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Sieg im Achtelfinale:Brasilien hält den Atem an

World Cup 2014 - Round of 16 - Brazil vs Chile

Luiz Felipe Scolari (hinten) und Neymar: Glücklich über das gewonnene Achtelfinale

(Foto: dpa)

Der Seleção gelingt im ersten Achtelfinale der WM alles andere als ein Durchmarsch. Erst im Elfmeterschießen kann die brasilianische Auswahl Chile mit 3:2 bezwingen - und ihrem Nationaltrainer vorerst den Job retten.

Brasilien hielt den Atem an, als es zum ersten Mal so richtig ernst wurde bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft. Das Duell mit Chile in Belo Horizonte sollte nur eine Etappe sein auf dem Weg ins Endspiel am 13. Juli im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro, doch es entwickelte sich zur engen Partie und hätte den Gastgebern um ein Haar in die Depression gestürzt. Nur je zweimal Torwart Júlio César und das Torgestänge verhinderten, dass die Seleção bereits im Achtelfinale ausschied.

Dem 1:1 durch ein Eigentor von Chiles Gonzalo Jara - von der Fifa als Treffer des Brasilianers David Luiz gewertet - und dem Ausgleich durch Alexis Sánchez folgten eine torlose Verlängerung und ein Elfmeterschießen, das zum Thriller wurde. Schlussmann Júlio César, der 2010 in Südafrika die Niederlage im Viertelfinale gegen Holland verschuldet hatte und auch vor dieser WM immer wieder kritisiert worden war, umarmte den Trainer Luiz Felipe Scolari, als der Showdown im Estádio Mineirão losging. Er sprach ihm dabei auch etwas ins Ohr, es sah so aus wie ein Versprechen.

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Das hielt der Keeper des schwachen Klubs Toronto auch ein, wobei alle zusammen enormes Glück hatten, dass es überhaupt so weit kam, denn kurz vor Abpfiff der 120 Minuten hatte der eingewechselte Mauricio Pinilla aus 20 Metern krachend gegen die brasilianische Querlatte geschossen.

Nun also Elfmeterschießen, das Land stand still. Fast alle der mehr als 195 Millionen Brasilianer werden das Drama irgendwie mitbekommen haben. Den ersten Versuch verwandelte Manndecker Luiz, Brasiliens einziger Torschütze aus der regulären Spielzeit. Pinilla scheiterte an Julio Cesar, was für ein Pech für den Stürner aus Cagliari in so wenigen Minuten. Willian, der zuvor Oscar ersetzt hatte, schoss links vorbei. Alexis Sánchez trat den Ball so unentschlossen Richtung rechte Ecke, dass Júlio César ihn abwehrte. Da war er schon auf dem besten Wege zum Helden dieses Nachmittags. Marcelo, der unglückliche Eigentorschütze aus dem Eröffnungsmatch gegen die Kroaten, legte das 2:0 nach, Brasilien holte Luft.

Doch Charles Aránguiz verkürzte auf 2:1, obwohl er bei einem brasilianischen Arbeitgeber angestellt ist, Internacional Porto Alegre. Und der kräftige Hulk aus Sankt Petersburg zog so ab, dass der Chilene Claudio Bravo mit den Beinen in die Flugbahn sprang, was auch Bravos künftigen Verein FC Barcelona beeindruckt haben dürfte. Marcelo Díaz vom FC Basel glich aus. 2:2, die Spannung war nicht mehr auszuhalten. Dann kam Neymar, der derzeit populärste Brasilianer überhaupt, lief mit nervenaufreibenden Trippelschritten an und schickte die Kugel ins Netz. Anschließend sprang er Júlio César vor dessen letztem Gang an die Brust, ehe der zehnte und finale Zweikampf anstand.

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