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Schwimmer Sun Yang:Dopingprobe mit Hammer zertrümmert - trotzdem Gold

Gwangju 2019 FINA World Championships: Swimming - Day 1

Sun Yang hat das Rennen über 400 Meter Freistil gewonnen - und bereitet sich nun auf die 800 Meter vor. Da ist er Titelverteidiger.

(Foto: Getty Images)
  • Dem chinesischen Schwimmer Sun Yang droht eine lebenslange Sperre.
  • Er ließ sich einen Hammer besorgen, um eine Dopingprobe zu zertrümmern, die er gerade hatte abgeben müssen.
  • Bei der Schwimm-WM in Südkorea gewinnt er nun trotzdem Gold - was bleibt, ist jedoch die Reaktion des Zweitplatzierten Mack Horton.

Auch der australische Schwimmer Mack Horton, 23, wird nie bis ins letzte Detail erfahren, was in der Nacht vom 4. auf den 5. September 2018 in einem luxuriösen Anwesen in der chinesischen Provinz Zhejiang passiert ist. Wie es also dazu kam, dass sein ärgster Rivale über 400 Meter Freistil, der chinesische Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler Sun Yang, 27, einen seiner Angestellten anwies, einen Hammer zu besorgen - um eine Dopingprobe zu zertrümmern, die er gerade hatte abgeben müssen. Ja, tatsächlich: mit einem Hammer. Im Beisein seiner offenbar aufgebrachten Mutter sowie eines schon einmal wegen Dopings gesperrten Arztes.

Aber das, was Mack Horton darüber weiß, hat ihm ausgereicht, um am Sonntag bei der Schwimm-WM in Gwangju ein Zeichen zu setzen, wie man es selten zu sehen bekommt im Spitzensport, in dem man doch als Athlet angeblich gar nichts tun kann gegen die mutmaßlich dopende Konkurrenz, außer sich still und ehrlich auf sich selbst zu konzentrieren.

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Es war der erste Finalabend, 400 Meter Freistil, Sun Yang gewann in 3:42,44 Minuten, unter ekstatischem Gekreische zahlreicher chinesischer Teenie-Fans. Zuhause in China steht er im Rang eines Popstars. Horton wurde Zweiter. Dann die Siegerehrung: Während Sun Yang mit einer Jubelgeste aufs Podest sprang, die wohl irgendetwas zwischen Unbesiegbarkeit und Unbeirrbarkeit ausstrahlen sollte, blieb Horton hinter dem Podium stehen, die gesamte Nationalhymne lang. Und als die drei Medaillengewinner um das obligatorische gemeinsame Foto gebeten wurden, kam dann folgendes heraus: Man sieht Sun Yang und den Bronze-Gewinner Gabriele Detti Seite an Seite, und dahinter, etwa auf Hüfthöhe der beiden, sieht man Mack Hortons versteinertes Gesicht. Es ist schon jetzt das Bild dieser WM. Es ist ein Protest gegen Sun Yang, der nach Ansicht vieler Schwimmer wenigstens provisorisch suspendiert sein sollte wegen der Nummer mit dem Hammer. Aber auch gegen den Weltverband Fina, der sich eine WM ohne einen der größten Schwimmhelden der Gegenwart offenbar gar nicht vorstellen mag.

Man muss an dieser Stelle noch mal an einen Ausspruch des Fina-Generalsekretärs Cornel Marculescu erinnern: Unter anderem mit Blick auf Sun Yang sagte Marculescu vor der WM 2017, er sei sich mit der Welt-Anti-Doping-Agentur darüber einig, dass man "Stars nicht von der Schwimm-WM ausschließen kann, nur weil sie einen kleineren Unfall mit Doping hatten". Die Wada stellte seinerzeit umgehend klar, sie sei ganz sicher nicht dieser Meinung.

"Der pinkelt lila"

Schon im Sommer 2014 war Sun Yang eines Dopingvergehens überführt worden, damals war er mit dem verbotenen Herzmittel Trimetazidin aufgeflogen. Der chinesische Verband beließ es damals mit einer "Rüge". Die Fina korrigierte das Urteil auf lediglich drei Monate Sperre nach oben, hielt es aber nicht für nötig, den Fall zu veröffentlichen. Erst nach Medienberichten wurde die Sperre bestätigt.

Im Sommer 2016 in Rio hatte Mack Horton auch dazu schon klare Worte gefunden, es herrschte Eiszeit rund um den Pool - damals ließ Horton es sich allerdings nicht nehmen, das Podium zu besteigen. Damals hatte er Gold gewonnen, Sun Yang wurde Zweiter. Und auch damals hatte Horton schon Mitstreiter unter den Athleten: Der französische Europarekordler Camille Lacourt etwa sagte über Sun Yang den einprägsamen Satz: "Der pinkelt lila."

Wenn dem so sein sollte, dann wäre allerdings auch diese Spezialbegabung nicht aufgefallen in jener Nacht im September. Denn während Sun Yang zur Abgabe einer Blutprobe immerhin überredet werden konnte, ehe er sie dann mit dem Hammer wieder unbrauchbar machte, scheiterte der Versuch, sein Urin zu bekommen, völlig. Pinkeln ging er zwar mehrmals. Bloß der Kontrolleur durfte nicht mit.