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Skifahrer Stefan Luitz:"Ich will wieder ein bisserl die Drecksau sein"

Audi FIS Alpine Ski World Cup - Men's Giant Slalom

Will wieder angreifen: Stefan Luitz - hier bei einenm früheren Rennen in Val-d'Isere

(Foto: Getty Images)

Vor dem Start der Saison gibt sich Stefan Luitz forscher als zuletzt. Er will zurück auf die freche Skirennspur, auf der er bis vor zwei Jahren oft unterwegs war.

Von Johannes Knuth, Sölden

Die Alpen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten trotz aller menschlichen Eingriffe eine durchaus beachtliche Wildtierpopulation bewahrt. In den Allgäuer Alpen etwa, da finden sich nach wie vor Rothirsche, Gämse, Murmeltiere und Steinadler. Die meisten dieser Tiere sind allerdings sehr scheu; am frechsten sind noch die Alpendohlen. Die lassen sich gerne in den Alpenhütten füttern, oder füttern sich selbst, mit unbeaufsichtigtem Wandererproviant. Schweine sucht man dagegen meist vergeblich, und die gemeine Drecksau, eine Untergattung, die einen frechen Zweibeiner beschreibt, ist in den Bergen auch eher selten aufzufinden.

Ein Allgäuer will das in diesem Winter ändern. "Ich will wieder ein bisserl die Drecksau sein", sagt Stefan Luitz, 28, vom SC Bolsterlang. Er meint es mit einem Augenzwinkern, natürlich. Luitz will zurück auf die freche Skirennspur, auf der er bis vor zwei Jahren oft unterwegs war. Seine jüngste Proklamation ist jedenfalls bemerkenswert, so forsch hatte man ihn zuletzt selten erlebt: im Rennen nur ab und zu, neben der Piste, vor den Kameras und Mikrofonen, fast gar nicht. Da erinnerte er zeitweise an einen scheuen Rothirsch.

Am Wochenende bricht in Sölden nun schon wieder die neue Alpinsaison an, jeweils mit einem Riesenslalom der Frauen (am Samstag) und der Männer (Sonntag). Es ist der Auftakt zu einem Winter, über dem vor allem die Frage schwebt, wie Wintersport in Risikogebieten während einer Pandemie funktionieren kann. Für Luitz ist es aber vor allem ein Winter, der endlich der Wendepunkt zum Besseren sein soll. Zu mehr Drecksau-Momenten eben.

"Unvollendeter", dieses Prädikat baumelte seit einer Weile an ihm

Der alte Stefan Luitz wurde letztmals so richtig vor zwei Jahren in freier Wildbahn gesichtet, beim Riesenslalom in Beaver Creek. Er führte damals nach dem ersten Lauf, nicht zum ersten Mal - aber wenn es zählte, war Luitz zuvor oft in Leichtsinnsfehler gestolpert. "Unvollendeter", dieses Prädikat baumelte seit einer Weile an ihm. Aber nun, da bewahrte er tatsächlich die Nerven: Platz eins, der erste Weltcup-Sieg, endlich, sogar vor Österreichs Überfahrer Marcel Hirscher. Letzterer bettete das Ganze später in den angemessenen Rahmen: Luitz habe "mit den schwersten Weg aller Weltcup-Fahrer gehen müssen", sagte Hirscher. Tatsächlich hatte Luitz gerade erst seinen zweiten Kreuzbandriss auskuriert. Und nun: die große Vollendung?

Stattdessen folgte eine Schussfahrt ins nächste Dilemma. Ein Betreuer einer rivalisierenden Mannschaft hatte fotografiert, wie Luitz zwischen den Läufen künstlichen Sauerstoff inhaliert hatte, auf rund 3000 Metern Höhe. Das Reglement des Ski-Weltverbands (Fis) untersagt derartigen Konsum während des Rennens. Der Deutsche Ski-Verband (DSV) hatte sich vor Ort aber am Regelwerk der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) orientiert, das den Einsatz gestattet. Die Fis nahm Luitz den Sieg zunächst ab, das zerrte mächtig an den Nerven von DSV und Fahrer, der sich in Beaver Creek auf die Einschätzungen seiner Vorgesetzten verlassen hatte.

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