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EM-Qualifikation:Gündogan und Can liken umstrittenes Foto

Euro 2020 Qualifier - Group H - Turkey v Albania

Türkische Spieler salutieren nach dem Tor gegen Albanien.

(Foto: Huseyin Aldemir/Reuters)
  • Die beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can haben ein umstrittenes Foto des türkischen Spielers Cenk Tosun auf Instagram geliked.
  • Mittlerweile haben sie den "Like" wieder zurückgenommen. Beide Spieler erklärten, sie wollten damit die politische Botschaft des Bildes nicht unterstützen.
  • Auf dem Foto salutieren mehrere türkische Nationalspieler. Die Uefa untersucht den Jubel, weil die Geste als militärischer Gruß Solidarität mit dem türkischen Militär und dessen Offensive in Nordsyrien symbolisieren soll.

Die beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can haben zwischenzeitlich ein Foto des türkischen Nationalspielers Cenk Tosun geliked, auf dem der umstrittene Jubel türkischer Nationalspieler beim EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien zu sehen ist. Das Foto zeigt die Szene nach Tosuns Siegtreffer, als die Spieler in Reih und Glied Richtung Ehrentribüne salutierten. Offensichtlich war die Geste als militärischer Gruß gemeint, der Solidarität mit dem türkischen Militär und dessen Offensive auf die kurdischen Gebiete in Nordsyrien symbolisieren soll. Beide Nationalspieler haben den "Like" mittlerweile wieder zurückgenommen.

"Ich habe den Post von Tosun, den ich schon lange kenne, beim Scrollen geliked, ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten. Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg", sagte Can der Bild-Zeitung.

"Ich habe das Like zurückgenommen, als ich gesehen habe, dass es politisch gewertet wurde", teilte Gündogan (28) auf Anfrage des Sportinforamtionsdienstes mit: "Glauben Sie mir: Nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen. Ich habe das Like bewusst zurückgenommen." Der Mittelfeldspieler von Manchester City ließ sich vor der WM in Russland mit dem türkischen Präsidenten Erdogan fotografieren. Nach den Fotos äußerte er sich im Gegensatz zu Mesut Özil umfangreich und sagte, dass er die Kritik verstehen könne. Erst vor ein paar Tagen sagte er im SZ-Interview, er habe die Situation damals unterschätzt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte sich am Sonntag vor dem EM-Qualifikationsspiel in Tallinn gegen Estland, in dem Bundestrainer Joachim Löw mit Gündogan in der Startelf plante, nicht äußern. Allerdings soll es nach der Begegnung ein Gespräch mit den Spielern geben.

Tosun wurde in Wetzlar geboren und spielte in der Jugend wie der drei Jahre jüngere Can bei Eintracht Frankfurt. Tosun und Gündogan waren gemeinsam für die deutsche U21 aktiv, ehe sich der Stürmer für das Land seiner Eltern entschied. "Wahr ist, dass ich mich für meinen ehemaligen Teamkollegen gefreut habe", sagte Gündogan weiter. Die beiden sind befreundet, Tosun wohnte nach seinem Wechsel zu Everton im Januar 2018 in Manchester im selben Haus wie die City-Profis Gündogan und Leroy Sane sowie Teammanager Pep Guardiola.

Gold medalist on the rings Ibrahim Colak of Turkey celebrates on the podium after the men's apparatus finals at the Gymnastics World Championships in Stuttgart, Germany, Saturday, Oct. 12, 2019. (AP Photo/Matthias Schrader)

(Foto: AP)

Die Europäische Fußball-Union Uefa untersucht derweil die Jubelgeste. Das bestätigte ein Uefa-Sprecher der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. "Ich habe die Geste, die zweifellos als Provokation gedeutet werden kann, nicht gesehen", sagte der Uefa-Pressechef Philip Townsend: "Politische Äußerungen sind in den Regularien aber verboten. Deshalb werden wir dem Verdacht definitiv nachgehen." Nach dem Sieg postete der türkische Verband zudem ein Bild auf Instagram und Twitter. Darauf sind die Spieler zu sehen, wie sie in der Kabine einen Militärgruß vollziehen "und den Sieg den tapferen Soldaten und Märtyrern widmen", wie unter dem Bild geschrieben steht.

Auch Ibrahim Colak, der für die Türkei bei der Turn-WM in Stuttgart den Titel an Ringen holte, salutierte bei der Hymne.

Konsequenzen muss auch Cenk Sahin vom FC St. Pauli fürchten. Er postete über seinen privaten Instagram-Account ebenfalls eine an das türkische Militär gerichtete Solidaritätsbekundung: "Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!" Unter den Sankt-Pauli-Anhängern fand dieser Post erwartungsgemäß wenig Anklang. "Wir fordern den Verein auf, Cenk Sahin am heutigen Freitag, den 11. Oktober, zu entlassen!", reagierten die St.-Pauli-Ultras auf Sahins Äußerungen. In einer Pressemitteilung distanzierte sich der Verein am Freitag von Sahins Post und erklärte, dass die Thematik intern aufgearbeitet werde und beendete die Mitteilung mit den Worten: "Nie wieder Krieg!"

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