seine beste Zeit hatte er nicht in Frankreich, sondern in der Saison 2012/13 bei Austria Wien. Der Trainer damals wie heute: Peter Stöger. Die Austria schoss Hosiner zum Titel. Mit 32 Toren.

(hoe)

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Bruno Labbadia

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Quelle: AFP

Beim HSV sind sie Kummer gewohnt, aber nach dem 1:2 in Köln schlug die Stimmung diesmal in Wut um. Direkt nach Schlusspfiff sprach Trainer Bruno Labbadia von einer "krassen Fehlentscheidung" des Unparteiischen Deniz Aytekin. "Wir sind zumindest um einen Punkt betrogen worden", wetterte der Coach, weil der Schiedsrichter in der Endphase nach einem Rempler von Emir Spahic gegen FC-Stürmer Anthony Modeste auf Rot und Elfmeter entschieden hatte. Es war ein Urteil aus der Abteilung "kann, muss aber nicht" - wobei auf Hamburger Seite natürlich alle letzteres bevorzugt hätten. Labbadia regte sich so sehr auf, dass ihm Krampfadern an der roten Stirn wuchsen. Wie eine Fledermaus fuchtelte er herum, es sah aus, als wolle er Blut saugen. Doch es half nichts. Das Spiel ging verloren, obwohl sein Team anständig gespielt hatte. Als er sich wieder beruhigt hatte, zeigte der HSV-Coach dann sportliche Größe. Er sagte: "Herr Aytekin ist ein guter Schiedsrichter und es ist menschlich, Fehler zu machen."

(jbe)

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SV Darmstadt 98

SV Darmstadt 98 v 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

"Hier werden sich noch viele Gegner die Zähne ausbeißen", erklärte der Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol nach dem 0:0 gegen Darmstadt 98: "Es ist eine eigenartige, abartige Atmosphäre und Spielweise." Der Gästecoach beschrieb damit die Leistung von Darmstadt 98 gegen seine Hoffenheimer treffend - das Wort "abartig" war dabei als großes Lob zu verstehen. Die Darmstädter Spieler hetzten bis zur vollen körperlichen Erschöpfung dem Ball hinterher - bis die Hoffenheimmer verzagten und Darmstadt-Trainer Dirk Schuster zufrieden auf der Bank nickte. Die Fans am Böllenfalltor feierten jede Grätsche mit Applaus - als sei der Zweikampf ein Siegtor in der 90. Minute. Mit viel Einsatz sicherte sich der Aufsteiger so das dritte Unentschieden, auch wenn die Spielweise den Bundesliga-Neuling viel Kraft kostet. "Wir haben 90 Minuten unser Leben gegeben", bemerkte der tüchtige Torwart Christian Mathenia, dem auch noch nach Schlusspfiff der Schweiß in Rinnsalen über die Stirn lief. "Meine Kollegen liegen alle mausetot in der Kabine." Die Darmstädter wissen, dass ihnen gegen spielerisch stärkere Gegner nur der Kampf bleibt, um eine Chance auf den Klassenverbleib zu haben. Mathenia stellte abschließend fest: "Wir sind halt alle Kampfschweine."

(tbr)

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Douglas Costa

FC Bayern Muenchen v Bayer Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

33 Kilometer pro Stunde: So schnell war Douglas Costa diesmal unterwegs. Unermüdlich bearbeitete er die Außenlinie in der Leverkusener Spielfeldhälfte. Der Zugang aus Donezk überzeugte zudem mit Dribblings aus dem Playstation-Seminar. In der 82. Minute überlupfte er den Leverkusener Julian Brandt mit einem Hackentrick - das Kunststück erinnerte an "Jay-Jay" Okocha, nur dass diesmal eben "Ocosta" trickste. Seinen Schnelligkeitsvorteil nutzte der 24-Jährige wieder einmal zu zwei Torvorlagen. Mit seinen explosiven Schritten stellte der Brasilianer die Abwehr der Werkself vor riesige Probleme - und wurde so zum ständigen Gejagten. Wie ein Gepard flitzte er über den Platz. Die Leverkusener Verteidiger waren froh, als Costa nach dem Abpfiff in die Kabine trabte.

(tbr)

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Thomas Müller

Bayern München - Bayer Leverkusen

Quelle: dpa

Zwei Tore waren Thomas Müller im Spiel gegen Leverkusen im heimischen Stadion schon gelungen. Da zeigte Schiedsrichter Florian Meyer zum zweiten Mal auf den Elfmeterpunkt. Die Annahme, Müller würde in seinem 200. Bundesligaspiel gleich dreifach treffen, war naheliegend. Doch der 25-Jährige überraschte mit einem besonderen Verzicht. Er ließ Arjen Robben den Vortritt, so durfte sich der Holländer über das 3:0 freuen. Nach dem Spiel begründete Müller seine Entscheidung: "Der FC Bayern ist ein Haifischbecken. Da muss man den Haien auch ab und zu einen Fisch hinwerfen." Im Aquarium der Münchner ist Müller derzeit das größte Raubtier - der weiße Hai. An der Spitze der Nahrungskette kann er der Konkurrenz ab und an einen Happen gönnen, um sie bei Laune zu halten.

(tbr)

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Claudio Pizarro

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Quelle: AFP

Der gereifte Mann, der vor wenigen Tagen stolz erzählte hatte, dass er immer ein Kind bleiben werde, blickte schräg nach oben, und mit Claudio Pizarro blickten 75 000 Menschen schräg. Auf den Leinwänden der Arena in Fröttmaning wurden Bilder seiner Karriere gezeigt: Pizarro mit langen Haaren, Pizarro mit kurzen Haaren, Pizarro mit ein paar Kilogramm zu viel. Aber immer auch: Tor von Pizarro! Tor von Pizarro! Tor von Pizarro! 87 Tore hat der Peruaner für den FC Bayern in der Bundesliga erzielt, 89 für Bremen - insgesamt 176 Bundesliga-Treffer, mehr als jeder andere ausländische Spieler. Ginge es nach diesem unkaputtbaren Stürmer-Dino, würden ein paar weitere folgen, auch wenn er im Oktober 37 Jahre alt wird und zurzeit vertraglos ist. In der Arena stand er nun mit seiner unverschämten Lebensfreude, selbst der Blumenstrauß nahm ihm nichts an Lässigkeit.

(bwa)

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Lewis Holtby

1. FC Koeln v Hamburger SV - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Der Wirbel nach dem Schlusspfiff war riesig. Lewis Holtby hatte nach der 1:2-Niederlage seiner Hamburger gegen den 1. FC Köln behauptet, Schiedsrichter Deniz Aytekin hätte sich in der HSV-Kabine für die Elfmeterentscheidung, die den Kölnern in letzter Minute den Sieg brachte, entschuldigt. Nicht wahr, stellte sich im Nachhinein heraus. Eine geschickte Täuschung also, um das eigene Unvermögen zu überdecken? Ablenkung, Tarnung, Vertuschung - so verfahren auch schwächere Tiere, um ihre Mängel zu kompensieren. Unnötig, denn der HSV hatte ordentlich gespielt. Fehlende Qualität war nicht der Grund für die Aussage des Hamburger Ersatzkapitäns. Vielmehr hatte der Torschütze zum 1:0 etwas missverstanden. "Meine Aussagen nehme ich zurück, ich habe das in der Hektik nach dem Spiel falsch verstanden", sagte Holtby am Sonntag und erklärte weiter: "Ich weiß jetzt, dass es nur einen kurzen Wortwechsel zwischen Herrn Aytekin und Emir Spahic im Kabinengang, in dem Herr Aytekin seine Wahrnehmung der Elfmeterszene geschildert hat."

(tbr)

© SZ.de/jbe/tbr/kat
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