Saubere Olympische Spiele:Signal für die Fahnder

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Als das publik wurde, entstand ein Mediendruck, der, wie Ljungqvist zugibt, dazu führte, dass einige Athen-Proben nachgetestet wurden. "Ich glaubte nicht, dass wir etwas finden", sagt der Schwede am Rande der IOC-Session, "wir hatten die Proben ja schon auf diese Substanzen getestet, und sie waren negativ."

Aber siehe da: Im Zweitversuch, mit stark verbesserter Analysetechnik, sind nun fünf Proben "verdächtig". Fünf von nur 100, die gezielt ausgesucht wurden. Das sind fünf Prozent - und das wären, auf London umgerechnet, etwa 270 Fälle. Eine ganz neue olympische Betrugsdimension.

Ljungqvist deutet an, dass es sich um Hochkaräter handelt - für Nachermittlungen gegen nepalesische Bogenschützen, sagt er, "wäre der Aufwand nicht zu rechtfertigen". Vermutlich geht es um Medaillengewinner, aus Sportarten, wo der Einsatz von Epo oder Steroiden lohnt. Laborkreise tippen auf letztere. Der Nachweiszeitraum für Steroide hat sich seit 2004 auf vier Wochen fast verdoppelt, sagt einer im Londoner Labor, auch sei man bei Designer-Substanzen vorangekommen. Ljungqvist schweigt, "bevor die B-Proben geöffnet sind".

Derzeit würden die Proben en detail abgeprüft: "Ob ärztliche Attests vorlagen, ob die Lagerung korrekt war, ob die Beweiskette hält." Dann werden die Betroffenen informiert. "Ich hoffe, wir kriegen es während der Spiele hin, das wäre ein gutes Zeichen", sagt er. "Ein Zeichen wofür", wettert Pound, "dass man nach sieben Jahren und elf Monaten noch die Kurve kriegt?"

Ein Signal könnte es dennoch sein, für die Fahnder. Dass sie den Betrügern stets nachjagen, ist eingedenk rasantester Pharma-Fortschritte logisch. Rückwirkende Tests aber drehen die Verhältnisse um: Den Doper schützt nicht mehr, aktuell vor Entlarvung sicher zu sein - er muss Gewissheit haben, dass das auch in acht oder zehn Jahren noch so ist. Daneben helfen intelligente Zielkontrollen, auch für solche gibt es im Dunstkreis dieser Spiele erste Anzeichen.

Muss man sich in der heißen Trainingsphase vor Olympia nicht alle Mitglieder einer Trainingsgruppe anschauen, in der ein Athlet auffliegt - zumal, wenn dort Spitzenleute zugange sind? Weltklasse- Doper kriegt man nicht mit Test-Bombardements, sondern mit kluger Strategie.

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