Schiedsrichter Knut Kircher - der verschmitzte Schlichter geht

Liebling der Spieler: Knut Kircher (Archivbild).

(Foto: dpa)

Der Schiedsrichter pfeift seine letzte Bundesliga-Partie. Warum mögen ihn eigentlich so viele Spieler?

Von Christof Kneer

Wie man weiß, sind die Schiedsrichter an allem schuld. Sie sind die Einzigen im Stadion, die Hand nicht von Hand unterscheiden können, kein Fingerspitzengefühl haben und manchmal sogar Trainer auf die Tribüne schicken, obwohl die da gar nicht hin wollen. Der Schiedsrichter Knut Kircher hingegen besitzt eine andere, sehr spezielle Eigenschaft: Er kann machen, dass es auf dem Rasen dunkel wird.

Wenn sich Kircher mit seinen 196 Zentimetern Körpergröße vor einem Spieler aufbaut, steht dieser Spieler erst mal im Schatten. Meistens legt dieser furchterregende Dunkelmann seine Hand dann aus sehr großer Höhe sehr freundlich auf der Schulter des Spielers ab, und mehr muss diese Hand dann gar nicht tun. Sie muss keine gelbe Karte aus der Tasche holen.

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Am Samstag läuft Kircher, 47, zum letzten Mal in die Münchner Arena ein, er wird sein 244. und letztes Bundesligaspiel leiten, und die Chancen stehen gut, dass zu den 17 Platzverweisen, die er in seiner Karriere als Erstliga-Schiedsrichter angeordnet hat, kein weiterer hinzukommt. Acht rote und neun gelb-rote Karten in 15 Erstliga-Jahren, das ist eine spektakulär friedliche Bilanz für einen Schiedsrichter.

Heiner Geißler unter den Bundesliga-Schiedsrichtern

Kircher war all die Jahre so etwas wie der Lieblings-Referee der Bundesligaspieler, bei den einschlägigen Umfragen unter Profis landete er nur dann nicht auf Platz eins, wenn er auf Platz zwei landete. Erster war dann meistens Florian Meyer, der nun ebenso wie Kircher und der Kollege Michael Weiner die Altersgrenze von 47 erreicht hat und an diesem Wochenende aufhört.

Knut Kircher war der Heiner Geißler unter den Bundesliga-Schiedsrichtern, ein verschmitzter Schlichter, den die streitenden Parteien immer ernst genommen haben, obwohl er nie laut war. Seine letzte Saison war nicht seine beste, Kircher weiß das selbst, aber grundsätzlich hat sich der Riese aus Rottenburg über all die Jahre den Ruf erworben, dass er Hand von Hand unterscheiden kann und sogar Fingerspitzengefühl besitzt. Und einen Trainer auf die Tribüne zu schicken, hat er sowieso nie nötig gehabt. Es hat immer gereicht, wenn er ihn kurz in den Schatten stellte.

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