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Schalke 04:Aus den Träumen gerissen

Leroy Sané bei seinem Treffer zum 2:2.

(Foto: AFP)
  • Schalke 04 verliert in der Champions League trotz Überzahl und 2:1-Führung gegen Manchester City.
  • Dem Ex-Schalker Leroy Sané gelingt mit einem sehenswerten Freistoß der Ausgleich zum 2:2.
  • Trotz der 2:3-Niederlage gegen den Premier-League-Klub dürften die Gelsenkirchener neue Zuversicht schöpfen.

Leroy Sané war auch ein bisschen schockiert, als ihm am Mittwochabend um 22.46 Uhr der perfekte Freistoß gelang. Kann gut sein, dass der 23-Jährige in seinem Leben einen solchen Freistoß nicht mehr schießt. Aber ausgerechnet gegen Schalke! "Ausgerechnet gegen meine alte Liebe!", teilte er hinterher bedauernd mit. "Tut mir ja auch ein bisschen leid", sagte er. Schon im Torjubel, als seine Kollegen von Manchester City ihn bestürmten und besprangen, hatte er deutlich erkennbar wie zur Entschuldigung ans Schalker Publikum die Hand gehoben. Doch eigentlich kann man alten Weggefährten nicht einen Faustschlag verpassen und dann sagen: Sorry! Sanés Freistoßtor war ein Faustschlag für Schalke.

2:1 hatten die Schalker geführt bis zu dieser 85. Minute - und seit 17 Minuten in Überzahl gespielt. Sie witterten eine Chance, die vermeintlich weltbeste Klubmannschaft an diesem Abend zu besiegen und drei Wochen später in Manchester womöglich eine Sensation zu schaffen, um ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen. Schalke schwebte ein paar Zentimeter über dem Boden, als Leroy Sané, geboren in Essen und zum Fußballprofi gereift in Gelsenkirchen, anlief, um die Königsblauen aus ihren himmlischen Gedanken zu reißen. Fünf Minuten später (90.) erzielte Raheem Sterling auch noch das 3:2 für Manchester - und alle Schalker Träume vom Viertelfinale waren hinfällig.

Seit Sané im August 2016 gegen eine Ablöse von 50 Millionen Euro aus Gelsenkirchen nach Manchester wechselte, ging er nicht nur in die geniale taktische Schule des Trainers Josep Guardiola. Er hat auch versucht, den perfekten Freistoß zu erlernen. "Er übt diese Freistöße jeden Tag", sagt Guardiola. "Stimmt", bestätigt der Sohn des früheren Wattenscheider Bundesliga-Profis Souleyman Sané, "ich feile täglich daran und übe diese Freistöße, seit ich in Manchester bin."

Nun kann man so etwas jeden Tag üben und auch sicherer und zuverlässiger im Schießen und Zielen werden - aber es ist noch etwas ganz anderes, in einem Champions-League-Achtelfinale bei seinem Heimatklub in der 78. Minute erst eingewechselt zu werden, sieben Minuten später einen Freistoß in etwa 20 Metern Tordistanz zu erhalten, sich bei einem 1:2-Rückstand den Ball zurecht zu legen, anzulaufen und den Ball dann wirklich so perfekt zu treffen, wie man es vermutlich nicht einmal im Training über Tage, ja Wochen, schafft.

"Ich finde, dass Domenico Tedesco ein guter Trainer ist"

Sanés Freistoß in der 85. Minute zum 2:2-Ausgleich war vielleicht einer der schönsten Freistöße, die die Fußballwelt seit langem gesehen. "Es war unglaublich", sagte Guardiola, der nicht gerade für einen übersinnlichen Blick auf den Fußball bekannt ist.

Übersinnlich aber könnte den traurigen Schalkern der denkwürdige Fußballabend in Erinnerung bleiben. Gegen Manchester City, eine Mannschaft, gegen die sogar der FC Chelsea kürzlich in der Premier League eine 0:6-Packung erhalten hat, führten die in der Bundesliga mitleiderregend schwach spielenden Schalker bis zu dieser 85. Minute durch zwei Elfmeter in der ersten Halbzeit (Nabil Bentaleb) mit 2:1, waren nach Gelb-Rot für Citys Nicolas Otamendi sogar in Überzahl sowie drauf und dran, ihre leidgeprüften Fans für Wochen des tristen Fußballs zu entschädigen, als Sané und Sterling ihnen alles zerstörten.

"Wir hätten's in Überzahl besser ausspielen müssen", sagte Flügelspieler Daniel Caligiuri hinterher - und dass es ihm leid tue für Mannschaft und Fans. Aber Caligiuri fand auch noch einen anderen Interpretationsansatz für dieses Spiel: "Manchester City ist die beste Mannschaft der Welt - und dass wir da so gut mitgehalten haben, das macht uns stolz."

Und mit diesem Stolz wollen die Schalker nun die nächsten Aufgaben angehen: am Samstag in Mainz, in drei Wochen in Manchester und Anfang April im DFB-Pokal-Viertelfinale daheim gegen Werder Bremen. Schalke hat gegen Manchester City unglücklich verloren, aber gewonnen haben sie neue Zuversicht für ein wegweisendes Frühjahr. Und auch ihr Trainer Domenico Tedesco hat spät in der Nacht am Mittwoch noch ein besonderes Kompliment bekommen - vom Freistoßzauberschützen. "Ich finde, dass Domenico Tedesco ein guter Trainer ist", sagte Leroy Sané und zerstreute womöglich beim einen oder anderen Skeptiker Zweifel am Schalker Trainer. Es war ein therapeutischer Abend für den FC Schalke 04.

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