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Tennis:Wüste Tirade beim Seitenwechsel

MIAMI GARDENS, FL - MARCH 24: Vasek Pospisil (CAN) hits a backhand during the first round match of the Miami Open on Ma

Vasek Pospisil hatte seinen Schläger im Griff - aber nicht seine Nerven.

(Foto: Michele Sandberg/Icon SMI/Imago)

Vasek Pospisil, der mit Novak Djokovic eine Spielervereinigung anführt, beleidigt ATP-Chef Andrea Gaudenzi während eines Spiels. Der Machtkampf im Tennis spitzt sich zu.

Von Gerald Kleffmann

Arnaud Gabas wird sich sicher fragen: Warum immer er? Und warum immer die Kanadier? Er ist doch nur Schiedsrichter. 2017, beim Davis-Cup-Duell Kanadas mit Großbritannien in Ottawa hatte Denis Shapovalov in einem Wutanfall den Ball wegdroschen und tragischerweise Gabas' linkes Auge erwischt. 7000 Dollar musste der inzwischen 21-jährige Tennisprofi als Strafe zahlen, was dem Franzosen wenig half: Er musste operiert werden. An diesem Mittwoch bei den Miami Open saß Gabas wieder auf dem Stuhl, zunächst sah es nach einem normalen Abend aus.

Nach zehn Minuten fing Gabas einen in seine Richtung fliegenden Ball, den der Amerikaner Mackenzie McDonald mit dem Rahmen getroffen hatte. Da klatschten die zugelassenen Fans. Ende des erstes Satzes wurde es weniger amüsant: Der Kanadier Vasek Pospisil, Nummer 67 der Welt, flippte aus, zerhackte zwei Schläger, kassierte Verwarnung und Punktabzug, Gabas fragte schließlich, was los sei. Da legte der 30-Jährige beim Seitenwechsel los: "Eineinhalb Stunden lang hat mich der Vorsitzende der ATP gestern in einem Spielermeeting wie verdammt angeschrien, weil ich versucht habe, die Spieler zu vereinen. Eineinhalb Stunden lang. Der Vorsitzende der ATP. Holt ihn hier raus, dieses verdammte Arschloch. Warum unterstütze ich das?" So geriet Gabas unversehens zwischen die Fronten des sich zuspitzenden Machtkampfes, der seit Monaten im Hintergrund der ATP Tour schwelt.

Pospisil verlor die Erstrundenpartie 3:6, 6:4, 3:6, er dürfte nun sowohl für sein Verhalten auf dem Platz als auch für das Schwänzen der Pressekonferenz eine hübsche Geldbuße aufgebrummt bekommen. Ausgerechnet von jener Organisation, der er angehört und die er doch wohl eher verachtet. Wie feindlich er über die Spielergewerkschaft ATP denkt, hatte er schon auf dem Platz klar gemacht. "Wenn Sie mich disqualifizieren möchten, verklage ich gerne die gesamte Organisation", hatte er Gabas angefaucht.

Insbesondere ATP-Chef Andrea Gaudenzi wird als eine Art Gegner betrachtet

Pospisil ist neben dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic einer der Anführer einer Vereinigung, die sich Professional Tennis Players Association (PTPA) nennt und die im vergangen Spätsommer bei den US Open mit der Unterstützung dutzender Spieler gegründet worden war. Pospisil wie auch der Serbe hatten immer wieder betont, dass sie sich von der ATP nicht gut genug vertreten fühlen. Turnierveranstalter würden zu viele Dollars einbehalten und zu wenige an die Profis weiterreichen, zudem fließe zu wenig Preisgeld an Spieler hinterer Ranglistenplätze.

Insbesondere Andrea Gaudenzi, der Anfang 2020 als neuer Chairman die ATP übernahm, wird als eine Art Gegner betrachtet, auch natürlich, weil der Italiener versucht, eine Spaltung innerhalb der Männertour zu verhindern und entsprechend gegen die PTPA eingestellt ist. Gaudenzi ließ den Ausbruch Pospisils vorerst unkommentiert, der sich immerhin entschuldigte. "Ich habe das Spiel, das ich liebe, nicht respektiert, und das tut mir wirklich leid", schrieb er bei Twitter: "Zur Erklärung: Ich habe mich während eines Treffens zwischen Spielern und ATP-Führungskräften gestern Abend zutiefst entnervt gefühlt und den Tribut unterschätzt, den diese Emotionen gefordert haben, bis ich heute auf den Platz getreten bin." Auch wenn er sich offenbar beruhigt hat: Die Auseinandersetzung zwischen ATP und PTPA ist noch lange nicht vorbei.

© SZ/bkl
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