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Sport kompakt:"Verein ist dadurch abgestiegen"

Ein Zweitliga-Absteiger 2007 soll direkt von Wettmanipulationen betroffen sein, HSV-Stürmer Elia im Glück, Hoffenheimer Gift-Gipfel geht weiter.

Der größte Wettskandal in der europäischen Fußball-Geschichte soll Deutschland stärker betreffen als bislang angenommen. Nach einem Bericht des ARD-Magazins Fakt sollen seit dem Hoyzer-Skandal im Jahr 2005 von der 2. Bundesliga abwärts mehr als 60 Fußballspiele manipuliert worden sein. Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte vor zehn Tagen erklärt, dass "nur" 32 Spiele von der 2. Bundesliga abwärts verschoben worden sein sollen. "Das waren fünf Zweitligaspiele und dann ging es abwärts bis zur Oberliga. Zu circa 80 Prozent waren die Manipulationen erfolgreich, es ist so eingetroffen wie wir es auch haben wollten", sagte ein Insider aus dem illegalen Wettgeschäft. Der Hamburger serbischer Herkunft war nach eigener Aussage jahrelang ein Gehilfe des vor einer Woche verhafteten Drahtziehers Ante S.. Auch er selbst habe Spieler zu Manipulationen überredet. Besonders geschadet haben die Machenschaften der Wettmafia angeblich einem namentlich nicht genannten Absteiger aus der 2. Bundesliga im Jahre 2007. Die vier Absteiger hießen vor rund zwei Jahren Rot-Weiss Essen, SpVgg Unterhaching, Wacker Burghausen und Eintracht Braunschweig. "Ein Verein ist dadurch abgestiegen, weil zwei Spiele hintereinander manipuliert worden sind, das sind minus sechs Punkte und das war kurz vor Schluss, also kurz vor Ende der Saison und dadurch ist der Verein abgestiegen", sagte der Serbe der ARD.

Wie Spielfiguren haben Wettmanipulatoren offenbar einige Profis umhergeschoben.

(Foto: Foto: Getty)

Ungewöhnliche Bitte an die FIFA: Nach dem Skandalspiel in Frankreich und dem Scheitern in der WM-Qualifikation will Irland als 33. Mannschaft im kommenden Jahr zur Weltmeisterschaft nach Südafrika reisen. Das sagte FIFA-Chef Joseph Blatter am Montag in Johannesburg. Der Irische Verband FAI habe dem Fußball-Weltverband einen Brief geschrieben und gefragt: "Können wir bei der WM Team Nummer 33 sein?" Die Iren hatten nach einem Handspiel des Franzosen Thierry Henry und dem 1:1 in der Verlängerung des Relegationsspiels die Qualifikation für die WM 2010 verpasst. Eine Wiederholung der Partie hatte die FIFA bereits abgelehnt.

Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS zur Sperre von Claudia Pechstein ist nach Auffassung von Sportrechtler Martin Nolte "wasserdicht", die Pechstein-Seite hat hingegen angeblich 39 Verfahrens-Fehler gefunden. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin darf nach dem CAS-Urteil nicht mehr wie bisher mit der deutschen Herren-Auswahl in Berlin trainieren, hält sich aber mit Jogging und auf dem Rad-Ergometer fit. Kein staatliches Gericht "hätte es vermutlich besser gemacht", erklärte der Professor der Universität Kiel dem "Spiegel" zum CAS-Urteil und forderte Pechstein auf, über die Hintermänner Auskunft zu geben. "Die Kronzeugenregelung wäre eine goldene Brücke von Unrecht ins Recht. Sie könnte ihre Sperre auf ein halbes Jahr gekürzt bekommen", sagte der Jurist. Claudia Pechstein, die immer beteuerte, dass sie nie gedopt habe und es daher auch keine Hintermänner geben könne, wird mit Hilfe ihrer Anwälte nun innerhalb von 30 Tagen Einspruch beim Schweizer Bundesgericht einlegen. Zunächst muss das Zivilgericht entscheiden, ob es die Beschwerde überhaupt annimmt. "Da müssen schon wesentliche Verfahrensgrundsätze verletzt worden sein", sagte Nolte und analysierte: "Mit der Strategie der totalen Konfrontation jedenfalls hat sie Schiffbruch erlitten."

Zwei Tage nach dem Gift-Gipfel von Hoffenheim hat Dietmar Hopp Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für die Vorkommnisse in der Rhein-Neckar-Arena mitverantwortlich gemacht. Mäzen Hopp war während der Bundesliga-Partie zwischen 1899 Hoffenheim und Dortmund (1:2) erneut übel von den Borussen-Fans beschimpft worden. "Herr Watzke sollte sich mal fragen, warum er im Vorfeld nicht mäßigend eingeschritten ist. Seinen Brief konnte man nicht ernst nehmen. Das war scheinheilig", sagte Hopp der Bild-Zeitung. Watzke hatte in der vergangenen Woche bei der Dortmunder Aktionärsversammlung das Hoffenheimer Retorten-Modell stark kritisiert, aber danach die BVB-Fans in einem offenen Schreiben zur Besonnenheit aufgerufen. Gegen den verbalen Angriff von Hopp setzte sich Watzke zur Wehr. "Mein Brief war nicht scheinheilig, sondern ehrlich gemeint", erklärte Watzke und wies die Beschuldigungen zurück: "Meine Kritik hat nichts mit dem Fan-Verhalten zu tun, dafür kann ich nichts." Auf einem der Plakate in der Rhein-Neckar-Arena war die Aufschrift "Fahr zur Hölle, Hopp" zu lesen.

Entwarnung beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV: Offensivallrounder Eljero Elia hat sich im Punktspiel beim FSV Mainz 05 am Samstag nur eine schwere Knöchelprellung zugezogen. Der zunächst befürchtete Bänderriss und das damit verbundene vorzeitige Hinrunden-Aus für den niederländischen Nationalspieler hat sich bei einer Kernspintomographie am Montagmorgen nicht bestätigt.

Nach einem Unfall im Mailänder Giuseppe- Meazza-Stadion liegt ein Fan des italienischen Fußballmeisters Inter Mailand im Koma. Der 36-Jährige war beim Ligaspiel am Sonntag gegen den AC Florenz (1:0) von der Tribüne gefallen. Wie die La Gazzetta dello Sport am Montag berichtete, sei der Mann zwölf Meter tief gestürzt. Beim Aufprall habe er einen weiteren Fan verletzt, der ebenfalls ins Krankenhaus gebracht wurde, jedoch nicht in Lebensgefahr schwebe. Inter und der ebenfalls im Giuseppe-Meazza-Stadion spielende AC Mailand betonten, dass der Unfall nicht auf Sicherheitsmängel in der Fußballarena zurückzuführen ist. Nach Medienangaben soll der Fan auf eine vergebene Torchance des Inter-Stürmers Eto'o so heftig reagiert haben, dass er das Gleichgewicht verloren habe und in die Tiefe gestürzt sei.

Der zehnmalige Tischtennis-Europameister Timo Boll greift nur zwei Tage nach seinem Pro-Tour-Triumph in Warschau nach dem nächsten Titel. Beim European Supercup der acht besten europäischen Spieler des Jahres ab Dienstag in St. Petersburg ist der Weltranglistenvierte vom Champions-League-Sieger Borussia Düsseldorf der Favorit auf die 50.000 Dollar Siegprämie. Durch einen Erfolg bei dem zweitägigen Spitzenturnier in der ehemaligen Zaren-Metropole würde Boll nach seinen Turniersiegen bei den bisherigen Supercups in den beiden vergangenen Jahren einen Hattrick perfekt machen. Neben dem Linkshänder tritt aus dem deutschen Europameister-Team auch Dimitrij Ovtcharov vom belgischen Spitzenklub RV Charleroi in St. Petersburg an.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat ein Ermittlungsverfahren gegen Andreas Lambertz vom Zweitligisten Fortuna Düsseldorf eingeleitet. Der Mittelfeldspieler soll sich im Punktspiel des Aufsteigers bei 1860 München (2:2) am vergangenen Sonntag einer krassen Sportwidrigkeit in Form eines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht haben. Lambertz wird nach Auswertung der vorliegenden Fernsehbilder verdächtigt, sich in der 70. Spielminute absichtlich fallen gelassen zu haben, ohne dass ein Körperkontakt mit Gegenspieler Jose Holebas vorlag. Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) hatte nach dieser Szene auf direkten Freistoß für Düsseldorf entschieden, den die Fortuna durch Ranisav Jovanovic zum 1:2-Anschlusstreffer nutzte. Lambertz hatte im DSF-Interview nach dem Spiel gesagt, dass es kein Foulspiel gewesen sei und er sich habe fallen lassen. Der DFB-Kontrollausschuss hat den 25-jährigen Lambertz zu einer zeitnahen Stellungnahme aufgefordert. Nach Auswertung der Einlassung wird über den weiteren Fortgang des Verfahrens entschieden. Das teilte der DFB am Montag mit.

An Gewalt im Umfeld von Fußballspielen sind nach Ansicht des Fan-Forschers Gunter A. Pilz vermehrt junge Leute beteiligt, die sich für den Sport überhaupt nicht interessieren. "Den Fans schließen sich immer öfter Jugendliche an, die mit Fußball nichts zu tun haben. Ihnen geht es um das Gewalt-Event", sagte Pilz. Die Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende haben dies nach seiner Ansicht bestätigt. In Bochum, Bielefeld, Berlin und Gelsenkirchen war es zu Randale gekommen. Die Polizei nahm mehr als 100 Menschen fest. Vor allem Fahrten zu Auswärtspartien sind nach Pilz' Ansicht für immer mehr Jugendliche eine willkommene Gelegenheit, sich zu prügeln. "Da fahren Leute mit, die wir bei Heimspielen noch nie gesehen haben. Im Vordergrund steht die Gewalt-Erfahrung, der Kick", sagte der Professor der Universität Hannover. "Viele sehen solche Auswärtsfahrten als Abenteuer-Urlaub an. Um Fußball geht es nicht mehr."

Ski-Weltmeister John Kucera aus Kanada droht das Aus für die Olympischen Spiele in Vancouver. 76 Tage vor Beginn der alpinen Wettbewerbe erlitt der WM-Goldmedaillengewinner in der Abfahrt einen Bruch des linken Unterschenkels. Der 25-Jährige zog sich die schwere Verletzung bei einem Sturz beim Weltcup-Super-G im kanadischen Lake Louise zu. Er muss operiert werden. Der kanadische Ski-Verband wollte zum möglichen Ausfall von Kucera für Olympia zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Die Indianapolis Colts haben ihre beeindruckende Siegesserie in der US-amerikanischen Football-Profiliga NFL auch am zwölften Spieltag fortgesetzt. Bei den Houston Texans gewann das Team um Quarterback Peyton Manning nach schwachem Start mit 35:27 und bleibt mit einer Bilanz von 11-0 als einziges Team neben den New Orleans Saints (10-0) unbesiegt. Die Saints treffen zum Abschluss des Spieltags im Monday-Night-Game auf die New England Patriots mit dem deutschen Rookie Sebastian Vollmer.

WM-Qualifikation

Handspiel rettet Frankreich