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Blindentennis:Wie Michael Wahl beim regulären Tennis mitfiebert

Schauen Sie auch reguläres Tennis?

Das mache ich schon, ich habe auch Live-Tennismatches gern. Man kriegt schon mit, wer gerade aufschlägt. Und wenn der Ball dann sieben Mal übers Netz geflogen ist und mit dem achten Schlägerkontakt der Punkt gemacht wird, dann weiß man, der muss an den Aufschläger gegangen sein. Ich stell mir dann das Tennisfeld von der Seite vor. Also nicht von oben wie im Fernsehen, sondern quasi als wäre ich unter dem Schiedsrichterstuhl. Und dann überlege ich mir: "Wo schießen sie die Dinger jetzt hin?"

Haben Sie einen Lieblings-Tennisspieler?

Es gibt so einen durchgeknallten Australier oder Griechen, wie heißt der denn nochmal...

...Nick Kyrgios?

Ja, genau. Ich find' den witzig von der Spielart, weil er ganz abgefahrene, riskante Bälle spielt, das ist einfach Entertainment. Diese Big Points, die hört man schon am Applaus des Publikums. Zum Beispiel, wenn jemand in totaler Bedrängnis quasi rückwärts im Fallen die beidhändige Rückhand spielt, die genau hinten in die Ecke reinpasst, sowas finde ich toll. Das kam bei dem Kyrgios jetzt schon öfter vor.

Nun treten Sie in Spanien gegen die besten Spieler der Welt an...

Es gibt einen guten Mexikaner, einen starken Spanier, einen Pakistaner, die Japaner sowieso. Die haben sehr viele gute Spieler. Einen von denen habe ich letztes Jahr geschlagen, das war die Sternstunde meines Tennis bisher (lacht). Ich versteh jetzt noch nicht mal, wie das geklappt hat. Das war, als würde Alexander Zverev gegen Rafael Nadal gewinnen. Hat er, glaub ich, noch nie. Wenn ich in Spanien ins Halbfinale käme, wäre das schon ein riesiges Ding.

Wie ist die Fahrt nach Spanien finanziell geregelt?

Das zahlen wir alles selbst: für Startgeld und Hotel 700 Euro, dazu noch die Flüge. Es gibt einige deutsche Spieler, die nicht mitkommen können, weil sie einfach nicht genug Geld verdienen. Und das ist schade. Da ist noch niemand, der uns Geld gibt.

Beobachten Sie in Deutschland eine steigende Anzahl an Blindentennisspielern?

Wir sind ja noch ganz am Anfang. Aber an allen Standorten kommen in den letzten Monaten einige Interessierte dazu. Wir haben bei uns einen Spieler, einen jungen Mann, der ist blind und lernbehindert. Und der fährt ganz alleine ohne irgendjemand anderen durch Köln, bis ganz ans andere Ende, muss drei Mal umsteigen. Der hat keine Hilfe dabei, sondern fragt sich jedes Mal durch. Das meine ich mit Mobilwerden. Wenn Menschen durch einen Unfall erblindet sind oder durch eine blöde Krankheit, sind sie oft erstmal geschockt und viele hocken depressiv in der Wohnung rum. Wenn man die Story des jungen Mannes einem Pädagogen erzählen würde, würde der sagen: "Vollkommen verrückt. Das geht nicht." Doch. Macht er jeden Freitag. Und das sind so die Momente, wo ich mir denke: "Yes. So muss es sein."

© SZ.de/sonn
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