André Schürrle Kleiner Gewinner unter Verlierern

Kurzeinsatz gegen Watford: André Schürrle (rechts) versuchte vergeblich, sein siebtes Saisontor für Fulham zu erzielen.

(Foto: Richard Heathcote/Getty)
  • André Schürrle, 28, steht durch ein 1:4 mit dem FC Fulham gegen FC Watford seit Dienstagabend als Absteiger aus der Premier League fest.
  • Zum BVB, der ihn in die Premier League verlieh, wird Schürrle wohl nicht zurrückkehren.
  • Doch seine Leistungen in England sind ordentlich.
Von Sebastian Fischer

Es ist davon auszugehen, dass Mario Götze wusste, was er da sagte. "Das Thema Nationalmannschaft ist noch nicht abgehakt", hat er gerade der Sport Bild auf die entsprechende Nachfrage geantwortet. Natürlich wurde die Meldung von Götzes Traum von einer Rückkehr gerne aufgegriffen, natürlich war wie immer zu solchen Anlässen vom WM-Endspieltorschützen von 2014 zu lesen, manchmal auch vom "WM-Helden", in der öffentlichen Wahrnehmung wird er das nun mal bleiben. Genau wie André Schürrle der Vorbereiter des entscheidenden Tors im Finale von Rio de Janeiro bleibt. Auch Schürrle weiß, was er zu dem Thema am besten sagt. Jüngst im Kicker klang das so: Er sei "weit entfernt" von der Nationalelf.

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Götze, 26, ist in dieser Saison einer der prägenden Protagonisten von Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund. Schürrle, 28, steht durch ein 1:4 mit dem FC Fulham gegen FC Watford seit Dienstagabend als Absteiger aus der Premier League fest. Sein Vertrag sieht nun vor, dass er von seiner Leihe im Sommer vorzeitig zum BVB zurückkehrt. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Dortmunds Trainer Lucien Favre mit ihm plant. Doch daraus nun zu schlussfolgern, dass Schürrles Laufbahn gerade eine enttäuschende Richtung nimmt, wäre trotzdem zu vorschnell.

Dass Fulham absteigt hat viele Gründe, doch Schürrle ist eher keiner davon. "Wir können keinen Sturm überstehen", sagte etwa Trainer Scott Parker nach dem Spiel am Dienstag, die Niederlage sei ein Spiegelbild der Saison gewesen: Regelmäßig habe sich die Mannschaft fatale Schwächephasen gegönnt. Watford schoss die Tore zwei bis vier innerhalb von zwölf Minuten.

Fast einen Monat lang hinderte ihn eine Viruserkrankung am Fußballspielen

Zu dieser inkonstanten Saison gehört auch, dass Parker bereits der dritte Trainer ist, nachdem Claudio Ranieri im November verpflichtet und Ende Februar wieder freigestellt worden war. Zu den Fehlern zählen auch viele Transfers, mehr als umgerechnet 100 Millionen Euro hat Fulham als Aufsteiger für neue Spieler ausgegeben, der rund 30 Millionen Euro Ablöse teure Mittelfeldspieler Jean Michaël Seri war nur an insgesamt vier Toren beteiligt, der nur unwesentlich günstigere und ebenfalls ohne Premier-League-Erfahrung nach London gewechselte André Zambo Anguissa an keinem. "Dem Klub war nicht bewusst genug, dass der Umbruch Zeit benötigt und nicht direkt Erfolg verspricht", sagte Schürrle im Dezember. Er war als gelungener Transfer eher die Ausnahme.

Von den vergangenen neun Spielen, die der Tabellen-Vorletzte der englischen Liga allesamt verlor, bestritt Schürrle nur drei. Fast einen Monat lang hinderte ihn eine Viruserkrankung am Fußballspielen. Trotzdem stand er bislang 21 Mal in der Liga in der Startelf, so oft wie zuletzt für den VfL Wolfsburg 2015/2016. Damals schoss er neun Saisontore. Diesmal sind es immerhin schon sechs. Sein Treffer gegen Burnley im Januar wurde zum Tor des Monats gewählt. Aus dem Lauf kontrollierte er einen weiten und hohen Pass mit der ersten Berührung mit dem Spann und schoss den Ball mit der zweiten an die Unterkante der Latte. Es sei eines der drei schönsten Tore seiner Karriere gewesen, sagte Schürrle. Und tatsächlich erinnerte es ein wenig an sein wohl schönstes, das 7:0 beim 7:1 gegen Brasilien im WM-Halbfinale 2014.

Schürrle ist der deutsche Fußballer, für den in seiner Karriere insgesamt die höchste Summe an Ablösezahlungen bezahlt wurde, mehr als 90 Millionen Euro. Doch seit seinem Wechsel aus Wolfsburg nach Dortmund 2016 hatte er es schwer, war oft verletzt und hatte mit der Erwartungshaltung zu kämpfen. Er habe das Gefühl gehabt, "zur Zielscheibe zu werden", sagte er dem Magazin 11Freunde. In Fulham war er nun ein kleiner Gewinner unter Verlierern, weil er wieder Wertschätzung erfuhr. Das Trikot mit seiner Nummer 14 ist im Fanshop das am drittmeisten verkaufte.

Fulham bleiben fünf Spiele, in denen es um nichts mehr geht. Für André Schürrle geht es darum, sich für seine nächste Bühne zu empfehlen. Auch wenn sie wohl nie mehr so groß sein wird wie 2014.

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