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Siege von Rafael Nadal:Andre Agassi gratuliert

"Tennis ist meine Leidenschaft": Rafael Nadal, 34, übt immer noch gerne seinen Beruf aus.

(Foto: AFP)

"Das bedeutet, dass ich alt bin": Rafael Nadal erreicht als vierter Profi die besondere Marke von 1000 Tour-Siegen. Andre Agassi vergleicht ihn mit einem Boxer.

Von Gerald Kleffmann

An einem Montag begann sein Weg. Es war der 29. April 2002, als Rafael Nadal den Hauptplatz der Mallorca Open betrat, 15 Jahre, 10 Monate und 26 Tage war er alt. Eine Wildcard hatte das spanische Talent erhalten fürs Hauptfeld, Ramon Delgado aus Paraguay war sein Gegner, die Nummer 81 der Welt. Nadal, die Nummer 762 noch, gewann 6:4, 6:4. Sein allererstes Match auf der ATP Tour hatte er somit auch gleich gewonnen. Es gibt ein paar alte Videobilder im Internet. Die Vorhand war bereits sein bestimmender Schlag. Die Rückhand umlief er gerne. Er war schmal. Ein Junge mit Träumen.

In der zweiten Runde verlor Nadal gegen den Belgier Olivier Rochus, aber viele weitere Erfolge sollten folgen. So ergab es sich, dass achtzehneinhalb Jahre später Nadal am vergangenen Mittwoch wieder ein Match bestritt. In Paris, beim Masters-Hallenturnier im Stadtteil Bercy. Mit 4:6, 7:6 (5), 6:4 setzte er sich nach einem Freilos in der ersten Runde gegen Landsmann Feliciano Lopez durch. Danach zog er sich eine Maske an, stellte sich vor ein Schild mit der Zahl "1000" und lächelte. 1000 Mal hatte er jetzt offiziell auf der Tour gewonnen. Was ihm das bedeute, wurde er in einem kurzen Interview gefragt. "Das bedeutet, dass ich alt bin", antwortete Nadal amüsiert. Und ernst: "Es bedeutet auch, dass ich seit vielen Jahren gut gespielt habe. Darüber bin ich sehr glücklich." Er ist noch so höflich wie mit 15. Manches ändert sich nie.

Wie besonders der 1000. Sieg Nadals war, lässt sich daran bemessen, dass nur drei andere Profis jemals eine vierstellige Anzahl an Match-Erfolgen verzeichnen konnten: Jimmy Connors (USA, 1274), Roger Federer (Schweiz, 1242) und Ivan Lendl (CSSR/USA, 1068). Die ATP Tour veröffentlichte sofort Gratulationen auf ihrer Homepage, der frühere Weltranglisten-Erste Andre Agassi würdigte Nadal so: "Er ist wie ein Boxer, der dich permanent trifft und trifft. Das zermürbt den Gegner", schilderte der 50-Jährige.

Federer zollte seinen "allergrößten Respekt vor meinem Freund Rafa als Person und als Champion. Er war mein größter Rivale über so viele Jahre, wir haben uns immer wieder gepusht, um bessere Spieler zu werden". Wenn das einer wie Federer, mit 20-Grand-Slam-Titeln geschmückt, über einen sagt, der kürzlich in Roland Garros ebenfalls diese Marke erreichte, dann ist an der gegenseitigen Motivation wohl tatsächlich einiges dran.

Und doch gingen Nadal und Federer natürlich eigene Wege. Während Federer stets für Leichtigkeit stand und bekannte, dass er Trainingssessions nicht immer für den größten Genuss hält, stand Nadal stets dafür, ewiger Arbeiter zu sein. Und so sieht er sich auch selbst. "Tennis ist meine Leidenschaft", schrieb er in seiner Autobiografie "Rafa", "aber ich betrachte es auch als meine Arbeit, als meinen Job, den ich genau so ehrlich und gut machen will, als würde ich im Glas-Unternehmen meines Vaters arbeiten oder im Möbelgeschäft meines Großvaters." Ergiebiger freilich war sein Schaffen. Zu den 5890 Dollar, die Nadal mit 15 bei den Mallorca Open erhielt, kamen bis heute 122 899 324 Dollar hinzu.

"Stier von Manacor" wird Nadal genannt, dass er mit diesem Bild leben kann, ist anzunehmen. Die Silhouette des muskelbepackten Tieres ziert sein eigenes Logo. Zweifellos ist Nadal einer der größten Kämpfer des Welttennis, vielleicht der größte, doch das, was ihn auch antrieb, waren Selbstzweifel. Nur der nächste Sieg, das nächste Training gebe im Gewissheit darüber, was er könne, erklärte er einmal. Diese Herangehensweise ist auch einer der Gründe, warum es Nadal schaffte, seit 2002 eine beispiellose Bilanz zusammenzutragen. Er gewann 86 Tour-Titel, war 201 Wochen die Nummer eins, siegte 13 Mal bei den French Open. Gefeiert hat Nadal den 1000. Sieg nicht. Er trainierte. Das Achtelfinale in Paris gegen den Australier Jordan Thompson stand an.

Am Donnerstagabend dann gewann er 6:1, 7:6 (3) - Sieg Nummer 1001.

© SZ vom 06.11.2020/ska
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