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Sport kompakt:Schiedsrichter-Skandal schockiert Lichtgestalt

Franz Beckenbauer meldet sich in der Amerell-Affäre zu Wort, angeblich keine deutschen Doping-Kunden bei Humanplasma in Wien. Sport kompakt

Angesichts immer neuer Vorwürfe im Schiedsrichter-Skandal hat sich auch Franz Beckenbauer schockiert gezeigt. Als "unvorstellbar" bezeichnete das Präsidiumsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Dienstag mögliche Formen von Machtmissbrauch oder gar sexueller Belästigung. "Wie willst du das lösen? Das hat eine Eigendynamik bekommen. Jeder sagt irgendwas, jeder gibt seinen Senf dazu. Vielleicht ist das ja auch erst der Anfang einer Lawine", sagte Beckenbauer der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Amerell, den Beckenbauer seit mehr als 40 Jahren kennt, wird von mindestens vier Unparteiischen der sexuellen Belästigung bezichtigt. Das ehemalige Mitglied des Schiedsrichterausschusses weist die Vorwürfe strikt zurück und hat einen Unterlassungsantrag gegen den DFB gestellt. Über den wird am Donnerstag (13.00 Uhr) im Münchner Landgericht I verhandelt.

Der ehemalige Bundesliga-Referee Franz Xaver Wack, der sich als Vertrauensmann betroffener Unparteiischer bezeichnet, beschuldigte Amerell am Montagabend erneut massiv. In der Sendung "Blickpunkt Sport" des Bayerischen Rundfunks erklärte Wack: "Es sind wirklich -und das kann man jetzt auch schon in der Öffentlichkeit sagen - sexuelle Übergriffe passiert in Form, dass Testregel-Antworten den Schiedsrichtern gegen den Austausch sexueller Gefälligkeiten gegeben wurden." Dies konnte Schiedsrichter Kempter, der den Fall mit seinen Äußerungen über Amerell ins Rollen gebracht hatte und inzwischen von einer "Schlammschlacht" spricht, allerdings nicht bestätigen. "Ich hatte keine Einblicke in Schiedsrichtertests. Ich habe das auch nur von dem Kollegen gehört", sagte Kempter der dpa am Dienstag.

An der Blutdoping-Affäre in Österreich sind nach Angaben der darin involvierten Firma Humanplasma keine deutschen Sportler beteiligt gewesen. Das Wiener Unternehmen wies am Dienstag in einer Stellungnahme entsprechende Vermutungen des Präsidenten des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Karl Stoss, als unwahr zurück. Humanplasma hatte 2009 Selbstanzeige bei den Steuerbehörden erstattet und eingeräumt, von 2003 bis 2006 bis zu 30 Menschen außerhalb der Geschäftszeiten Blut abgenommen zu haben. Stoss hatte dem ZDF vor Olympia in Vancouver gesagt: "Wenn sie das Wort Humanplasma in den Mund genommen haben, dann denke ich, dass auch eine ganze Menge deutscher Sportler da auf der Liste stehen."

Kein Ergebnis nach der ersten Runde auf dem Tisch, aber eine schnelle Einigung in Sicht: Den weiteren Verhandlungen um die WM-Prämien für Deutschlands Elite-Fußballer sehen beide Seiten gelassen entgegen. "Wer sagt denn, dass wir weit entfernt sind? Wir werden schon eine Lösung finden", sagte Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack am Dienstag in München. Generalsekretär Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) betonte: "Hier wird überhaupt gar nicht gepokert, überhaupt nichts ausgereizt." Niersbach lobte die Einstellung der Nationalspieler im Kontext der ohnehin recht kostspieligen Titelmission des Verbandes: "Ich denke, dass wir relativ schnell ein Ergebnis verkünden können", sagte er. Für die 23 WM-Fahrer und den Trainerstab soll es wie bei den vergangenen Turnieren stark leistungsbezogene Prämien geben. Möglicherweise würden also bei der WM-Endrunde vom 11. Juni bis 11. Juli erst vom Viertelfinale an Prämien ausgeschüttet werden. Als Titelbonus sind je 250.000 Euro für die 23 WM-Spieler und die Trainer im Gespräch. Vor der WM 2006 im eigenen Land hatte der DFB die bisherige Titel-Rekordprämie von je 300.000 Euro ausgelobt.

Das Projekt "WM-Titelgewinn 2010" wird für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu einer teuren Angelegenheit. Bis zu 20 Millionen Euro wird der Verband für das Unternehmen in diesem Sommer in Südafrika ausgeben. Der Weltverband FIFA würde dem neuen Weltmeister im Sommer in Südafrika 22,1 Millionen Euro Antritts- und Erfolgsprämie überweisen. "Das heißt, die WM-Teilnahme wird in keinem Fall einen großen wirtschaftlichen Gewinn bringen, weil für uns eben auch die Ausgabensituation sehr hoch ist", wurde DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach am Dienstag auf der Verbands-Homepage zitiert. Die Ausgaben schließen Reisekosten, Unterkünfte, Honorare für die medizinische Abteilung sowie Prämien für Spieler und Trainer mit ein.

Der italienische Fußball-Rekordmeister Juventus Turin soll Interesse an Kevin Kuranyi haben und schon Verhandlungen mit dem Stürmer des Bundesligisten Schalke 04 aufgenommen haben. Nach Informationen der Sporttageszeitung Tuttosport soll sich Juves Sportdirektor Alessio Secco in der vergangenen Woche mit Kuranyis Manager Roger Wittmann in Mailand getroffen haben. Die Gespräche seien in einer fortgeschrittenen Phase, berichtete Tuttosport am Dienstag. Dmnach will Juventus Kuranyi für drei Jahre verpflichten. Der 28-Jährige soll in Turin drei Millionen Euro netto pro Saison verdienen. Um Kuranyi zu finanzieren, soll Juve bereit sein, sich von einigen Spielern zu trennen. Unter anderem wollen die Turiner ab der kommenden Spielzeit angeblich auf den Franzosen David Trezeguet verzichten.

Fußball-Bundesligist Schalke 04 hat das Talent Joel Matip bis zum 30. Juni 2013 unter Vertrag genommen. Damit setzte Trainer Felix Magath die Verjüngung seines Teams fort und band ein weiteres Talent aus den eigenen Reihen an den derzeitigen Tabellendritten. Der 18 Jahre alte Matip leistete die Unterschrift vor seiner Abreise zum Länderspiel des WM-Teilnehmers Kamerun in Monaco gegen Weltmeister Italien. Matip, der seit 2000 alle Schalker Nachwuchsmannschaften durchlief, feierte sein Bundesliga-Debüt am 7. November 2009 im Auswärtsspiel bei Bayern München, in dem ihm das Ausgleichstor zum 1:1-Endstand gelang. Insgesamt stehen für Matip bislang zwölf Erstliga-Einsätze zu Buche, in denen er zwei Tore erzielen konnte.

Nach Zuschauerausschreitungen in zwei Fällen hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Bundesligisten VfL Bochum wegen Unsportlichkeit mit einer Geldstrafe von 8000 Euro belegt. Im Spiel bei Borussia Mönchengladbach waren am 16. Januar im Bochumer Zuschauerblock drei Rauchbomben gezündet worden, teilte der DFB am Dienstag mit. Dazu sei am 6. Februar im Spiel gegen Bayer Leverkusen aus der Bochumer Zuschauerkurve ein Feuerzeug auf das Spielfeld geworfen worden. Das Urteil ist laut DFB rechtskräftig.

Auch Motivator Michael Jordan hat den Siegeszug von Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks durch die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA nicht stoppen können. Die Texaner ließ Jordans Unterstützung für die Charlotte Bobcats direkt neben der Bank seines künftigen Teams kalt und feierten mit 89:84 ihren schon achten Erfolg hintereinander. Nach zuvor drei Partien mit mindestens 30 Punkten in Serie war Nowitzki kurz nach der insgesamt zwölften Wahl zum "Spieler der Woche" mit 27 Zählern und 13 Rebounds erneut der Mann des Tages bei den Mavs, nachdem Dallas zu Beginn des dritten Viertels bereits mit 43:55 zurückgelegen hatte.

Im Video: Der Fall Amerell wird immer mehr zur Schlammschlecht. Amerell kämpft um seinen Ruf, denn Vorwürfe der sexuellen Belästigung und des Amtsmissbrauchs stehen im Raum.

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© sueddeutsche.de/sid/dpa/dop
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