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Premier League:Guardiola dankt Bankdrücker Sané

Manchester United - Manchester City

Jubelt über sein Tor: Leroy Sané.

(Foto: dpa)
  • Mit einem 2:0-Sieg im Nachholspiel gegen Manchester United hat Manchester City beste Chancen auf die englische Meisterschaft.
  • Entscheidender Spieler ist Leroy Sané, den Trainer Pep Guardiola zuletzt auf der Bank ließ.
  • Leidtragender könnte Jürgen Klopps FC Liverpool sein - die nun auf einen Ausrutscher von City gegen Leicester, Burnley oder Brighton hoffen müssen.

Das Schicksal schien Pep Guardiola die Hand zu reichen, nachdem es ihm beim Aus gegen Tottenham Hotspur im Viertelfinale der Champions League so böse mitgespielt hatte. Zu Beginn der zweiten Halbzeit im Stadtduell bei Manchester United musste Guardiola für das defensive Mittelfeld spontan eine Lösung finden. Nach einem Pressschlag - den Guardiola wegen seines unkontrollierbaren Ausgangs verabscheut wie eine Grätsche - hatte sich Fernandinho am rechten Knie verletzt. Zeit zur Risikoabwägung blieb dem Trainer von Manchester City nicht, der eigentlich jeden taktischen Zug mindestens einmal vor- und zurückdenkt. Als hätte ihn das Glück zu dieser Einwechslung gezwungen, griff Guardiola auf den bis dahin in entscheidenden Spielen außen vorgelassenen Leroy Sané zurück - und der verhalf den Citizens prompt zum Derbysieg und damit vermutlich zur englischen Meisterschaft.

Nur 167 Sekunden nachdem Sané, 23, das Spielfeld betreten hatte und ohne dass die Partie anschließend unterbrochen wurde, erzielte Bernardo Silva die Führung (54.). Zwölf Minuten später gelang dem deutschen Nationalspieler selbst mit dem nächsten Treffer das 157. Pflichtspieltor für City in 57 Saisonpartien, eines mehr als in der eigenen Rekordtorspielzeit vor fünf Jahren. Kein anderer englischer Erstligist in der Historie kann auf eine solche Ausbeute verweisen. Genauso wie auf die jetzt sieben in der Premier League erspielten Auswärtserfolge im Old Trafford, die für United einer Demütigung gleichkommen.

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Nach der siebten Niederlage in neun Pflichtspielen - das gab es bei United zuletzt 1962 - verließen die Fans des Rekordmeisters fluchtartig das Stadion. Nicht wissend, ob es nun besser sei, dass mit City der Nachbar den Pokal abräumen wird oder mit dem FC Liverpool der größte Rivale der vergangenen Jahrzehnte. Im Sky-Studio ächzte Uniteds ehemaliger Mittelfeld-Bösewicht Roy Keane, dass die Spieler, die bereits den im Dezember entlassenen José Mourinho "unter den Bus" geworfen hätten, dasselbe nun mit dem derzeitigen Trainer Ole Gunnar Solksjaer tun werden: "Da sind zu viele Gaukler im Klub, um wieder an die Spitze zu kommen."

Durch das 2:0 über United im Nachholspiel hat Manchester City drei Spieltage vor Schluss mit 89 Punkten mit einem Zähler vor Liverpool die Tabellenführung in der Premier League übernommen. Um die Hoheit im Meisterschaftskampf zu wahren, blieb City am Mittwoch auch nichts anderes übrig, als das elfte Ligaspiel hintereinander zu gewinnen. Sofern der Titelverteidiger in den anstehenden Duellen mit dem FC Burnley, Leicester City und Brighton & Hove Albion die Ruhe bewahrt, würde City als erster Verein seit zehn Jahren nach Manchester United den Triumph aus der Vorsaison wiederholen - Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp müsste weiter auf den ersten Ligagewinn seit 1990 warten. Der Rest des Feldes, in der Tabelle inzwischen in mehrere Gruppierungen zerlegt, ist längst abgehängt. "Noch sind wir nicht Champions", sagte Guardiola, er habe den Spielern gesagt: "Lest nichts, schaut kein Fernsehen, sondern erholt euch und schlaft."

Das Restprogramm der Titelanwärter in England

Aktueller Tabellenstand

1. Manchester City 35 29 2 4 89:22 89

2. FC Liverpool 35 27 7 1 79:20 88

36. Spieltag

FC Liverpool - Huddersfield Town (20.) Fr., 26.4.

FC Burnley (15.) - Manchester City So., 28.4.

37. Spieltag

Newcastle United (13.) - FC Liverpool Sa., 4.5.

Manchester City - Leicester City (10.) Mo., 6.5.

38. Spieltag (So., 12.5.)

Brighton&Hove Albion (17.) - Manchester City

FC Liverpool - Wolverhampton Wanderers (7.)

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In Klammern die aktuellen Platzierungen der jeweiligen Gegner

Die bevorstehende Meisterschaft müsste dabei für Guardiola erneut als Trostpreis herhalten für das auch im dritten Jahr verpasste Ziel, mit City endlich die Champions League zu gewinnen. Die Bedeutung der geholten 195 Punkte im Verlauf der vergangenen zwei Saisons brachte Guardiola nach Abpfiff zum Ausdruck. Im Stil eines Fanbetreuers beorderte er jeden Profi zur Gasttribüne in die hinterste Stadionecke. Den Tross leitete Guardiola, der sich gewöhnlich nach Abpfiff aus dem Staub macht, selbst an: klatschend, winkend, grüßend. Mit der Hand wuschelte er Sané über den Kopf. Die Geste sah aus wie eine Beichte, mit der Guardiola bei seinem hochveranlagten Außenangreifer um Nachsicht bitten wollte für seinen Entschluss, ihn beim Knockout gegen Tottenham in der Königsklasse nur für sieben Minuten eingesetzt zu haben (Hinspiel: eine Minute, Rückspiel: sechs Minuten) - obwohl das Team in beiden Partien dringend Tore benötigt hätte.

Sanés geringe Einsatzzeiten in den richtungsweisenden Partien lenken den Blick ins Mittelfeld von City, in dem Guardiola in Fernandinho und Ilkay Gündogan oftmals auf zwei spielkontrollierende Profis setzt. Dadurch blockieren Bernardo Silva, der gegen United nach der Auswechslung von Fernandinho in die Zentrale rückte, und der gesetzte Raheem Sterling die Außenpositionen für Sané.

Dieses Sicherheitsdenken schlägt sich bei Guardiola in der Aufstellung nieder, seit der FC Liverpool das Offensivstreben der Citizens in der Vorsaison an der Anfield Road in Liga und Champions League mit insgesamt sieben Toren konterkariert hat. Der forsche, unberechenbare Spielstil des ehemaligen Schalkers Sané passte deshalb zuletzt nicht so recht zu dieser neuen Ausrichtung - bis Pep Guardiola am Mittwoch durch einen Pressschlag gezwungen war, seine Strategie zu ändern.

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