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Steueraffäre um Uli Hoeneß:"Niemand darf selbst entscheiden, ob er Steuern zahlt"

Hoeneß räumt ein, mit seiner plötzlichen Rolle als Buhmann ein großes Problem zu haben. "Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu."

Überrascht zeigt sich der Bayern-Präsident vom Bekanntwerden seiner Selbstanzeige und reagiert zudem auf die Kritik von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, die sich über ihren Sprecher "enttäuscht" von Hoeneß gezeigt hatte. "Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann die Gelegenheit bekäme, der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist", sagt Hoeneß in dem Interview.

Verbindungen seines Schweizer Kontos zum FC Bayern München dementiert er: "Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeneß", sagte Hoeneß der Zeit. Auch gebe es keine weiteren nicht erklärten Konten.

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Prantls Politik zum Fall Hoeneß

Vorverurteilung wie ein Tsunami

Uli Hoeneß ist zurecht empört: Denn auch eine Selbstanzeige kann nicht dazu führen, dass das Steuergeheimnis nicht mehr gilt. Die undichte Stelle muss dringend gefunden werden. Denn auch ein Prominenter darf nicht auf diese Weise vorverurteilt werden.

Bundespräsident Gauck ärgert sich

Bundespräsident Joachim Gauck jedenfalls hat kein Verständnis für solches Verhalten. "Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial", sagte er dem Magazin Stern. Gauck stellte klar: "In unserem Land darf es in rechtlichen und moralischen Fragen nicht zweierlei Standards geben, einen für die Starken und einen für die Schwachen. Niemand darf selbst entscheiden, ob er Steuern zahlt oder nicht."

Gauck plädierte dafür, grundsätzlich darüber nachzudenken, "ob nicht auch strengere Gesetze nötig sind, die aus einer fragwürdigen Handlung einen Straftatbestand machen". Was sich keineswegs ausbreiten dürfe, sei das Gefühl: Wer nicht trickst, ist selbst schuld. "Dieses Gefühl gefährdet unsere Demokratie."

Dass Hoeneß Steuern hinterzogen hat, sei für ihn eine Überraschung gewesen, sagte der Bundespräsident. Er erschrecke jedes Mal, "wenn Sympathieträger stürzen, weil sie irgendwie verstrickt sind. Eigentlich ist es mehr als ein Schreck - ich ärgere mich." Leider sei es oft so "mit großen Persönlichkeiten im Sport, in der Wirtschaft, in der Politik - viele sind nur Vorbilder auf Zeit".

Gauck warnte zugleich vor einer kitschigen Vereinfachung des Gesellschaftsbildes. "Wer sich unsere Gesellschaft so vorstellt, als stünden lauter moralische Normalverdiener lauter unmoralischen Reichen gegenüber, der irrt." Gauck betonte: "Ich finde es nicht unmoralisch, reich zu sein. Ich finde es unmoralisch, unmoralisch reich zu sein."

Steueraffäre schadet Unionsparteien

Die Steueraffäre um Uli Hoeneß hat einer Umfrage zufolge den Unionsparteien bei den Wählern geschadet. Zum ersten Mal in diesem Jahr rutschten CDU und CSU in der Wahlumfrage von Stern und RTL unter die Marke von 40 Prozent. Die Union käme demnach auf 39 Prozent, ein Minus von drei Punkten im Vergleich zur Vorwoche. Die Liberalen verharren bei fünf Prozent.

Wie in der Vorwoche wollen 23 Prozent für die SPD stimmen und 14 Prozent für die Grünen. Lediglich die Linke kann einen Punkt gutmachen und kommt auf acht Prozent.

Der Chef des Forsa-Instituts Manfred Güllner sagte, die Steueraffäre um Hoeneß habe "vor allem wegen dessen Nähe zur CSU" der Union geschadet. Von dem öffentlichen Unmut profitieren jedoch neben der Linken lediglich die Splitterparteien: Die Anti-Euro-Partei (AfD) gewinnt einen Punkt und erreicht drei Prozent, die "sonstigen Parteien" legen um einen Punkt auf fünf Prozent zu.

Die Umfrage wurde vom 22. bis 26. April unter 2502 Befragten erhoben.