Wintersport:Mittelfristig können die Alpinen wohl mit kurzweiligen Formaten überleben. Und dann?

Fischer ist seit 21 Jahren im Weltcup dabei, die Kandahar ist ein Aushängeschild des Weltcups. Da es insgesamt dann doch aufwendiger geworden ist, die mehr als drei Kilometer lange Piste mit Schnee und Netzen zu präparieren, wirbt Fischer seit einer Weile für die "Speed-Abfahrt", zwei Durchgänge auf halb so langer Piste, die dafür von der Spannung eines zweiten Durchgangs leben.

Im vergangenen Winter war das Format in Garmisch bei den Frauen erstmals im Programm (der zweite Lauf fiel dem Nebel zum Opfer), in dieser Saison fehlt es ganz im Weltcup-Kalender. "Sportpolitische Gründe", sagt Fischer. Viele Mitstreiter hätten ihm vorgeworfen, er würde mit seiner Lobbyarbeit die klassische Abfahrt beerdigen. Aber die finde ja weiterhin in Garmisch statt, sagt Fischer, und überhaupt: "Man kann alles so machen wie immer, oder man versucht, mit der Entwicklung zu gehen. Haben wir in fünf bis zehn Jahren noch eine Zukunft mit dem bisherigen Format? Ich glaube nicht."

Letztlich, sagt Fischer, werde die Natur den Wandel bestimmen. "Man hat ja gesehen, was dieses weiße Band in Kitzbühel jetzt für einen Aufschrei verursacht hat. Das ist irrsinnig", sagt er. "Der Rennsport muss auch schauen, was er macht, er wirkt direkt in den Breitensport hinein." Die jüngsten Bilder aus Sölden suggerieren ja, dass jetzt ein Winter anbricht, den es immer seltener gibt. Was wiederum die Nachfrage angekurbelt, und damit Eingriffe in die Natur: mit künstlicher Beschneiung und den dafür nötigen Stauseen, die Lebensraum von Tieren vernichten.

Mittelfristig können die Alpinen wohl mit kurzweiligen Formaten überleben, mit Speed-Abfahrten und Parallel-Rennen. Und dann? Der Sport lässt sich jedenfalls schwer in den Sommer übertragen, wie Skispringen auf Matten. "Wenn wir irgendwann in der Halle fahren, wäre das das Ende des Sports für mich", sagte Gianfranco Kasper, Präsident des Welt-Skiverbands, in Sölden. Für die Winterspiele 2022 in Peking droht ihnen erst mal das, was in Europa derzeit auf so viel Ablehnung stößt: Kunstschnee und Abfahrtspisten, für die riesige Flächen Wald gerodet werden. Die Spiele in Peking, prophezeite Kasper jetzt, werden "die gigantischsten und teuersten, die wir je gesehen haben".

Das kann man wahlweise als Fortschritt und Zeichen von Größe empfinden. Oder als wahnsinnig.

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