Ski-Weltcup in München:Kein ökologischer Irrsinn

Lesezeit: 3 min

Jetzt sagt Seipp: "Die Situation ist natürlich nicht gerade rosig", er klingt ernüchtert. In den vergangenen Wochen sei es "wenigstens ein Trost gewesen, dass der Schnee, den wir produziert haben, geblieben ist", am Freitag aber regnete es in München, und Regen ist der größte Feind des Schnees. Das Phänomen der Inversions-Wetterlage, bei dem die Temperaturen am Gipfel höher sind als im Tal, erschwert die Lage zusätzlich: Vor ein paar Tagen seien an der Spitze des Olympiabergs plus sechs Grad gemessen worden, unten im Park aber minus zwei Grad, sagt Seipp.

Noch im Sommer hat Seipp mit mehreren benachbarten Regionen verhandelt, um im Notfall auf Schnee von außen zugreifen zu können, wie sie das auch im vergangenen Jahr getan haben: Schon da kämpften die Münchner mit dem Wetter, es war enorm warm zur Weihnachtszeit, um die 20 Grad zeigte das Thermometer, noch Tage vor dem Rennen sah es nach Absage aus. Sie holten dann mehrere LKW-Ladungen Schnee aus Reit im Winkl, das Rennen fand statt, Felix Neureuther gewann, und die Veranstalter vom Olympiapark wie auch der Fis waren glücklich. Aber jetzt?

In Kitzbühel haben sie schon mal Schnee per Helikopter einfliegen lassen, in München aber ist das kein Thema - nicht in einer Stadt, die sich gerade sehr deutlich gegen Olympische Winterspiele ausgesprochen hat. "In Alliteration mit dem Olympia-Nein werden wir nicht anfangen, irgendwelche verrückten Dinge zu machen", so formuliert es Günter Hujara, "in dem Umfeld, in dem wir uns derzeit in München bewegen, geht das nicht", man wolle "nicht wider die Vernunft handeln".

"Wir machen keinen betriebswirtschaftlichen oder ökologischen Irrsinn", sagt auch Seipp. Im vergangenen Jahr hat die Schneebeschaffung auch deshalb funktioniert, weil aus schneereichen Wochen vor dem Wettereinbruch schon rund 5000 Kubikmeter Schnee vorhanden waren. Davon sind sie in München diesmal weit entfernt, und hinzu kommt: Wer in diesen Tagen überhaupt Schnee hat, gibt ihn nicht her.

Er wolle "nicht den Münchnern den Schwarzen Peter zuschieben", sagt Hujara. Dass die Einrichtung eines eigenen Depots aber wichtig werden könnte, daran besteht kein Zweifel: Die Klimaprognosen sind für Skirennen ja nicht gerade günstig.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema