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Sportpolitik:Spuren in die Schweiz

Björn Thurau

Gibt sich bislang bedeckt: Der ehemalige Radprofi Björn Thurau steht unter Dopingverdacht.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Die Nationale Anti-Doping-Agentur leitet ein Ermittlungsverfahren gegen den einstigen deutschen Radprofi Björn Thurau ein.

Von Johannes Knuth

Was die öffentliche Kommunikationspolitik angeht, ist die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) gemeinhin recht verhalten. "Ergebnismanagement- und Disziplinarverfahren in Anti-Doping-Streitigkeiten sind grundsätzlich nicht öffentlich", richtete sie am Dienstag erst wieder aus. Das ist durchaus verständlich; wenn Verdachtsfälle an die Öffentlichkeit sickern, kann das auch Athleten schwer belasten, die womöglich unschuldig sind. In einem aktuellen Fall, in dem sich die Nada am Dienstag zu Wort meldete, scheint die Beweislage nun aber so dicht zu sein, dass die Agentur ihre Erkenntnisse in ein beachtlich klares Statement goss.

Darin teilte sie mit, dass sie gegen den ehemaligen Radprofi Björn Thurau ein Verfahren eingeleitet habe, "wegen mehrerer möglicher Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen". Man verfüge über "konkrete Anhaltspunkte"; demnach sei nicht auszuschließen, dass Thurau gedopt, Dopingmittel vertrieben und verabreicht haben soll, von 2011 bis 2014. Die sachdienlichen Hinweise, auch das teilte die Nada mit, habe man im Zuge der "Operation Aderlass" erhalten, "in enger Zusammenarbeit" mit der Schweizer Anti-Doping-Agentur und der Münchner Staatsanwaltschaft. Der Erfurter Sportarzt Mark Schmidt war in dem Aderlass-Verfahren vor dem Münchner Landgericht zuletzt zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt worden, weil er Sportler jahrelang gedopt hatte. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Thurau fuhr 2015 für das heutige Spitzenteam Bora-hansgrohe

Bei einem der Kunden des Arztes, das ist verbrieft, handelte es sich um den einstigen Schweizer Radprofi Pirmin Lang. Der wurde in der Schweiz mehrmals von der Polizei vernommen. Laut dieser Protokolle habe Thurau in einem Chat mit Lang die Lieferung von Dopingmitteln besprochen, die Vernehmungen wurden im Aderlass-Verfahren öffentlich verlesen. Strafrechtlich sind manche Taten, die Thurau nun vorgeworfen worden, verjährt, nach dem Sportrecht aber noch nicht. Thurau hatte auf mehrere Anfragen dazu zuletzt nicht reagiert. Laut Nada habe der 32-Jährige das Recht, nun eine Stellungnahme abzugeben, erst dann prüfe man, ob man ein Disziplinarverfahren einleiten werde.

Thurau war etwas mehr als ein Jahrzehnt im Profigeschäft unterwegs, er hatte stets beteuert, dass sich Radsport auch sauber betreiben lasse - anders als zu Zeiten seines berühmten Vaters Dietrich Thurau, der einst jahrelangen Dopingkonsum gestanden hatte. 2015 fuhr Thurau für die heutige Spitzenmannschaft Bora-hansgrohe. 2019 hatte er seine Karriere beendet.

© SZ/aum/vk
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