SV Grödig in Österreich:Schrott auf dem Vormarsch

Auch wenn es in Grödig an der einen oder anderen Stelle noch Nachholbedarf gibt, hat der Klub durchaus verdient, sich zumindest eine Saison lang mit den besten Mannschaften des Landes messen zu dürfen. Der Aufsteiger schuftet seit Wochen, um die Anforderungen der Bundesliga zu erfüllen. Am Samstag wurden erst sechs Stunden vor dem Anpfiff die Baggerarbeiten eingestellt. "Die größten Baustellen sind erledigt", sagt Christian Haas. Der Manager der Grödiger kann nun das erste Mal seit dem Aufstieg ein wenig durchschnaufen. Seit Sonntag erholt er sich auf Mallorca für die nächsten Aufgaben.

Dass der Aufsteiger nicht überall gerne gesehen ist, dafür kann man dem Klub keinen Vorwurf machen. Auch deshalb, weil man seit Jahren gut wirtschaftet und damit etwas geschafft hat, was Traditionsvereine wie der Linzer ASK, der Grazer AK oder Austria Klagenfurt nicht geschafft haben.

Neben Hauptsponsor Scholz, einem international führenden Unternehmen für Schrott-Recycling, ist der Aufstieg Grödigs vor allem mit Toni Haas verbunden. Auch der ist Schrott-Unternehmer, übernahm den Klub 2002 und führte ihn in die erste Liga. Wenn man so will, besteht die Finanzkraft des SV Grödig aus Schrott, was auch auf den Trikots vermarktet wird: "Altmetall-Profis" ist darauf zu lesen.

Die Altmetall-Profis rund um Trainer Adi Hütter wollen in dieser Saison die großen Klubs der Liga ärgern. Die Großen, das sind Rapid, Austria, Salzburg, Sturm Graz. Es sind die Klubs aus den österreichischen Großstädten, die derzeit noch die Nase vorne haben. Die Dorfklubs wie Ried, Wolfsberg oder eben Grödig sind aber auf dem Vormarsch. Und offenbar hat sich so etwas wie eine Solidarität zwischen ihnen entwickelt.

Ein Beispiel dafür vom Samstag: Als Wolfsberg, der Aufsteiger aus der vergangenen Saison, kurz vor Schluss gegen Rekordmeister Rapid Wien den Ausgleich zum 2:2 erzielte, gab es bei den 2950 Fans in der Untersbergarena Jubel und Beifall für den Außenseiter. Wenn die Großen geärgert werden, ist es auch dann schön, wenn man selbst daran nicht beteiligt ist.

In Grödig sollte es der einzige Jubel bei der Bundesliga-Premiere bleiben. Der routinierte Dorfklub aus Ried holte beim unerfahrenen Dorfklub aus Grödig ein 0:0. Ein Unentschieden, das nach dem Spiel zu den Klängen von DJ Ötzi gefeiert wurde. Durchschnaufen! Die großen Klubs können jetzt kommen.

© SZ vom 22.07.2013/sonn
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