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Schwimmer Sun Yang:Was erhoffen sich die Chinesen von der Öffentlichkeit des Verfahrens?

Was zur möglicherweise entscheidenden Frage führt: der nach der Strategie. Was erhoffen sich die Chinesen von der Öffentlichkeit? Wohl kaum, dass noch mal all die Details vor Publikum ausgebreitet werden, die das Fina-Panel festhielt: Wie Suns Mutter der Kontrolleurin mit ihren Polizeikontakten gedroht habe. Wie Sun mehrmals unbegleitet zur Toilette ging - alleine das ein Verstoß gegen alle Regeln. Wie schließlich ein mehrmals gesperrter Arzt die Regie übernahm, Ba Zhen, der schon in Suns erste Dopinggeschichte verwickelt war, eine Sperre im Jahr 2014. Wie schließlich der Hammer zum Einsatz kam.

Also, was ist die Strategie? "Ich mache das für unsere Athleten", sagte Sun kürzlich in chinesischen Medien, "ich will, dass sie aufwachen. Im Angesicht von unfairen Urteilen von internationalen Organisationen muss man sich mutig verteidigen." Jedem Sportler könne es passieren, dass "ein Kontrolleur ohne Berechtigungsnachweis/Papiere dich kontrolliert", schrieb Sun schon im Sommer in Chinas sozialem Netzwerk Weibo, und angenommen "Blutproben und Urinproben würden weggebracht, wenn dabei etwas manipuliert wird, gibt es keine Möglichkeit, sich zu verteidigen". Ergo: "Ich verteidige die Rechte eines jeden Athleten." 33 Millionen Follower hat Sun bei Weibo, und wenn man den Kommentaren glaubt, die sie posten, sind davon ungefähr 33 Millionen von seiner Unschuld überzeugt.

Die Wada bringt dagegen jenen Anwalt in Stellung, der bereits den einstigen Radhelden Lance Armstrong sportjuristisch zu Fall brachte: Richard Young von der renommierten US-Kanzlei Bryan Cave Leighton Paisner. Die Wada hat aber auch ein Problem. Zwar fand die Kontrolle 2018 im Auftrag des schwedischen Dienstleisters IDTM statt, die Kontrolleurin stimmte sich telefonisch die ganze Nacht über mit dem IDTM-Mitarbeiter ab. Aber die drei Beteiligten - Kontrolleurin, Assistent, Krankenschwester für die Blutabnahme - sind Chinesen. Sie wären wichtige Zeugen, aber sie stehen offenbar nicht zur Verfügung. Wada und IDTM müssen vor dem Cas den ordnungsgemäßen Ablauf der Kontrolle darlegen, aber bezeugen können das nur Personen, die nicht dabei waren.

Sun Yang hingegen ist schon persönlich in der Schweiz eingetroffen. Bei Weibo postete er ein Foto von einem Park, dazu den Spruch: "Es gibt immer Sonne nach dem Sturm." Auf englisch. Die Sonne heißt da: Sun.

Schwimm-WM Die Mama mit dem Hammer

Schwimmer Sun Yang

Die Mama mit dem Hammer

Auf 59 Seiten beschreibt der Schwimm-Weltverband jene Nacht, in der Sun Yang eine Dopingprobe zerstören ließ - und spricht ihn frei. Die Fina veröffentlicht das Urteil nicht, doch der SZ liegt es vor. Eine Dokumentation.   Von Claudio Catuogno