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Rodel-WM:Biss in der Schlangengrube

Rodeln: Weltmeisterschaft

Ballt die Hand zur Faust, auch wenn er den WM-Titel verpasst hat: Felix Loch gewinnt auf seiner Hausbahn am Königssee Silber.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Felix Loch wirkte, als sei er in dieser Saison nicht zu schlagen. Auf seiner Hausbahn am Königssee zeigt sich der Seriensieger bei der Weltmeisterschaft dann allerdings doch noch verwundbar.

Von Thomas Gröbner, Berchtesgaden

Vielleicht verlor Felix Loch seine Goldmedaille in der Schlangengrube, Kurve S4, wo der Schlitten ins Eis biss. Oder in der Ausfahrt des berüchtigten Kreisels, bei dem sich die Rodler hoch hinauf bis an die Grenzen der Bahn tragen lassen und dann im richtigen Moment den Schlitten hinunterdrücken. Auch die Teufelsmühle habe "viele Tücken", sagt Loch, "da muss es auf den Zentimeter passen".

Am Ende war es bei der Rodel-Weltmeisterschaft am Königssee am Samstag tatsächlich eine Frage von Zentimetern: Im ersten Durchgang hatte Loch seinen eigenen Bahnrekord verbessert. Trotzdem lag er nur eine Zehennagellänge vor dem Russen Roman Repilov, eine Winzigkeit von zwei Tausendstelsekunden trennte die beiden. Es würde also auf den zweiten Durchgang ankommen.

Und dort trug sich Erstaunliches zu: Loch schoss über die Ziellinie, doch am Ende jubelte ein anderer. Repilov war sechs Hundertstelsekunden schneller, der Österreicher David Gleirscher gewann Bronze. Nachwuchsfahrer Max Langenhan, 21, kam auf Platz vier, Johannes Ludwig, 34, fiel nach groben Patzern zurück auf Rang fünf.

Die Heimat ist für Felix Loch ein "schwieriges Pflaster"

Dabei waren die Erwartungen an Loch ja gewaltig gewesen: Jedes Weltcup-Rennen hatte er in dieser Saison gewonnen, der Ausnahmerodler dominierte nach Belieben, stets war er der Gejagte. "Damit kann ich leben und das habe ich mir auch hart erarbeitet", hatte Loch noch vor der WM gesagt. Über den verpassten Sieg war er dann aber nicht enttäuscht, sondern glücklich, noch die Silbermedaille gerettet zu haben. Denn der finale Lauf misslang ihm gründlich, "da waren zwei, drei grobe Sachen drin", fand Loch.

Ein "schwieriges Pflaster" ist für den 31-jährigen Berchtesgadener die Heimat, "happy" war er trotzdem: "Mit so einer Medaille zuhause zu bleiben - was will man mehr." Keiner kennt diese Bahn am Königsee besser als Loch, vielleicht kennt er sie zu gut. Ein bisschen zu fein, ein wenig zu genau wollte er seine Fahrt machen, "dann geht gerne was schief".

Es waren "ganz banale Fahrfehler", urteilte Loch, Fehler, die sein Schlitten ihm nicht verzieh: Denn Loch hatte sein Gerät radikal eingestellt, sein Schlitten ist schnell im Eiskanal, aber lässt sich nur schwer beherrschen. Vier verschiedene Prototypen hatte der Tüftler Loch gebaut, mit wissenschaftlicher Unterstützung und dem Rat der Rodellegende Georg Hackl. Der sagt über Loch: "So gut wie jetzt war er noch nie." Vielleicht auch deshalb kann Loch den verpassten WM-Titel locker sehen. "Ich könnte sagen, das ist mein schlechtestes Einzelergebnis", sagte Loch. Was nicht ganz stimmt. Am Freitag landete er im Sprint nur auf Rang vier.

Mit dem WM-Titel hätte Loch der Rekord-Weltmeister im Rodeln werden können. So teilt er sich den ersten Platz in dieser Statistik mit sechs Einzel-Erfolgen weiter mit dem Italiener Armin Zöggeler - und kann in St. Moritz immer noch eine fast perfekte Saison zu Ende bringen und der erste Vertreter seiner Sportart werden, der alle Weltcup-Rennen gewinnt. Dann werden wohl auch Loch, der selten um eine Antwort verlegen ist, die Worte fehlen: "Wenn das klappt, dann weiß ich auch nicht, was ich noch sagen soll."

© SZ/jki/and
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