1. Runde der US Open:Auf der Linie, soeben noch

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1. Runde der US Open: Alles muss raus: Angelique Kerber schreit sich nach einem spektakulären Punkt den Frust aus der Seele.

Alles muss raus: Angelique Kerber schreit sich nach einem spektakulären Punkt den Frust aus der Seele.

(Foto: Angela Weiss/AFP)

Angelique Kerber gewinnt ihr Auftaktmatch bei den US Open gegen Dajana Jastremska im Tie-Break des letzten Satzes. Peter Gojowczyk und Philipp Kohlschreiber ringen die gesetzten Ugo Humbert und Marin Cilic in jeweils fünf Sätzen nieder.

Von Jürgen Schmieder, New York

Es reichen gewöhnlich ein paar Schläge, dann wissen die erfahrenen Beobachter, wie es um die Form von Angelique Kerber bestellt ist. Diese Rückhand unter Druck die Linie entlang zum Beispiel oder der Vorhand-Konter, der einen tiefen Knicks erfordert; oder der Cross-Passierschlag, nur kurz geblockt und in erstaunlichem Winkel - Schläge, bei denen es jeweils um Zentimeter geht. Kerber setzt sie gerne in den prägenden Momenten einer Partie ein, tropft der Ball jeweils ins Feld, ist Kerber nur von ganz wenigen Spielerinnen zu schlagen. Fliegt er ins Aus, kommt Kerber selbst gegen vermeintlich schwächere Gegnerinnen in die Bredouille.

Am ersten Tag der US Open war Ersteres der Fall - aber nur hauchdünn. Gegen die enorm aggressive und wagelustige Dajana Jastremska, 21, flogen Kerbers Bälle oft daneben, in den entscheidenden Momenten jedoch ins Feld - bei 4:4 im zweiten Satz etwa (Vorhand-Konter auf die Linie), bei 1:0 im entscheidenden dritten Durchgang (Rückhand-Longline ins Eck) oder bei diesem wahrlich unfassbaren Comeback kurz vor dem Ende, als sie bereits 3:5 und 15:30 zurücklag und am Ende - mit einer Rückhand cross übrigens - doch noch 6:3, 4:6, 7:6 (3) siegte.

Kerber, der wegen guter Leistungen in diesem Sommer (Sieg in Bad Homburg, Halbfinale in Wimbledon und Cincinnati; dabei Erfolge gegen Petra Kvitova, Cori Gauff und Elina Switolina) durchaus das Erreichen der zweiten Woche und eventuell auch mehr zugetraut wurde, drehte also wieder mal eine verloren geglaubte Partie, und das darf bei ihr durchaus als Botschaft gewertet werden. Sie tut sich ja häufig schwer in den beiden ersten Runden, beim Triumph 2016 in Australien musste sie gar einen Matchball abwehren -, doch so ein Erfolg kann sie tragen, gerade in dem für sie so schwierigen Tableau, das bis zum Achtelfinale neben ihr selbst drei frühere Finalteilnehmerinnen (Naomi Osaka, Coco Gauff und Sloane Stephens) enthält. Gegnerin in der zweiten Runde ist Anhelina Kalinina aus der Ukraine.

2021 US Open - Day 1

Top fit und inspiriert wie lange nicht mehr: Andrea Petkovic erreichte die zweite Runde in New York ohne großes Drama.

(Foto: Matthew Stockman/AFP)

Überhaupt war es ein erfolgreicher erster Tag für die deutschen Teilnehmer. Andrea Petkovic wirkte fit und fokussiert wie lange nicht und gewann 6:2, 7:6 (3) gegen Irina-Camelia Begu (Rumänien); Peter Gojowczyk besiegte den an Rang 23 gesetzten Ugo Humbert (Frankreich) 1:6, 6:1, 6:2, 5:7, 6:4. "Ich war zwei Mal richtig genervt in der Partie: Als die Schiedsrichterin im ersten Satz andauernd meinen Namen falsch aussprach - und als ich den vierten Satz hergeschenkt habe", sagte Gojowczyk danach: "In beiden Fällen hat es geholfen, dass ich so wütend war. Es musste raus, und danach war ich jeweils konzentrierter."

Philipp Kohlschreiber profitierte bei seinem Sieg gegen Marin Cilic (Kroatien) davon, dass der US-Open-Sieger von 2014 von Mitte des dritten Satzes an aufgrund der schwierigen Bedingungen (33 Grad auf den Außenplätzen) nach jedem Schlag nach Luft japste und Kohlschreiber sich wie so oft in seiner inzwischen 20 Jahre dauernden Karriere auf die herausragende Kondition verlassen konnte - beim Stand von 6:7, 6:7, 6:2, 6:1, 2:0 aus der Sicht des Deutschen gab Cilic auf. "Es ist natürlich schwierig, wenn der Gegner angeschlagen ist - und man selbst merkt, wie unfassbar schwül es ist", sagte Kohlschreiber danach: "Aber ich habe ihn gut bewegt, und ich war dann auch froh, dass er aufgegeben hat. Er ist ein fairer Sportsmann; er weiß, wie komisch das ist, gegen einen zu spielen, der eigentlich kaputt ist."

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