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Sportpolitik:Wie bei der Fifa

IOC-Präsident Thomas Bach.

(Foto: AP)

Einst rühmte sich IOC-Präsident Thomas Bach mit der Vorbildfunktion seines Verbandes. Das wirkt nur noch grotesk. Denn schmutzige Geschäfte scheinen zur olympischen Welt zu gehören wie die Ringe.

Als sich der Fußball-Weltverband vor knapp zwei Jahren endgültig im Korruptionssumpf und im Zugriff der Strafbehörden wiederfand, formulierte Thomas Bach einen guten Rat. Jetzt seien Reformen notwendig - so wie bei dem von ihm geführten Internationalen Olympischen Komitee vorgelebt.

Schon damals konnte, ob der tatsächlichen Zustände im IOC, der Verdacht aufkommen, der Beitrag sei eher als verkappte Comedy gedacht gewesen. Aber es war wirklich Bach, der so sprach. Heute wirkt der Hinweis auf die eigene Vorbildfunktion mit jedem Tag grotesker. Die jüngsten Vorgänge rund um die Ringe-Organisation nähren durchaus den Verdacht, dass es beim IOC nicht viel anders abläuft als in der Fifa. Dabei geht es nicht nur um sportpolitische Volten wie den laxen Umgang der Olympier mit Doping-Russland - und den gleichzeitigen Ausschluss der verdienten Doping-Kronzeugin Julia Stepanowa von den Rio-Spielen wegen "ethischer" Defizite. Es geht auch um diverse womöglich strafrechtlich relevante Verfehlungen von Figuren aus der olympischen Welt.

Am Dienstag rückte Frankie Fredericks in den Fokus, einst hochdekorierter 100- und 200-Meter-Sprinter aus Namibia. Obwohl er jedes Fehlverhalten bestreitet, trat er als Chef der IOC-Prüfkommission für die Spiele 2024 zurück, um die sich derzeit nur noch Los Angeles und Paris bewerben. Hintergrund: eine merkwürdige Überweisung an eine Firma Fredericks' am Tag der Vergabe der Rio-Spiele, die kürzlich publik geworden war. Der Verdacht: Schmiergeld.

Bei so vielen einzelnen Fällen ist es fast schon bizarr, noch von einzelnen Fällen zu sprechen

Mit solchen Vorwürfen befindet sich Fredericks in seiner olympischen Familie in guter Gesellschaft. Gegen den Senegalesen Lamine Diack, bis 2015 Chef des Leichtathletik-Weltverbandes und IOC-Ehrenmitglied, läuft in Paris ein Verfahren wegen Verdachts auf Korruption und Geldwäsche: Es geht unter anderem um mögliche Manipulation der Spiele-Vergabe an Tokio 2020. Diack senior, unlängst noch der Doyen unter Afrikas IOC-Mitgliedern, steht unter Hausarrest, seinen Sohn sucht Interpol per Haftbefehl.

Ein anderes Beispiel ist der Ire Pat Hickey. Verdacht: Der Ex-IOC-Vizepräsident könnte sich über ein Firmennetz per Schwarzmarkthandel mit Olympiatickets um Millionen bereichert haben. Bei den Rio-Spielen setzte ihn die Polizei fest; aus Gesundheitsgründen durfte der 71-Jährige Monate später gegen Kaution in die Heimat zurück. Seine IOC-Mitgliedschaft ist nicht beendet, sie ruht.

Seit dem Skandal um die Vergabe der Winterspiele 2002 an Salt Lake City, der 1998 ans Licht kam und das IOC in den Grundfesten erschütterte, ballte sich die Thematik nicht mehr so stark um das IOC wie aktuell. Wobei es immer wieder Korruptionsfälle um IOC-Leute gab, allerdings in Bezug auf Vorgänge in deren Heimat. Schmutzige Geschäfte scheinen zu dieser Welt zu gehören wie die Ringe; die Frage ist, ob sich die Ermittler irgendwann auch dem IOC als Organisation zuwenden. Die politische Verantwortung für deren Sauberkeit trägt übrigens der Mann, der noch vor zwei Jahren anderen gute Ratschläge gab: Thomas Bach.

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