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Tennis:Das Cas-Urteil katapultiert Scharapowa zurück ins Geschäft

Für Maria Scharapowa (Archivbild) bedeutet das Cas-Urteil den maximalen Triumph.

(Foto: AFP)

Der internationale Sportgerichtshof reduziert die Sperre der Russin wegen Meldonium-Missbrauchs auf 15 Monate. Es ist der maximale Triumph für die Tennisspielerin.

Am Tag vor der Verkündung des Urteils, auf das Maria Scharapowa ihre ganze Hoffnung gesetzte hatte, veröffentlichte sie noch einmal ein stimmungsvolles Foto bei Twitter. Das Bild zeigte, wie Scharapowa an einem Tisch hockte, den offenbar viel zu schweren Kopf hatte sie in grübelnder Pose auf eine Hand gestützt, und mit gedankenschwerem Blick schaute sie aus dem Fenster. Scharapowa war nun die geduldig Wartende.

Die Szenerie war in schwarz-weiß gehalten, von der Bildsprache erinnerte sie ein wenig an Scharapowas legendären Auftritt im März, als sie im schwarzen Büßergewand vor die Presse getreten war, um der Welt mit zitternder Stimme von ihrer Reue darüber zu berichten, dass sie sich lediglich unbewusst des Dopings schuldig gemacht hatte.

Das Urteil, auf das die ehemalige Tennis-Weltranglistenerste zu Recht ihre ganze Hoffnung gesetzt hatte, verkündete am Dienstag der Internationale Sportgerichtshof Cas in Lausanne. In letzter Instanz folgte er grundlegend der Argumentation Scharapowas - und verkürzte die zuvor vom Tennis-Weltverband ITF bestätigte zweijährige Sperre wegen Meldonium-Missbrauchs auf 15 Monate.

Maria Scharapowa

Die Unnahbare aus Sibirien

Für Scharapowa ist das der maximale Triumph. Die ursprünglich bis Januar 2018 gültige Sperre wird nun schon am 26. April 2017 enden, viereinhalb Wochen vor Beginn der French Open. Nachdem in der Szene mancherorts bereits von einem möglichen vorzeitigen Karriereende zu hören und lesen gewesen war, wird die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin im kommenden Jahr also wieder bei drei von vier Majors starten dürfen.

Nach den härtesten Tagen ihrer Karriere sei dies "einer meiner glücklichsten", ließ Scharapowa in einem offenbar gut vorbereiteten, sehr ausführlichen Statement am Dienstag mitteilen: "Es fühlt sich an, als wäre mir etwas, das ich liebe, weggenommen worden, und es wird sich sehr gut anfühlen, es zurück zu haben." In Punkt 101 seiner 28-seitigen Urteilsschrift war der Cas zu dem Ergebnis gelangt, das Gericht habe im Zuge seiner Untersuchung zu Scharapowa "keinen Fall gehört ( . . . ), in dem ein Athlet betrogen habe". Vielmehr sei nicht nachzuweisen, dass Scharapowa versucht habe, den Konsum des Meldonium-Präparats Mildronate zu verbergen. Insofern könne Scharapowa nicht als "intentional doper" bezeichnet werden - als jemand, der mit Vorsatz eine leistungssteigernde Substanz zu sich genommen habe.

Allerdings sei unstrittig, "dass Frau Scharapowa gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen hat". Und obwohl es "kein schwerwiegender Fehler" gewesen sei, "trägt sie eine Teilschuld, wofür eine Sperre von 15 Monaten angemessen ist". Der Cas gab Scharapowa selbst in dem Punkt recht, dass die ITF den Status des Herzmedikaments, das die Regeneration verbessern kann und erst seit 1. Januar 2016 auf der Liste der verbotenen Substanzen zu finden ist, nicht klar kommuniziert habe.