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Tennis:"Aus meinem Jahr kann man eigentlich einen Film machen"

Alexander Zverev hat seinen dritten Halbfinaleinzug in Serie bei den ATP Finals verpasst.

(Foto: AP Photo/Frank Augstein)

Alexander Zverev scheitert beim ATP-Finale an Novak Djokovic. Der Deutsche beendet damit eine turbulente Saison, in der er nicht nur sportlich für Schlagzeilen sorgte.

Von Barbara Klimke

Ein kleines Aufbäumen noch zum Saisonabschluss, einen letzten Widerstand bot Alexander Zverev. Der deutsche Tennisprofi kämpfte sich bis in den Tiebreak gegen seinen Kontrahenten, den Weltranglistenersten Novak Djokovic. Sogar zu einer Miniführung reichte es, doch dann setzte der Serbe mit der Ruhe und Routine eines 17-maligen Grand-Slam-Siegers Punkt um Punkt. Zverev drosch den Ball abschließend ins Netz, und dann war ein weiteres höchst turbulentes Tennisjahr für ihn vorbei.

Das Halbfinale beim ATP-Finale hat er verpasst mit dieser Niederlage gegen Djokovic, 3:6, 6:7 (4) im dritten Gruppenspiel. Vergeben auch die Chance, unter dem weißen Runddach der Arena im Londoner Osten den größten Triumph seiner Karriere zu wiederholen, den Sieg bei diesem Prestigeturnier 2018. Und so saß Zverev, 23, eine halbe Stunde später vor einer Videokamera im Presseraum des Stadions, die Maske über der Nase, und zog seine persönliche Zwölfmonatsbilanz.

Was das Sportliche anging, gab es wenig zu beanstanden für den Ranglisten-Siebten. Er hat im Jahresverlauf zwei Titel erobert, beide in Köln, und in einer pandemieverkürzten Saison 29 Matches für sich entschieden. "Nur ein paar wichtige Spiele", sagte er, "hätte ich ganz gern noch gewonnen." Das Halbfinale der Australian Open im Januar gehört dazu, auch das Finale der US Open, bei dem er dem Traum eines jeden Tennisprofis vom Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier erstmals bis auf wenige verschlagene Bälle nahekam. Abgesehen davon sorgte Zverev mit derart mannigfaltigen Schlagzeilen für Aufsehen, dass er, mit gebotener Distanz zu seinem eigenen Handeln, zur Erkenntnis kam: "Aus meinem Jahr kann man eigentlich einen Film machen."

Festgehalten werden müsste in dieser Dokumentation, das weiß er selbst, die Farce um die sogenannte Adria-Tour, die er im Corona-Frühsommer mit Novak Djokovic und Kollegen unter willkürlicher Ignoranz der Hygienevorschriften unternahm und die ihm weltweit Kritik eintrug. Thematisiert würden auch jene hefigen Vorwürfe häuslicher Gewalt, die seine ehemalige Freundin Olga Scharipowa kürzlich gegen ihn in der Öffentlichkeit erhob. Auch in London, nach dem letzten Ballwechsel, ist Zverev auf diese Anschuldigungen noch einmal angesprochen worden. Er hat sie erneut als falsch und rufschädigend von sich gewiesen. Dass ihn die Causa weiter beschäftigen wird, auch wenn er in den kommenden spielfreien Wochen weniger im Blickpunkt steht, ist anzunehmen.

Das Turnier in London wird nun ohne ihn fortgesetzt. Der fünfmalige Sieger Djokovic spielt dagegen am Samstag gegen den US-Open-Sieger Dominic Thiem aus Österreich um den Einzug ins Endspiel. Im anderen Halbfinale treffen der Weltranglistenzweite Rafael Nadal aus Spanien und der Russe Daniil Medwedew aufeinander. Auch für das deutsche Doppel Kevin Krawietz/Andreas Mies ist das Turnier vorbei. Und Zverev? Er will Urlaub machen. Der Flug, sagt er, geht auf die Malediven.

© SZ vom 21.11.2020/jsa

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