Süddeutsche Zeitung

Ski-Weltcup in München:Regen frisst Schnee

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Wenn nicht noch ein meteorologisches Wunder passiert, wird das Ski-Weltcup-Rennen in München an Neujahr wohl ausfallen, es ist viel zu warm. Eine Schneebeschaffung wie im Vorjahr kommt nach dem Nein der Münchner zu Olympia auch nicht in Frage.

Von Michael Neudecker

Die Wettervorhersage für München für die kommenden Tage ist nicht gut, jedenfalls nicht, wenn man es aus dem Blickwinkel von Günter Hujara betrachtet: Überwiegend wolkig bei Temperaturen zwischen sechs und zehn Grad, um Silvester soll sich das Thermometer noch mal dem Gefrierpunkt nähern, dafür aber verschwinden wohl die Wolken. Er hoffe, dass das Wetter die Vorhersagen und auch seine Befürchtungen doch noch widerlege, sagt Günter Hujara, er lächelt, es ist so ein gequältes Lächeln.

Günter Hujara ist der Renndirektor für die alpinen Männer des Ski-Weltverbandes Fis, er ist außerdem zuständig für die sogenannten City Events, die Stadtrennen also, zu denen seit drei Jahren auch das Rennen am Münchner Olympiaberg zählt. Für 1. Januar war die vierte Austragung geplant, aber im Moment, sagt Hujara, "sieht es sehr schlecht aus". Wenn nicht noch ein meteorologisches Wunder passiert, fällt das Münchner Weltcup-Rennen in dieser Saison aus.

Derzeit ist Hujara bei den Rennen in Gröden und Alta Badia, am Sonntag wird er direkt zu einer finalen Inspektion nach München fahren, noch Sonntagabend wird die Entscheidung fallen. "Sie muss am Sonntag fallen", sagt der Münchner Rennleiter Frank Seipp: Die Zeit wird knapp.

Hujara wird dann sehen, dass sie zwar schon die Gerüste und Schneekanonen am Olympiaberg aufgebaut haben, aber er wird auch diese absurd wirkende weiße Bestäubung inmitten des Grüns sehen, die aussieht, als habe der Berg zu schimmeln begonnen. Schnee? Fehlt, jedenfalls in der benötigten Menge. "Wir brauchen 7000 Kubikmeter Schnee", sagt Hujara.

Ein Schneedepot, wie es andere Veranstaltungsorte haben, gibt es in München nicht, das hat Frank Seipp vor ein paar Wochen betont. Das war bei einer Pressekonferenz, es gebe keinen geheimen Keller voller Schnee im Olympiapark, hat Seipp gesagt, die Leute haben gelacht, damals war das noch lustig. Damals war Frank Seipp noch optimistisch.

Kein ökologischer Irrsinn

Jetzt sagt Seipp: "Die Situation ist natürlich nicht gerade rosig", er klingt ernüchtert. In den vergangenen Wochen sei es "wenigstens ein Trost gewesen, dass der Schnee, den wir produziert haben, geblieben ist", am Freitag aber regnete es in München, und Regen ist der größte Feind des Schnees. Das Phänomen der Inversions-Wetterlage, bei dem die Temperaturen am Gipfel höher sind als im Tal, erschwert die Lage zusätzlich: Vor ein paar Tagen seien an der Spitze des Olympiabergs plus sechs Grad gemessen worden, unten im Park aber minus zwei Grad, sagt Seipp.

Noch im Sommer hat Seipp mit mehreren benachbarten Regionen verhandelt, um im Notfall auf Schnee von außen zugreifen zu können, wie sie das auch im vergangenen Jahr getan haben: Schon da kämpften die Münchner mit dem Wetter, es war enorm warm zur Weihnachtszeit, um die 20 Grad zeigte das Thermometer, noch Tage vor dem Rennen sah es nach Absage aus. Sie holten dann mehrere LKW-Ladungen Schnee aus Reit im Winkl, das Rennen fand statt, Felix Neureuther gewann, und die Veranstalter vom Olympiapark wie auch der Fis waren glücklich. Aber jetzt?

In Kitzbühel haben sie schon mal Schnee per Helikopter einfliegen lassen, in München aber ist das kein Thema - nicht in einer Stadt, die sich gerade sehr deutlich gegen Olympische Winterspiele ausgesprochen hat. "In Alliteration mit dem Olympia-Nein werden wir nicht anfangen, irgendwelche verrückten Dinge zu machen", so formuliert es Günter Hujara, "in dem Umfeld, in dem wir uns derzeit in München bewegen, geht das nicht", man wolle "nicht wider die Vernunft handeln".

"Wir machen keinen betriebswirtschaftlichen oder ökologischen Irrsinn", sagt auch Seipp. Im vergangenen Jahr hat die Schneebeschaffung auch deshalb funktioniert, weil aus schneereichen Wochen vor dem Wettereinbruch schon rund 5000 Kubikmeter Schnee vorhanden waren. Davon sind sie in München diesmal weit entfernt, und hinzu kommt: Wer in diesen Tagen überhaupt Schnee hat, gibt ihn nicht her.

Er wolle "nicht den Münchnern den Schwarzen Peter zuschieben", sagt Hujara. Dass die Einrichtung eines eigenen Depots aber wichtig werden könnte, daran besteht kein Zweifel: Die Klimaprognosen sind für Skirennen ja nicht gerade günstig.

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Quelle:
SZ vom 21.12.2013
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