Rücktritt im Deutschen Schwimm-Verband Eskalation wegen 60 Cent

Mag nicht mehr: Gabi Dörries ist als Präsidentin des Schwimm-Verbandes zurückgetreten.

(Foto: Tilo Wiedensohler/imago/Camera 4)
  • Gabi Dörries ist als Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes zurückgetreten.
  • Grund ist ein Streit um ein neues Finanzierungskonzept des DSV. Dörries wollte eine Beitragerhöhung von 60 Cent im Jahr. Die erste seit dreißig Jahren.
  • Der Präsident des Sächsischen Schwimm-Verbandes findet die Eskalation bedauerlich: "Das Geld hat man mit dem Pfand von drei Bierflaschen zusammen."
Von Barbara Klimke

Um das Ende zu erklären, ist es mitunter hilfreich, an den Anfang zu erinnern. "Sie hat eine schwere Aufgabe übernommen", sagte der Weltrekordler Paul Biedermann einmal über die Chefin der deutschen Schwimmer, Gabi Dörries. Biedermann gehörte wie die ebenfalls zurückgetretene Olympiasiegerin Britta Steffen zu den Wahlhelfern, als die Elmshorner Unternehmerin sich vor zwei Jahren um das Präsidentenamt bewarb. Dörries war bis dahin Vorsitzende der Fachsparte Schwimmen im DSV, sie wollte die Strukturveränderung in dem Verband beschleunigen, der zuletzt bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio weit unter seinen Möglichkeiten geblieben war. Sie hatte dabei den Rückhalt der Aktiven. Am Samstag ist sie entnervt zurückgetreten.

Auf einem außerordentlichen Verbandstag in Bonn hat Dörries nach elfstündiger Sitzung aufgegeben. Nach den Beschlüssen, so sagte sie, sehe sie "keine Basis für eine weitere Arbeit in dieser Position". Ihr Präsidium hatte den Delegierten eine neue Satzung vorgelegt, wollte zudem über eine Beitragserhöhung abstimmen lassen. Auf die Satzung, die Entscheidungskompetenzen vereinfachen soll, konnten sich die Landesverbände verständigen, beim Geld endete die Einigkeit. Zu einer Abstimmung über die Anhebung der Abgabe um 60 Cent auf jährlich 1,40 Euro pro Mitglied kam es gar nicht. Die Landesverbände Baden und Württemberg stellten einen Antrag auf "Nichtbefassung und Vertagung" des Themas, der eine Mehrheit fand. Dörries sah ihr Wahlprogramm gescheitert. Auch die für Finanzen verantwortliche Vizepräsidentin Andrea Thielenhaus trat zurück.

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Nachfolger können erst beim Verbandstag 2019 gewählt werden, und so steht der Schwimm-Verband mit seinen rund 600 000 Mitgliedern plötzlich ohne Präsidentin da. "Eine unschöne Situation", sagte der Präsident des Sächsischen Schwimm-Verbandes, Wolfram Sperling, am Sonntag. Die Eskalation der Debatte um 60 Cent fand er bedauerlich, vor allem angesichts der Dimension des Betrags: "Das Geld hat man mit dem Pfand von drei Bierflaschen zusammen." Der sächsische Verband habe die von Dörries vorgeschlagene Beitragserhöhung als unproblematisch angesehen.

Zumal es die erste seit dreißig Jahren war. Allerdings räumte Sperling ein, dass andere Landesverbände möglicherweise Finanzierungsprobleme sehen, wenn sie den Betrag nicht auf ihre Mitglieder umlegen können. So werteten die Delegierten aus Nordrhein-Westfalen die Lage nach einer Umfrage in ihren Vereinen kritischer: Zu befürchten sei, dass eine Anhebung des DSV-Beitrags "bei uns zwischen 15 und 20 Prozent Mitgliederrückgang bedeutet", schreibt der Schwimmverband NRW auf seiner Homepage.

Der Schwund würde die Etatprobleme verschärfen, weil die Fördergelder an die Mitgliederzahlen gekoppelt seien. Die Verbände Baden und Württemberg wiederum erinnerten daran, dass erst kürzlich die Lizenzgebühren für Wettkampfschwimmer erhöht wurden. Ihre Verweigerungshaltung begründeten sie deshalb mit dem Hinweis, dass der DSV für 2018 und 2019 mit diesen Mehreinnahmen "ausreichend solide finanziert" sein sollte. Gabi Dörries hatte wohl geahnt, dass beim Thema Geld mit Widerstand zu rechnen ist. Vor den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Berlin, die in dieser Woche beginnen, hatte sie in einem Brief an die Vereine auf die Nöte des Verbandes hingewiesen: Schon das letzte Präsidium ihrer Vorgängerin Christa Thiel habe gewusst, dass der DSV unterfinanziert sei, schreibt sie und skizziert die Aufgaben des Verbands, von der Wettkampforganisation über Schiedsrichterausbildung bis zum Gesundheitssport.

Die Mitglieder sollten abwägen, ob ihnen die Verbesserungen im DSV "nicht fünf Cent im Monat wert sind". Nach den Entscheidungen vom Samstag hat die frühere Athletensprecherin Dorothea Brandt den Landesverbänden nun vorgeworfen, sie hätten "den Grundstein für das Ende des Leistungssports im DSV gelegt". Dörries kam beim Abschied die Vorgängerin Thiel in den Sinn: "Jetzt sehe ich, was es für eine Leistung war, diesen Verband 16 Jahre geführt zu haben."

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