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Sportliche Helden und Doping-Affären:Was Armstrong der Nachwelt hinterlässt

Lance Armstrongs aberkannte Tour-Titel sind noch nicht neu vergeben, da freut sich die Radsport-Szene schon auf die Tour 2013. Die Doping-Enthüllungen werden den Sport trotz ihres schockierenden Ausmaßes nicht automatisch verändern. Dafür könnte nur ein kritisches Publikum sorgen.

Tour de France Armstrong und Ullrich

Zwei Helden, zwei Sünder: Lance Armstrong (li) und Jan Ullrich bei der Tour de France 2005. 

(Foto: dpa/dpaweb)

An diesem Mittwoch versammelt sich die Familie des Radsports in Paris, die Strecke der 100. Tour de France wird feierlich präsentiert. Die Größen der Zunft, die nicht, noch nicht oder nicht mehr gesperrt sind wegen Dopings, haben ihr Kommen zugesagt. Sie wollen wohl allen Ernstes über den Juli 2013 reden, über den Tour-Start auf Korsika, Steilfahrten nach Alpe d'Huez und die angeblich geplante, nächtliche Ankunft in Paris: Vorhang auf fürs nächste Illusionstheater!

Der Jubiläumsjubel dürfte allerdings sogar bei den Franzosen verhaltener ausfallen. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie sich trotz diverser Affären ihrer Helden stets zu Millionen an die Strecke gestellt; die Tour ist Folklore, nationales Heiligtum, eine drei Wochen durchs Land ziehende, mobile Partymeile. Doch ein Vermächtnis mag der zum Kleinkriminellen degradierte Weltstar Lance Armstrong Sport und Publikum nun doch hinterlassen haben: die Stärkung des allgemeinen Misstrauens gegenüber solchen Helden.

Dem Skandal folgt jedenfalls die weltweite Bestürzung über das Zerbröseln eines Denkmals und über Armstrongs perfides Betrugssystem. Als habe es den olympischen Eklat von 1988 um den Sprinter Ben Johnson nie gegeben, nicht die Festina- und Puerto-Dopingaffären bei der Tour (1998, 2006) oder das von der US-Justiz erzwungene Doping-Geständnis der einstigen Weltathletin Marion Jones (2007). Vom nötigen Neuanfang ist auch jetzt im Sport wieder die Rede, jedoch fragt man sich ermattet: Wie oft denn noch?

Einst prägte der Kalte Krieg die Betrugsmentalität im Sport. Auf das Staatsdoping der DDR reagierte erwiesenermaßen auch der bundesrepublikanische Athletenbetrieb mit medizinischen Antriebshilfen für die Prestigejagd nach Medaillen. Die Wende und die Kommerzialisierung des Höher-schneller-weiter veränderten das Motiv.

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