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Syrien-Konflikt:Nach Statement zum türkischen Militär: St. Pauli trennt sich von Sahin

Cenk Sahin

„Die wollten, dass ich das lösche“: Cenk Sahin im Trikot von St. Pauli.

(Foto: Christian Charisius/dpa)
  • Der FC St. Pauli hat den Spieler Cenk Sahin mit sofortiger Wirkung vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt.
  • Sahin hatte sich auf Instagram solidarisch mit dem türkischen Militär und der Operation in Nordsyrien gezeigt.
  • Der Verein sagte, Sahin hätte wiederholt die Werte des Vereins missachtet.

Der FC St. Pauli wird den türkischen Fußball-Profi Cenk Sahin nicht mehr einsetzen. "Nach erneuten Gesprächen zwischen den Verantwortlichen des Vereins und dem Spieler wird Cenk Sahin vom Trainings- und Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung freigestellt. Zur Entscheidungsfindung trugen vor allem die wiederholte Missachtung der Werte des Vereins sowie der Schutz des Spielers bei", teilte der Zweitligist am Montag mit. Sahin hatte am vergangenen Freitag bei Instagram die Syrien-Offensive der Türkei begrüßt und seine Solidarität bekundet.

Der Vertrag mit dem 25 Jahre alten Mittelfeldspieler soll zunächst seine Gültigkeit behalten. Die Hamburger erteilen Sahin, der mit einer Ablösesumme in Höhe von 1,3 Millionen Euro der zweitteuerste Profi der Vereinsgeschichte ist, eine Trainings- und Gastspielerlaubnis. Damit darf er sich in seiner türkischen Heimat, wo er sich derzeit aufhält, einem anderen Verein anschließen. Ein Transfer ist jedoch erst im Winter möglich.

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Den beiden deutschen Nationalspielern gefällt ein Instagram-Bild, auf dem türkische Nationalspieler zu Ehren des Militärs salutieren. Kurze Zeit später machen sie die Aktion rückgängig.

Sahin hatte in seinem Post geschrieben: "Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!" Daraufhin hatten die Fans des FC St. Pauli den Verein aufgefordert, sich sofort vom Spieler zu trennen.

Nach zahlreichen Gesprächen "mit Fans, Mitgliedern und Freund*innen, deren Wurzeln in der Türkei liegen" sei der Vereinsführung bewusst geworden, "dass wir differenzierte Wahrnehmungen und Haltungen aus anderen Kulturkreisen nicht bis ins Detail beurteilen können und sollten", heißt es in der Mitteilung. "Ohne jegliche Diskussion und ohne jeglichen Zweifel lehnen wir dagegen kriegerische Handlungen ab. Diese und deren Solidarisierung widersprechen grundsätzlich den Werten des Vereins."

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