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Streit Werder gegen Bayern:Endlich wieder Zoff

Herzerfrischendes Theater zwischen Matthias Sammer und Thomas Eichin

Werder-Sportchef Eichin wirft den Bayern vor, sie würden von den Schiedsrichtern bevorzugt. Die Münchner reagieren wie eh und je aggressiv. Allen gebührt die Nostalgie-Medaille der Woche. Danke fürs Theater!

Ja mei, wo kommen die Bremer denn plötzlich daher? Kaum sind sie auf Platz acht, schon geifern sie rum. Da gluckst der Franz Josef in seinem Himmelsstüberl und dem Uli geht's bestimmt auch viel besser. Werder Bremen - der Sozi-Klub aus der zugigen Stadt! Gibt's den auch noch? Die brauchen doch einen Kometenjäger, um uns noch am Fußballfirmament zu sehen. Am Samstag kriegen sie sieben Stück, so schaut's aus. Und dann singen wir: Wer ist grün und stinkt nach Fisch?

So denkt gerade der Bayern-Fan. Ungefähr jedenfalls.

Dass er so denken darf, hat er Thomas Eichin zu verdanken. Dem 48-jährigen Sportchef von Werder Bremen ist die Nostalgie-Medaille der Woche zu überreichen. Endlich mal wieder was los. Endlich mal wieder Zoff. Wie damals bei Willi und Otto. Eichin wagte es tatsächlich, vor dem Duell am Wochenende den Bayern zu unterstellen, sie würden von den Schiedsrichtern bevorzugt.

"Bei den Bayern musst du aufpassen, wenn du in die Zweikämpfe gehst", sagte er dem Weserkurier: "Ich habe das Gefühl, dass mit zweierlei Maß gemessen wird." Laut Eichin sollten die Unparteiischen "endlich mal ihren Respekt vor den Bayern ablegen. Den können sie vor und nach dem Spiel haben, aber nicht während des Spiels". Über Franck Ribéry sagte er: "Der hätte schon fünfmal runtergemusst in dieser Saison." Und zum Verhalten von Trainer Pep Guardiola an der Seitenlinie: "Guardiola? Der kann machen, was er will."

Rummsdibumms! Was der Bremen-Fan dazu denkt? Bzw. der Nicht-Bayern-Fan im Fußballland? Ungefähr jedenfalls?

Genau, endlich sagt's mal einer! Diese Millionäre aus ihrem Schnösel-München fallen doch schon beim kleinsten Windhauch ins Gras und quieken dabei wie am Spieß. Dann laufen die Ballerinas zum Schiri und jammern: 'Hey, ich bin ein Weltmeister (oder ein Robben, oder ein Ribéry). Du musst meine teuren Beinchen schützen.' Heult doch! Und dann singen wir: Zieht den Bayern die Lederhosn aus.

Bei dieser Elf-Punkte-Vorsprungs-Bundesliga hat man mit so einem herrlichen Stammtisch-Aufreger schon nicht mehr rechnen dürfen.

Wunderbar ist auch, dass der FC Bayern wie eh und je flugs und mit der nötigen Aggression reagiert. Sportchef Matthias Sammer mimte den Kläffer und antwortete dem früheren Kölner-Haie-Manager Eichin: "Der hat beim Eishockey zwischendurch mal einen Puck an den Kopf bekommen, und das sind die Spätfolgen." Ganz schön derb für einen Grünwalder Nobel-Vorort-Bewohner. Karl-Heinz Rummenigge gab da eher den Elder Statesman, er bemühte eine jahrhundertealte Weisheit: "Hätte er besser geschwiegen." Ja, dann wäre er Philosoph geblieben, der Eichin. Aber so? "In der Schule würde ich sagen: In die Ecke und schäm dich!"

Und noch einmal gab es am Donnerstag eine Antwort aus Bremen: Eichin: "Ich habe tatsächlich schon mal einen Puck an den Kopf bekommen und unser Doc hat bestätigt, dass da Folgeschäden entstehen können." München, bitte melden!

Es ist herrlich. Nostalgie-Medaillen auch an Sammer und Rummenigge. Danke an alle Beteiligten für diesen zweitägigen Ausflug in die achtziger Jahre. Danke für die Unterhaltung und das herzerfrischende Theater. Plötzlich ist das Spiel am Samstag gleich viel interessanter. Trotz 28 Punkten Unterschied.


Quelle: Opta Sportdaten

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